Abschie­bungs­an­dro­hung – und die Befris­tung der Abschie­bungs­fol­gen

Das Feh­len einer Ent­schei­dung über die Befris­tung der Wir­kun­gen einer noch nicht voll­zo­ge­nen Abschie­bung nach § 11 Abs. 1 Satz 3 Auf­en­thG steht der Recht­mä­ßig­keit einer Abschie­bungs­an­dro­hung nicht entgegen.Die sich aus Art. 11 Abs. 2 der Richt­li­nie 2008/​115/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 16.12 2008 über gemein­sa­me Nor­men und Ver­fah­ren in den Mit­glied­staa­ten zur Rück­füh­rung ille­gal auf­häl­ti­ger Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ger [1] erge­ben­de uni­ons­recht­li­che Ver­pflich­tung, die Wir­kun­gen des mit einer Rück­kehr­ent­schei­dung ver­bun­de­nen Ein­rei­se­ver­bots von Amts wegen zu befris­ten [2], knüpft an die ein Ein­rei­se­ver­bot aus­lö­sen­de Rück­kehr­ent­schei­dung an [3].

Abschie­bungs­an­dro­hung – und die Befris­tung der Abschie­bungs­fol­gen

Rück­kehr­ent­schei­dun­gen gehen nach Art. 11 Abs. 1 Satz 1 der Richt­li­nie 2008/​115/​EG dann mit einem Ein­rei­se­ver­bot ein­her, falls kei­ne Frist für eine frei­wil­li­ge Aus­rei­se ein­ge­räumt wur­de (Buchst. a) oder falls der Rück­kehr­ver­pflich­tung nicht nach­ge­kom­men wur­de (Buchst. b). Die hier allein ein­schlä­gi­ge Bestim­mung in Buchst. b zeigt, dass die ein Ein­rei­se­ver­bot aus­lö­sen­de Rück­kehr­ent­schei­dung nicht schon die Andro­hung der Abschie­bung nach § 59 Auf­en­thG ist, son­dern erst der tat­säch­li­che Voll­zug der Abschie­bung.

Die Aus­län­der­be­hör­de genügt daher der auf­ge­zeig­ten uni­ons­recht­li­chen Ver­pflich­tung, wenn sie spä­tes­tens vor der zwangs­wei­sen Auf­ent­halts­be­en­di­gung durch die Abschie­bung von Amts wegen über die Befris­tung der Wir­kun­gen der Abschie­bung ent­schei­det ((vgl. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 21.03.2014 – OVG 12 S 113.13, Rn. 17 ff.; VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 7.12.2011 – 11 S 897/​11 84; GK-Auf­en­thG, § 59 Rn. 287 (Stand: März 2014).

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 14. Janu­ar 2015 – 8 ME 136/​14

  1. ABl. L 348 v. 24.12.2008, S. 98[]
  2. vgl. EuGH, Urteil vom 19.09.2013 – C‑297/​12, Filev und Osma­ni ./​. Deutsch­land, Rn. 27[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 13.12.2012 – BVerwG 1 C 14.12 11[]