E‑Zigaretten – und das Niko­tin

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Ver­ur­tei­lung eines Impor­teurs wegen uner­laub­ten Inver­kehr­brin­gens von Tabak­erzeug­nis­sen durch den Ver­trieb niko­t­in­hal­ti­ger Ver­brauchs­stof­fe für elek­tro­ni­sche Ziga­ret­ten bestä­tigt.

E‑Zigaretten – und das Niko­tin

Das Land­ge­richt Frank­furt am Main hat den Ange­klag­ten wegen gewerbs­mä­ßi­gen Inver­kehr­brin­gens von Tabak­erzeug­nis­sen unter Ver­wen­dung nicht zuge­las­se­ner Stof­fe in Tat­ein­heit mit gewerbs­mä­ßi­gem Inver­kehr­brin­gen von Tabak­erzeug­nis­sen, die zum ander­wei­ti­gen ora­len Gebrauch als Rau­chen oder Kau­en bestimmt sind, zu einer Geld­stra­fe ver­ur­teilt 1.

Nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts ver­trieb der Ange­klag­te seit Ende des Jah­res 2008 elek­tro­ni­sche Ziga­ret­ten (E‑Zigaretten) und die dazu­ge­hö­ri­gen Ver­brauchs­stof­fe (Liquids), die er über Zwi­schen­händ­ler aus Chi­na und den Nie­der­lan­den bezog. Im Febru­ar 2012 wur­den bei dem Ange­klag­ten etwa 15.000 niko­t­in­hal­ti­ge Liquids sicher­ge­stellt, die zum Ver­kauf bestimmt waren. Das Land­ge­richt hat die von dem Ange­klag­ten ver­trie­be­nen Ver­brauchs­stof­fe für E‑Zigaretten als Tabak­pro­duk­te im Sin­ne des § 3 Abs. 1 Vor­läu­fi­ges Tabak­ge­setz (VTa­bakG) ein­ge­stuft. Da der Ange­klag­te über kei­ne Erlaub­nis zum gewerbs­mä­ßi­gen Inver­kehr­brin­gen von Tabak­erzeug­nis­sen ver­füg­te und die sicher­ge­stell­ten Liquids die Stof­fe Gly­ce­rin, Pro­py­len­gly­col und Etha­nol ent­hiel­ten, die für die Her­stel­lung von Tabak­erzeug­nis­sen nicht (all­ge­mein) zuge­las­sen sind, hat das Land­ge­richt den Straf­tat­be­stand des § 52 Abs. 2 Nr. 1 VTa­bakG als erfüllt ange­se­hen.

Der Bun­des­ge­richts­hofs hat jetzt die Revi­si­on des Ange­klag­ten als unbe­grün­det ver­wor­fen. Das Urteil des Land­ge­richts Frank­furt am Main ist damit rechts­kräf­tig.

Nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs stel­len die ange­bo­te­nen Ver­brauchs­stof­fe zwar kei­ne Arz­nei­mit­tel dar, weil sie unab­hän­gig von einem the­ra­peu­ti­schen Nut­zen für die Rauch­ent­wöh­nung gesund­heits­schäd­lich sind und der Ange­klag­te die Ver­brauchs­stof­fe auch nicht als Mit­tel zur Rauch­ent­wöh­nung ver­trie­ben hat. Bei den Ver­brauchs­stof­fen, die aus Roh­ta­bak gewon­ne­nes Niko­tin in unter­schied­li­chen Kon­zen­tra­tio­nen ent­hiel­ten, han­delt es sich jedoch um Tabak­erzeug­nis­se zum ander­wei­ti­gen ora­len Gebrauch (§ 3 Abs. 1 VTa­bakG).

Nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs ist die Straf­vor­schrift des § 52 Abs. 2 Nr. 1 VTa­bakG ver­fas­sungs­kon­form:

Der Straf­tat­be­stand ist im Sin­ne des Art. 103 Abs. 2 GG hin­rei­chend bestimmt. Der Ein­griff in die Berufs­aus­übungs­frei­heit (Art. 12 GG) wird durch den gesetz­ge­be­ri­schen Zweck, die Gesund­heit der Ver­brau­cher zu schüt­zen und einen Fehl­ge­brauch durch Min­der­jäh­ri­ge zu ver­hin­dern, gerecht­fer­tigt. Damit bestehen zugleich sach­li­che Grün­de für eine im Ver­gleich zu Tabak­zi­ga­ret­ten abwei­chen­de recht­li­che Behand­lung von Ver­brauchs­stof­fen, die zur Ver­wen­dung in E‑Zigaretten bestimmt sind. Der Straf­tat­be­stand ver­stößt daher auch nicht gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG).

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Dezem­ber 2015 – 2 StR 525/​13

  1. LG Frank­furt am Main – Urteil vom 17.06.2013 – 5/​26 KLs 13/​12 8920 Js 236334/​11[]