Schmug­gel – und die Steu­er­hin­ter­zie­hung

Bei Schmug­gel gemäß § 373 AO han­delt es sich um einen Qua­li­fi­ka­ti­ons­tat­be­stand, der den Grund­tat­be­stand des § 370 AO ver­drängt 1.

Schmug­gel – und die Steu­er­hin­ter­zie­hung

Dies gilt für vor dem 1.01.2008 began­ge­ne Taten trotz unter­schied­li­cher Straf­an­dro­hun­gen auch dann, wenn – wie hier – zugleich die Vor­aus­set­zun­gen eines beson­ders schwe­ren Falls der Steu­er­hin­ter­zie­hung gemäß § 370 Abs. 3 AO aF gege­ben sind.

Schmug­gel bis 2007

Der Umstand, dass § 373 AO in sei­ner bis zum 31. Dezem­ber 2007 gel­ten­den Fas­sung (aF) einen Straf­rah­men von drei Mona­ten bis fünf Jah­ren Frei­heits­stra­fe vor­sah, wäh­rend § 370 Abs. 3 AO aF für einen beson­ders schwe­ren Fall der Steu­er­hin­ter­zie­hung Frei­heits­stra­fe von sechs Mona­ten bis zu zehn Jah­ren androh­te, lässt das kon­kur­renz­recht­li­che Ver­hält­nis zwi­schen § 373 AO und § 370 AO unbe­rührt 2.

Die unter­schied­li­chen Straf­an­dro­hun­gen wir­ken sich viel­mehr bei der Straf­zu­mes­sung auf die Straf­rah­men­wahl aus.

Für vor dem 1. Janu­ar 2008 began­ge­ne Taten gemäß § 373 AO aF, bei denen zugleich die Vor­aus­set­zun­gen eines beson­ders schwe­ren Falls der Steu­er­hin­ter­zie­hung gemäß § 370 Abs. 3 AO aF ver­wirk­licht sind, ist die Stra­fe dem Straf­rah­men des § 370 Abs. 3 AO aF zu ent­neh­men. Denn es wäre sinn­wid­rig, die­sen Straf­rah­men nur des­halb nicht zur Anwen­dung zu brin­gen, weil zum Grund­tat­be­stand zusätz­lich ein Merk­mal, das die Tat als Schmug­gel qua­li­fi­ziert – wie hier die Gewerbs­mä­ßig­keit (§ 373 Abs. 1 AO) , hin­zu­kommt. Der Täter wür­de andern­falls wegen die­ser straf­schär­fen­den Bege­hungs­art mil­der bestraft wer­den, als wenn die­se fehl­te 3.

Schmug­gel ab 2008

Dage­gen besteht für nach dem 31. Dezem­ber 2007 began­ge­ne Taten nach Anhe­bung des Straf­rah­mens des Schmug­gels gemäß § 373 AO auf Frei­heits­stra­fe von sechs Mona­ten bis zu zehn Jah­ren für einen Rück­griff auf den Straf­rah­men des § 370 Abs. 3 AO kein Bedürf­nis mehr 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. Sep­tem­ber 2015 – 1 StR 11/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 05.11.2014 – 1 StR 267/​14, NStZ 2015, 285; BGH, Urtei­le vom 22.05.2012 – 1 StR 103/​12, NStZ 2012, 637; und vom 28.09.1983 – 3 StR 280/​83, BGHSt 32, 95[]
  2. vgl. im wei­te­ren Sin­ne auch § 12 Abs. 3 StGB; BGH, Beschluss vom 05.11.2014 – 1 StR 267/​14, NStZ 2015, 285[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 05.11.2014 – 1 StR 267/​14, NStZ 2015, 285; BGH, Urtei­le vom 28.09.1983 – 3 StR 280/​83, BGHSt 32, 95; und vom 10.09.1986 – 3 StR 292/​86, wis­tra 1987, 30; Jäger in Franzen/​Gast/​Joecks, Steu­er­straf­recht, 7. Aufl., § 373 Rn. 51; Hil­gers-Klautzsch in Kohl­mann, Steu­er­straf­recht, 51. Lfg., § 373 Rn. 145; Schmitz/​Wulf in Münch­Komm-StGB, 2. Aufl., § 370 Rn. 539[]
  4. Jäger aaO; Hil­gers-Klautzsch aaO; Schmitz/​Wulf aaO[]