Amts­haf­tung für eine ver­wei­er­te denk­mal­recht­li­che Erlaub­nis

Hat eine Stadt den ursprüng­li­chen Antrag eines Grund­stücks­ei­gen­tü­mers auf Ertei­lung einer denk­mal­recht­li­chen Erlaub­nis für ein Umbau­vor­ha­ben nicht ableh­nen dür­fen, liegt dar­in eine Amts­pflicht­ver­let­zung, die eine Zah­lung von Scha­dens­er­satz begrün­den kann.

Amts­haf­tung für eine ver­wei­er­te denk­mal­recht­li­che Erlaub­nis

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Beru­fung der Bun­des­stadt Bonn zurück­ge­wie­sen, mit der die­se sich gegen ein Urteil des Land­ge­richts Bonn gewehrt hat, durch das die Bun­des­stadt Bonn zu Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet wor­den ist. Die Klä­ge­rin, eine Immo­bi­li­en­ge­sell­schaft, hat­te im Jah­re 2005 in der Bon­ner Innen­stadt die Gebäu­de erwor­ben, in denen seit den 1920er Jah­ren das Licht­spiel­thea­ter Metro­pol betrie­ben wor­den war. Die Klä­ge­rin beab­sich­tig­te, die Räum­lich­kei­ten hin­ter der denk­mal­ge­schütz­ten Fas­sa­de umzu­bau­en und einer Nut­zung durch Ein­zel­han­dels­ge­schäf­te zuzu­füh­ren. Da das Objekt seit 1983 in die Denk­mal­schutz­lis­te ein­ge­tra­gen war, bean­trag­te die Klä­ge­rin bei der Bun­des­stadt Bonn eine denk­mal­recht­li­che Erlaub­nis, um das Umbau­vor­ha­ben durch­füh­ren zu kön­nen. Die­se Erlaub­nis wur­de von der Bun­des­stadt Bonn mit Bescheid vom 11.09.2006 abge­lehnt. Die Klä­ge­rin als Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin lei­te­te dar­auf­hin ein ver­wal­tungs­ge­richt­li­ches Ver­fah­ren ein. Als Ergeb­nis die­ses Ver­fah­rens ver­pflich­te­te das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len die Bun­des­stadt Bonn schließ­lich, das Gebäu­de – mit Aus­nah­me der Fas­sa­de – von der Denk­mal­schutz­lis­te zu strei­chen. Anschlie­ßend erteil­te die Bun­des­stadt Bonn eine Bau­ge­neh­mi­gung und die Klä­ge­rin führ­te die Umbau­ar­bei­ten ab August 2009 durch. Die Klä­ge­rin ver­äu­ßer­te das Objekt schließ­lich im Sep­tem­ber 2011 zu einem Preis von 19.250.000,- €.

Die Klä­ge­rin mach­te in der Fol­ge­zeit gegen die Bun­des­stadt Bonn Scha­dens­er­satz­an­sprü­che gel­tend. Sie behaup­tet, wegen des ver­zö­ger­ten Bau­be­ginns sei­en ihr Miet­ein­nah­men ent­gan­gen und erhöh­te Bau­kos­ten ent­stan­den. Vor dem Land­ge­richt Bonn hat die Klä­ge­rin bean­tragt fest­zu­stel­len, dass die Bun­des­stadt Bonn ihr zur Leis­tung von Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet ist. Das Land­ge­richt Bonn hat die­ser Kla­ge durch Urteil vom 9. Novem­ber 2011 statt­ge­ge­ben. Gegen die­se Ver­ur­tei­lung hat sich die Bun­des­stadt Bonn mit ihrer Beru­fung vor dem Ober­lan­des­ge­richt gewehrt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Köln ist die Bun­des­stadt Bonn der Klä­ge­rin zur Leis­tung von Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet. Die Bun­des­stadt Bonn hät­te den ursprüng­li­chen Antrag der Klä­ge­rin auf Ertei­lung einer denk­mal­recht­li­chen Erlaub­nis nicht ableh­nen dür­fen. Die Bun­des­stadt Bonn hät­te viel­mehr – wie auch bereits das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len fest­ge­stellt hat – das Gebäu­de mit Aus­nah­me der Fas­sa­de aus der Denk­mal­lis­te strei­chen müs­sen. Damit wäre die Grund­la­ge für einen früh­zei­ti­gen Umbau im Sin­ne der Klä­ge­rin geschaf­fen gewe­sen. Die Strei­chung aus der Denk­mal­lis­te wäre not­wen­dig gewe­sen, weil das Gebäu­de infol­ge umfang­rei­cher frü­he­rer Umbau­ar­bei­ten sei­nen Denk­mal­schutz ver­lo­ren habe.

Auf­grund die­ser Amts­pflicht­ver­let­zung muss die Bun­des­stadt Bonn der Klä­ge­rin nun­mehr Scha­dens­er­satz leis­ten. Die Höhe des Scha­dens­er­sat­zes steht noch nicht fest. Die­ser muss von der Klä­ge­rin noch abschlie­ßend bezif­fert wer­den. Die Gerich­te haben zunächst ledig­lich der Kla­ge dem Grun­de nach statt­ge­ge­ben.

Ober­lan­des­ge­richt Köln, Urteil vom 8. Novem­ber 2012 – 7 U 213/​11