Abschie­bungs­haft – und die Anfor­de­run­gen an den Haft­an­trag

Das Vor­lie­gen eines zuläs­si­gen Haft­an­trags ist eine in jeder Lage des Ver­fah­rens von Amts wegen zu prü­fen­de Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung. Zuläs­sig ist der Haft­an­trag der betei­lig­ten Behör­de nur, wenn er den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung ent­spricht.

Abschie­bungs­haft – und die Anfor­de­run­gen an den Haft­an­trag

Erfor­der­lich sind Dar­le­gun­gen zu der zwei­fels­frei­en Aus­rei­se­pflicht, zu den Abschie­bungs­vor­aus­set­zun­gen, zu der Erfor­der­lich­keit der Haft, zu der Durch­führ­bar­keit der Abschie­bung und zu der not­wen­di­gen Haft­dau­er (§ 417 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 bis 5 FamFG).

Zwar dür­fen die Aus­füh­run­gen zur Begrün­dung des Haft­an­trags knapp gehal­ten sein, sie müs­sen aber die für die rich­ter­li­che Prü­fung des Falls wesent­li­chen Punk­te anspre­chen. Fehlt es dar­an, darf die bean­trag­te Siche­rungs­haft nicht ange­ord­net wer­den 1.

Die­sen Anfor­de­run­gen wur­de im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall der Haft­an­trag der betei­lig­ten Behör­de nicht gerecht:

Zur Durch­führ­bar­keit und zur not­wen­di­gen Dau­er der Haft ent­hält er ledig­lich die Anga­be, die Anord­nung der Siche­rungs­haft von zunächst drei Mona­ten sei ange­mes­sen und erfor­der­lich, weil zunächst die Iden­ti­tät des Betrof­fe­nen zwei­fels­frei fest­ge­stellt und (ggf. durch Vor­füh­rung bei dem alge­ri­schen Gene­ral­kon­su­lat) bestä­tigt wer­den müs­se und die Beschaf­fung von Heim­rei­se­do­ku­men­ten einen nicht uner­heb­li­chen Zeit­raum in Anspruch neh­men wer­de. Das war unzu­rei­chend, weil nicht erläu­tert wird, wes­halb eine Haft von drei Mona­ten erfor­der­lich erschien und eine Haft von kür­ze­rer Dau­er nicht aus­reich­te. Eine sol­che Erläu­te­rung ist indes­sen unver­zicht­ba­rer Bestand­teil eines zuläs­si­gen Haft­an­trags, weil die Abschie­bungs­haft nach § 62 Abs. 1 Satz 2 Auf­en­thG auf die kür­zest mög­li­che Dau­er zu beschrän­ken ist und die Frist von drei Mona­ten vor­be­halt­lich des § 62 Abs. 4 Auf­en­thG die obe­re Gren­ze der mög­li­chen Haft und nicht deren Nor­maldau­er bestimmt 2. In dem Haft­an­trag wären des­halb der Ablauf einer Rück­füh­rung nach Alge­ri­en bzw. nach Marok­ko und der hier­für zu ver­an­schla­gen­de Zeit­raum dar­zu­stel­len gewe­sen. Das ist unter­blie­ben.

Der Man­gel des Haft­an­trags ist nicht, was mög­lich gewe­sen wäre 3, durch die betei­lig­te Behör­de oder durch eige­ne Fest­stel­lun­gen des Beschwer­de­ge­richts beho­ben wor­den.

Die Behör­de hat im Ver­lauf des Beschwer­de­ver­fah­rens zwar mit­ge­teilt, mit Blick auf die fal­schen Anga­ben zu sei­ner Iden­ti­tät wer­de die Abschie­bung des Betrof­fe­nen nun­mehr nach Alge­ri­en oder Marok­ko par­al­lel betrie­ben, eine Sam­mel­vor­füh­rung bei den alge­ri­schen Behör­den sei für den 28.02.2014 vor­ge­se­hen. Sie hat aber weder den Zeit­raum näher kon­kre­ti­siert, in dem nach der Durch­füh­rung des Ter­mins mit der Ertei­lung von Passersatz­pa­pie­ren als Vor­aus­set­zung der Durch­füh­rung der Abschie­bung gerech­net wer­den kann, noch erläu­tert, was die alge­ri­schen Behör­den dazu ver­an­las­sen könn­te, den Betrof­fe­nen als alge­ri­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen anzu­er­ken­nen. Das war gebo­ten, weil der Betrof­fe­ne bei sei­ner Anhö­rung durch das Amts­ge­richt erklärt hat­te, er sei marok­ka­ni­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger, und die­se Anga­be den Fest­stel­lun­gen der ört­li­chen Poli­zei­dienst­stel­le in einem von der betei­lig­ten Behör­de mit dem Haft­an­trag vor­ge­leg­ten Ver­merk ent­sprach.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Janu­ar 2016 – V ZB 36/​14

  1. st. Rspr., BGH, Beschlüs­se vom 31.01.2013 – V ZB 20/​12, FGPrax 2013, 130 Rn. 15; vom 15.01.2015 – V ZB 165/​13; und vom 22.10.2015 – V ZB 79/​15[]
  2. BGH, Beschluss vom 10.05.2012 – V ZB 246/​11, FGPrax 2012, 225 Rn. 10[]
  3. BGH, Beschluss vom 16.07.2014 – V ZB 80/​13, InfAuslR 2014, 384 Rn. 22 f.[]