Uner­laub­te Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln – und die Tat­herr­schaft

Der Tat­be­stand der uner­laub­ten Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln erfor­dert zwar kei­nen eigen­hän­di­gen Trans­port der Betäu­bungs­mit­tel über die Gren­ze in das Bun­des­ge­biet. Mit­tä­ter nach § 25 Abs. 2 StGB kann daher auch ein Betei­lig­ter sein, der das Rausch­gift nicht selbst in das Inland ver­bringt.

Uner­laub­te Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln – und die Tat­herr­schaft

Es müs­sen aber die Vor­aus­set­zun­gen für ein täter­schaft­li­ches Han­deln nach den Grund­sät­zen des all­ge­mei­nen Straf­rechts vor­lie­gen. Hier­zu ist eine wer­ten­de Gesamt­be­trach­tung erfor­der­lich1.

Von beson­de­rer Bedeu­tung sind dabei der Grad des eige­nen Inter­es­ses am Tat­er­folg, der Ein­fluss bei der Vor­be­rei­tung der Tat und der Tat­pla­nung, der Umfang der Tat­be­tei­li­gung und die Teil­ha­be an der Tat­herr­schaft oder jeden­falls der Wil­le dazu, so dass die Durch­füh­rung und der Aus­gang der Tat maß­geb­lich von dem Wil­len des Betref­fen­den abhän­gen. Ent­schei­den­der Bezugs­punkt ist der Ein­fuhr­vor­gang selbst2.

Das sah der Bun­des­ge­richts­hof in den hier ent­schie­de­nen Fäl­len als gege­ben an, in denen der Ange­klag­te in allen Fäl­len ein erheb­li­ches Eigen­in­ter­es­se an den Rausch­gift­trans­por­ten, da er das finan­zi­el­le Risi­ko getra­gen und den spä­te­ren Gewinn maß­geb­lich ver­ein­nahmt hat und zugleich einen aus­rei­chen­den Ein­fluss auf den jewei­li­gen Ein­fuhr­vor­gang hat­te, in denen er eigen­hän­dig die Kurie­re ange­wor­ben und bezahlt, "die Abläu­fe bis ins Detail geplant" und dar­über hin­aus den Trans­port durch die Mit­an­ge­klag­ten hat über­wa­chen las­sen. Der Ange­klag­te hat­te somit wäh­rend der Schmug­gel­fahr­ten jeweils sei­ne ‘rech­te Hand‘ vor Ort, auf die er sich auf­grund der lukra­ti­ven Bezah­lung ver­las­sen konn­te.

In einem wei­te­ren Fall ver­nein­te der Bun­des­ge­richts­hof die Mit­tä­ter­schaft jedoch trotz des auch dort gege­be­nen erheb­li­chen Eigen­in­ter­es­ses an den Rausch­gift­trans­por­ten. Denn in die­sem Fall orga­ni­sier­te der Ange­klag­te ledig­lich den Emp­fang des Rausch­gif­tes in Deutsch­land und hat­te des­halb über die Bestel­lung des Rausch­gifts hin­aus kei­ner­lei Ein­fluss auf die Pla­nung und Aus­füh­rung des Trans­ports.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. März 2019 – 1 StR 52/​19

  1. BGH, Beschluss vom 20.09.2018 – 1 StR 316/​18; BGH, Beschlüs­se vom 31.03.2015 – 3 StR 630/​14, StV 2015, 632; und vom 02.06.2015 – 4 StR 144/​15, BGHR BtMG § 30 Abs. 1 Nr. 4 Ein­fuhr 3 []
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 20.09.2018 – 1 StR 316/​18; und vom 08.09.2016 – 1 StR 232/​16, StV 2017, 295 Rn. 14 []