Auf­ent­halts­er­laub­nis für Paläs­ti­nen­ser aus dem Liba­non

Paläs­ti­nen­sern aus dem Liba­non, die zwar nicht die liba­ne­si­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit besit­zen, aber dort regis­triert sind, kön­nen zur freiwl­li­gen Aus­rei­se ein Lais­sez Pas­ser der liba­ne­si­chen Aus­lands­ver­tre­tung erhal­ten; der Besitz eines Auf­ent­halts­ti­tels für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land oder eine ent­spre­chen­de Zusi­che­rung ist hier­für nicht erfor­der­lich. Sie haben daher grds. kei­nen Anspruch auf Ertei­lung einer Auf­ent­halts­er­laub­nis aus huma­ni­tä­ren Grün­den nach § 25 Abs. 5 Auf­en­thG 1.

Auf­ent­halts­er­laub­nis für Paläs­ti­nen­ser aus dem Liba­non

Nach § 25 Abs. 5 Satz 1 Auf­en­thG kann einem voll­zieh­bar aus­rei­se­pflich­ti­gen Aus­län­der eine Auf­ent­halts­er­laub­nis erteilt wer­den, wenn sei­ne Aus­rei­se aus recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Grün­den unmög­lich ist und mit dem Weg­fall des Aus­rei­se­hin­der­nis­ses in abseh­ba­rer Zeit nicht zu rech­nen ist. Der Aus­län­der darf aller­dings nicht ver­schul­det an der Aus­rei­se gehin­dert sein. Ein sol­ches Ver­schul­den liegt ins­be­son­de­re vor, wenn der Aus­län­der zumut­ba­re Anfor­de­run­gen zur Besei­ti­gung des Aus­rei­se­hin­der­nis­ses nicht erfüllt (§ 25 Abs. 5 Sät­ze 3 und 4 Auf­en­thG).

In der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ist geklärt, dass die Vor­schrift vor­aus­setzt, dass sowohl die zwangs­wei­se Abschie­bung als auch die frei­wil­li­ge Aus­rei­se in das Hei­mat­land aus­schei­den muss 2. Zumut­ba­re Anfor­de­run­gen zur Besei­ti­gung des Abschie­bungs­hin­der­nis­ses ver­lan­gen je nach den Umstän­den des Ein­zel­fal­les, dass der Aus­län­der alles in sei­ner Kraft Ste­hen­de und ihm Zumut­ba­re dazu bei­tra­gen muss, Aus­rei­se­hin­der­nis­se zu über­win­den. Von vorn­her­ein erkenn­bar aus­sichts­lo­se Hand­lun­gen dür­fen ihm aller­dings nicht abver­langt wer­den 3. Der Betrof­fe­ne muss danach ins­be­son­de­re an der Aus­stel­lung von Passersatz­pa­pie­ren, die eine Rück­rei­se in das Hei­mat­land ermög­li­chen, mit­wir­ken. Ihm obliegt es, sich auf die Aus­rei­se ein­zu­stel­len, hier­zu bereit zu sein, einen ent­spre­chen­den Wil­len zu bil­den und die­sen auch zu bekun­den 4.

Nach der Recht­spre­chung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg 5 wer­den paläs­ti­nen­si­schen Volks­zu­ge­hö­ri­gen aus dem Liba­non von der liba­ne­si­schen Aus­lands­ver­tre­tung in Deutsch­land in der Regel ohne Vor­la­ge von Auf­ent­halts­zu­sa­gen der Aus­län­der­be­hör­den kei­ne für die Rück­rei­se aus­rei­chen­den Papie­re aus­ge­stellt 6.

Die­ser Auf­fas­sung, die zudem nicht durch hin­rei­chend ein­deu­ti­ge Aus­künf­te gegrün­det ist, ver­mag sich das Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg nach den ihm vor­lie­gen­den Erkennt­nis­sen nicht anzu­schlie­ßen: Zwar ist eine Abschie­bung von paläs­ti­nen­si­schen Volks­zu­ge­hö­ri­gen in den Liba­non prak­tisch nicht mög­lich. Der Klä­ger könn­te aber frei­wil­lig aus­rei­sen.

Nach einem Schrei­ben der für die Aus­stel­lung von Passersatz­pa­pie­ren aus dem Liba­non stam­men­der Per­so­nen zustän­di­gen Zen­tra­len Auf­nah­me- und Aus­län­der­be­hör­de Nie­der­sach­sen vom 25. Juni 2010 erhal­ten Per­so­nen, die – wie in der Regel die Paläs­ti­nen­ser – kei­ne liba­ne­si­sche Staats­an­ge­hö­ri­gen sind, jedoch dort eine Auf­ent­halts­er­laub­nis hat­ten, ein Lais­sez-Pas­ser für ein Jahr, wenn sie sich recht­mä­ßig in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auf­hal­ten. Dar­über hin­aus kön­nen sie aber auch ein Lais­sez-Pas­ser zur frei­wil­li­gen Rück­kehr erhal­ten. Die­ses ist nur für den Zweck der ein­ma­li­gen Ein­rei­se in den Liba­non bestimmt. Eine Auf­ent­halts­er­laub­nis oder eine ent­spre­chen­de Zusi­che­rung der deut­schen Aus­län­der­be­hör­den ist hier­für nicht not­wen­dig. Anhalts­punk­te dafür, dass die­se Aus­kunft unzu­tref­fend ist, hat das Gericht nicht.

Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 5. Juli 2010 – 11 A 875/​09

  1. gegen VGH B‑W., InfAuslR 2009, 109[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 10.11.2009 – 1 C 19.08; Urteil vom 27.06.2006 – 1 C 14.05, InfAuslR 2007, 4, 5 f.[]
  3. vgl. BVerwG, Beschluss vom 10.03.2009 – 1 B 4.09; Urteil vom 24.11.1998 – 1 C 8.98, InfAuslR 1999, 106, 109[]
  4. vgl. BVerwG, Urteil vom 10.11.2009, a.a.O., Rn. 12 ff.[]
  5. VGH B‑W., Urteil vom 03.12.2008 – 13 S 2483/​07, InfAuslR 2009, 109[]
  6. eben­so OVG Bran­den­burg, Urteil vom 01.07.2004 – 4 A 747/​03; VG Frei­burg, Urteil vom 24.04.2008 – 4 K 280/​06; VG Ber­lin, Urteil vom 24.07.2007 – 27 A 180.06[]