Auto­ma­ti­sche Nicht­gel­tung einer EU-Fahr­erlaub­nis

Die in einem ande­ren EU-Mit­glied­staat erteil­te Fahr­erlaub­nis berech­tigt von Anfang an nicht zum Füh­ren von Kraft­fahr­zeu­gen in Deutsch­land, wenn der Betrof­fe­ne bei deren Ertei­lung sei­nen ordent­li­chen Wohn­sitz aus­weis­lich der vom Euro­päi­schen Gerichts­hof gefor­der­ten Nach­wei­se nicht im Aus­stell­er­mit­glied­staat hat­te oder wenn die Fahr­erlaub­nis dort wäh­rend einer noch lau­fen­den deut­schen Sperr­frist erteilt wur­de. Dies ent­schied jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig in drei bei ihm anhän­gi­gen Ver­fah­ren. Die­se Rechts­fol­ge ergibt sich für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt unmit­tel­bar aus § 28 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 und 4 FeV; es bedarf nicht zusätz­lich noch einer Ein­zel­fall­ent­schei­dung der deut­schen Fahr­erlaub­nis­be­hör­de.

Auto­ma­ti­sche Nicht­gel­tung einer EU-Fahr­erlaub­nis

Die Klä­ger, denen ihre deut­schen Fahr­erlaub­nis­se vor allem wegen Trun­ken­heits­fahr­ten durch straf­ge­richt­li­che Ent­schei­dun­gen teils mehr­fach ent­zo­gen wor­den waren, erwar­ben Fahr­erlaub­nis­se in der Tsche­chi­schen Repu­blik. Die deut­schen Fahr­erlaub­nis­be­hör­den gin­gen davon aus, die Klä­ger sei­en nicht berech­tigt, hier­von im Bun­des­ge­biet Gebrauch zu machen; sie tru­gen ent­spre­chen­de Sperr­ver­mer­ke in die Füh­rer­schei­ne ein. Die dage­gen gerich­te­ten Kla­gen blie­ben sowohl erst­in­stanz­lich vor den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten Augs­burg1, Saar­lou­is2 und Mainz3 wie in der Beru­fung vor dem Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof4, dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richts des Saar­lan­des5 und dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz6 ohne Erfolg.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat auch die Revi­sio­nen der Klä­ger zurück­ge­wie­sen. Hier fehl­te zwei Klä­gern die Berech­ti­gung, von ihrer tsche­chi­schen Fahr­erlaub­nis in der Bun­des­re­pu­blik Gebrauch zu machen des­halb, weil sie – ent­ge­gen den Vor­ga­ben sowohl des deut­schen als auch des Uni­ons­rechts – ihren ordent­li­chen Wohn­sitz bei deren Ertei­lung nicht in der Tsche­chi­schen Repu­blik, son­dern in Deutsch­land hat­ten; das ergab sich in einem Fall aus dem dort aus­ge­stell­ten Füh­rer­schein selbst, im ande­ren Fall aus unbe­streit­ba­ren aus der Tsche­chi­schen Repu­blik her­rüh­ren­den Infor­ma­tio­nen (§ 28 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 FeV). Im drit­ten Fall war dem Klä­ger sei­ne tsche­chi­sche Fahr­erlaub­nis wäh­rend einer noch lau­fen­den deut­schen Sperr­frist erteilt wor­den (§ 28 Abs. 4 Satz 1 Nr. 4 FeV). Bereits auf­grund die­ser Rege­lun­gen kam den Fahr­erlaub­nis­sen vom Zeit­punkt ihrer Ertei­lung an kei­ne Wirk­sam­keit in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zu. Das Erfor­der­nis einer behörd­li­chen Ein­zel­fall­ent­schei­dung ergibt sich weder aus § 28 FeV selbst noch aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­sät­zen. Auch die hier anzu­wen­den­de 2. EU-Füh­rer­schein­richt­li­nie hin­der­te den deut­schen Ver­ord­nungs­ge­ber nicht, sei­ne Befug­nis zur Aus­ge­stal­tung des Fahr­erlaub­nis­rechts in der Wei­se aus­zu­üben, dass er – im Rah­men der vom Euro­päi­schen Gerichts­hof gebil­lig­ten Aus­nah­men vom uni­ons­recht­li­chen Grund­satz der Aner­ken­nung einer aus­län­di­schen EU- oder EWR-Fahr­erlaub­nis – die Nicht­gel­tung einer aus­län­di­schen Fahr­erlaub­nis in Deutsch­land durch eine abs­trakt-gene­rel­le Rege­lung anord­net.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 25. August 2011 – 3 C 25.10, 28.10 und 9.11

  1. VG Augs­burg, Urteil vom 11.12.2009 – Au 7 K 09.816 []
  2. VG Saar­lou­is, Urteil vom 24.02.2010 – 10 K 1528/​09 []
  3. VG Mainz, Urteil vom 10.02.2010 – 3 K 1216/​09.Mz []
  4. BayVGH, Urteil vom 27.05.2010 – VGH 11 BV 10.67 []
  5. OVG Saar­land Saar­lou­is, Urteil vom 28.07.2010 – 1 A 185/​10 []
  6. OVG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 18.06.2010 – 10 A 10411/​10.OVG []