Steu­er­hin­ter­zie­hung – und das ver­deck­te Treu­hand­ver­hält­nis

Eine Treu­hand­ver­ein­ba­rung ist dadurch gekenn­zeich­net, dass der Treu­ge­ber dem Treu­hän­der Ver­mö­gens­rech­te über­trägt, ihn aber in der Aus­übung der sich dar­aus erge­ben­den Rechts­macht im Innen­ver­hält­nis nach Maß­ga­be der schuld­recht­li­chen Ver­ein­ba­rung beschränkt. Der Treu­ge­ber kann alle mit der Betei­li­gung ver­bun­de­nen wesent­li­chen Rech­te aus­üben und im Kon­flikt­fall effek­tiv durch­set­zen. Der Treu­hän­der ist mit einer schuld­recht­li­chen Her­aus­ga­be­ver­pflich­tung belas­tet.

Steu­er­hin­ter­zie­hung – und das ver­deck­te Treu­hand­ver­hält­nis

Ein (ver­deck­tes) Treu­hand­ver­hält­nis führt nur dann zu einer von § 39 Abs. 1 AO abwei­chen­den Zurech­nung, wenn es ein­deu­tig ver­ein­bart und nach­weis­bar ist und kon­se­quent durch­ge­führt wird. Es muss zwei­fels­frei erkenn­bar sein, dass der Treu­hän­der in die­ser Eigen­schaft – und nicht für eige­ne Rech­nung – tätig gewor­den ist und der Treu­ge­ber muss das Treu­hand­ver­hält­nis tat­säch­lich beherr­schen.

Unver­zicht­ba­res Merk­mal einer sol­chen Beherr­schung ist eine Wei­sungs­be­fug­nis des Treu­ge­bers und damit kor­re­spon­die­rend die Wei­sungs­ge­bun­den­heit des Treu­hän­ders in Bezug auf die Behand­lung des Treu­guts. Zudem muss der Treu­ge­ber berech­tigt sein, jeder­zeit die Rück­ga­be des Treu­guts zu ver­lan­gen 1.

Die mit der for­mel­len Eigen­tü­merstel­lung ver­bun­de­ne Ver­fü­gungs­macht im Innen­ver­hält­nis muss in tat­säch­li­cher Hin­sicht so ein­ge­schränkt sein, dass das recht­li­che Eigen­tum eine "lee­re Hül­le" bleibt 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Janu­ar 2019 – 1 StR 347/​18

  1. vgl. auch BFH, Urteil vom 06.08.2013 – – VIII R 10/​10, DB 2013, 2248 Rn. 12 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 06.09.2012 – 1 StR 140/​12, BGHSt 58, 1 Rn. 36 mwN; BFH, Urteil vom 20.01.1999 – l R 69/​97, DStR 1999, 973, 975[]