Ver­fall – und das Sur­ro­gat

Hat das Tat­ge­richt kon­kre­te (Betäu­bungs­mit­tel)Taten fest­ge­stellt und sind die auf­grund der Bege­hung die­ser Taten kon­kret erlang­ten Gel­der nicht mehr vor­han­den, han­delt es sich nicht um einen Fall des erwei­ter­ten Ver­falls (§ 33 Abs. 1 Nr. 2 BtMG, § 73d StGB), da die Gel­der nicht aus ande­ren, nicht ange­klag­ten Taten her­rühr­ten 1. Viel­mehr ist der Ver­fall von Wert­er­satz (§ 73a StGB) in Höhe eines ent­spre­chen­den Geld­be­trags anzu­ord­nen 2.

Ver­fall – und das Sur­ro­gat

Als Sur­ro­gat im Sin­ne des § 73 Abs. 2 Satz 2 StGB zäh­len auch sol­che Gegen­stän­de, die der Täter unter Ver­wen­dung (delik­tisch) erlang­ter Geld­be­trä­ge ange­schafft hat 3.

Das Land­ge­richt hät­te daher in dem hier ent­schie­de­nen Fall den Pkw gemäß § 73 Abs. 2 Satz 2 StGB für ver­fal­len erklä­ren und im Übri­gen den Ver­fall von Wert­er­satz (§ 73a StGB) anord­nen kön­nen 4. Infol­ge des Ver­zichts des Ange­klag­ten wur­de eine Ver­falls­an­ord­nung hin­sicht­lich des Pkws ent­behr­lich 5. Unge­ach­tet des­sen hat der Ver­zicht zur Fol­ge, dass sich die Höhe der Anord­nung des Wert­er­satz­ver­falls ent­spre­chend ver­rin­gert 6, da andern­falls der Wert des Erlang­ten zwei Mal abge­schöpft wer­den könn­te 7.

Jedoch sind in jedem Fall Fest­stel­lun­gen, ob der Wert des Erlang­ten noch im Ver­mö­gen des Ange­klag­ten vor­han­den ist, für die Prü­fung des § 73c Abs. 1 Satz 2 StGB erfor­der­lich. Nach die­ser Vor­schrift, die gegen­über § 73c Abs. 1 Satz 1 StGB vor­ran­gig ist 8, kann eine Ver­falls­an­ord­nung unter­blei­ben, soweit das Erlang­te oder des­sen Wert zum Zeit­punkt der tatrich­ter­li­chen Ent­schei­dung im Ver­mö­gen des Betrof­fe­nen nicht mehr vor­han­den ist. Es ist des­halb zunächst fest­zu­stel­len, was der Ange­klag­te aus der Tat erlangt hat, sodann ist die­sem Betrag der Wert sei­nes noch vor­han­de­nen Ver­mö­gens gegen­über zu stel­len. Ist auch ein Gegen­wert des Erlang­ten im Ver­mö­gen des Ange­klag­ten nicht mehr vor­han­den, kann der Tatrich­ter von einer Ver­falls­an­ord­nung abse­hen 9.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Novem­ber 2015 – 2 StR 399/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 15.10.2013 – 3 StR 224/​13; vgl. auch Volk­mer in: Körner/​Patzak/​Volkmer, BtMG, 8. Aufl., § 33 Rn. 187[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 10.09.2002 – 1 StR 281/​02, NStZ 2003, 198, 199; Beschluss vom 20.04.2010 – 4 StR 119/​10, NStZ-RR 2010, 255[]
  3. vgl. Joecks in: Mün­che­ner Kom­men­tar zum StGB, 2. Aufl., § 73 Rn. 59; Schmidt, in: Leip­zi­ger Kom­men­tar zum StGB, 12. Aufl., § 73 Rn. 46[]
  4. vgl. Joecks aaO § 73 Rn. 61[]
  5. vgl. Fischer, StGB, 62. Aufl., § 73 Rn. 41[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 05.04.2000 – 2 StR 500/​99, NStZ 2000, 480, 481; BGH, Urteil vom 10.10.2002 – 4 StR 233/​02, BGHSt 48, 40[]
  7. vgl. Schönke/​Schröder/​Eser, StGB, 29. Aufl., § 73 Rn. 46[]
  8. vgl. Fischer, StGB, 62. Aufl., § 73c Rn. 2[]
  9. vgl. BGH, Beschluss vom 21.03.2013 – 3 StR 52/​13, StV 2013, 630; Beschluss vom 13.02.2014 – 1 StR 336/​13, BGHR StGB § 73c Här­te 16 mwN[]