Umsatz­steu­er­be­trugs­ket­te – Steu­er­hin­ter­zie­hung bei der Vor­anmel­dung

Ein Unter­neh­mer macht in den Umsatz­steu­er­vor­anmel­dun­gen unrich­ti­ge Anga­ben über steu­er­lich erheb­li­che Tat­sa­chen, indem er die in Gut­schrif­ten offen aus­ge­wie­se­ne Umsatz­steu­er zu Unrecht als Vor­steu­er gel­tend macht (§ 370 Abs. 1 Nr. 1 AO), obwohl im dies zum Zeit­punkt der Abga­be der Vor­anmel­dung bekannt war, er also zu die­sem Zeit­punkt bereits um die Umsatz­steu­er­be­trugs­ket­te wuß­te.

Umsatz­steu­er­be­trugs­ket­te – Steu­er­hin­ter­zie­hung bei der Vor­anmel­dung

Nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG kann ein Unter­neh­mer die gesetz­lich geschul­de­te Steu­er für Lie­fe­run­gen und sons­ti­ge Leis­tun­gen abzie­hen, die von einem ande­ren Unter­neh­mer für sein Unter­neh­men aus­ge­führt wor­den sind. Die Aus­übung des Vor­steu­er­ab­zugs setzt dabei vor­aus, dass der Unter­neh­mer eine Rech­nung bzw. Gut­schrift i.S.v. §§ 14, 14a UStG besitzt. Der Vor­steu­er­ab­zug ist nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on jedoch dann zu ver­sa­gen, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge – im uni­ons­recht­li­chen Sin­ne – selbst eine Steu­er­hin­ter­zie­hung begeht oder wenn er wuss­te oder hät­te wis­sen müs­sen, dass er sich mit sei­nem Erwerb an einem Umsatz betei­ligt, der in eine Mehr­wert­steu­er­hin­ter­zie­hung ein­be­zo­gen ist und er des­we­gen als an die­ser Hin­ter­zie­hung Betei­lig­ter anzu­se­hen ist [1].

Für die Fra­ge, ob die Vor­aus­set­zun­gen für einen Vor­steu­er­ab­zug vor­lie­gen, ist nicht der Zeit­punkt der Abga­be der Steu­er­an­mel­dung, in wel­cher der Vor­steu­er­ab­zug vor­ge­nom­men wird, maß­geb­lich, son­dern der­je­ni­ge der Aus­füh­rung der Lie­fe­rung oder sons­ti­gen Leis­tung [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Juli 2015 – 1 StR 447/​14

  1. vgl. EuGH, Urtei­le vom 06.07.2006 – C439/​04 u.a., Kit­tel und Recol­ta Recy­cling, Slg. 2006, I6161; und vom 18.12 2014, Rechts­sa­che C131/​13 u.a., Ital­mo­da, DStR 2015, 573; BGH, Beschluss vom 19.11.2014 – 1 StR 219/​14, wis­tra 2015, 147 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 29.01.2015 – 1 StR 216/​14, NStZ 2015, 283 mwN; und vom 01.10.2013 – 1 StR 312/​13, NStZ 2014, 331[]