Abse­hen von einer Aus­schrei­bung von Dienst­pos­ten beim Job­cen­ter

Das Recht zur Mit­be­stim­mung über das Abse­hen von einer Aus­schrei­bung von Dienst­pos­ten (§ 75 Abs. 3 Nr. 14 BPers­VG) besteht nicht, wenn der Dienst­herr zum Aus­druck bringt, er sei für die Ent­schei­dung über einen Ver­zicht auf eine Aus­schrei­bung nicht zustän­dig.

Abse­hen von einer Aus­schrei­bung von Dienst­pos­ten beim Job­cen­ter

In die­sem Fall fehlt an einer die Mit­be­stim­mung aus­lö­sen­den Maß­nah­me.

Nach § 82 Abs. 1 BPers­VG ist in Ange­le­gen­hei­ten, in denen die Dienst­stel­le nicht zur Ent­schei­dung befugt ist, an Stel­le des (ört­li­chen) Per­so­nal­rats die bei der zustän­di­gen Dienst­stel­le gebil­de­te Stu­fen­ver­tre­tung zu betei­li­gen. Gemäß § 82 Abs. 4 BPers­VG gel­ten für die Befug­nis­se und Pflich­ten der Stu­fen­ver­tre­tung die §§ 69 bis 81 BPers­VG ent­spre­chend. § 75 Abs. 3 Nr. 14 BPers­VG gewährt ein Recht auf Mit­be­stim­mung beim Abse­hen von der Aus­schrei­bung von zu beset­zen­den Dienst­pos­ten. Wegen des rechts­sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hangs mit § 69 Abs. 1 BPers­VG, der gemäß § 82 Abs. 4 BPers­VG für die Betei­li­gung der Stu­fen­ver­tre­tung ent­spre­chend gilt, besteht die­ses Mit­be­stim­mungs­recht nur unter der Vor­aus­set­zung, dass eine die Mit­be­stim­mung aus­lö­sen­de Maß­nah­me des Lei­ters der Dienst­stel­le vor­liegt1. Das ist der Fall, wenn sie von dem Lei­ter der Dienst­stel­le gemäß § 69 Abs. 2 Satz 1 BPers­VG beab­sich­tigt wird. Dienst­stel­le ist in die­sem Zusam­men­hang nur die­je­ni­ge Dienst­stel­le, bei der der Per­so­nal­rat, der ein Mit­be­stim­mungs­recht gel­tend macht, gebil­det ist2.

Eine Maß­nah­me wird vom Dienst­stel­len­lei­ter beab­sich­tigt, wenn des­sen Wil­lens­bil­dungs­pro­zess mit Blick auf den Gegen­stand des Mit­be­stim­mungs­rechts abge­schlos­sen ist3. Im Zusam­men­hang mit dem an ein Unter­las­sen anknüp­fen­den Mit­be­stim­mungs­recht nach § 75 Abs. 3 Nr. 14 BPers­VG ist erfor­der­lich, dass der Abschluss des Wil­lens­bil­dungs­pro­zes­ses, von einer Aus­schrei­bung abzu­se­hen, durch ein posi­ti­ves – aus­drück­li­ches oder kon­klu­den­tes – Han­deln des Lei­ters der Dienst­stel­le zum Aus­druck kommt. Das ist abge­se­hen von dem Fall, dass der Dienst­stel­len­lei­ter gegen­über dem Per­so­nal­rat oder sonst (aus­drück­lich) ver­laut­bart, dass im gege­be­nen Fall von einer Aus­schrei­bung abge­se­hen wird, auch dann zu beja­hen, wenn er die­se Ent­schei­dung still­schwei­gend zum Aus­druck gebracht hat. Eine sol­che still­schwei­gen­de posi­ti­ve Ent­schei­dung ist ins­be­son­de­re auch dann gege­ben, wenn der Dienst­stel­len­lei­ter von einer sonst befolg­ten Pra­xis der Aus­schrei­bung abweicht4.

Dar­an fehlt es hier. Im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall hat der Dienst­herr gegen­über dem Per­so­nal­rat kei­ne aus­drück­li­che Erklä­rung abge­ge­ben, dass er von einer Aus­schrei­bung abse­hen wird. Er hat gegen­über dem Per­so­nal­rat erklärt, "die Aus­schrei­bung von Dienst­pos­ten bzw. das Abse­hen hier­von oblie­ge den Geschäfts­füh­rern der Job­cen­ter". Dar­in liegt kei­ne Erklä­rung des Ver­zichts auf eine Aus­schrei­bung. Viel­mehr wird zum Aus­druck gebracht, dass eine Aus­schrei­bung über­haupt nicht in Erwä­gung gezo­gen wor­den ist. Schon des­halb ver­bie­tet sich auch die Annah­me, der Dienst­herr still­schwei­gend eine Ent­schei­dung über das Abse­hen von einer Aus­schrei­bung ver­laut­bart. Davon abge­se­hen ist ins­be­son­de­re nichts dafür ersicht­lich, dass er inso­weit im vor­lie­gen­den Fall von einer frü­he­ren Ver­fah­rens­wei­se abge­wi­chen ist.

Soweit der Per­so­nal­rat der Auf­fas­sung ist, als Maß­nah­me im Sin­ne von § 69 Abs. 1 BPers­VG sei hier die der Per­so­nal­aus­wahl nach­fol­gen­de beab­sich­tig­te Zuwei­sung von Beschäf­tig­ten zu gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen anzu­se­hen, sagt dies nichts über die hier inter­es­sie­ren­de Fra­ge aus, ob der Dienst­herr einen auf das Abse­hen von einer Aus­schrei­bung gerich­te­ten Wil­lens­bil­dungs­pro­zess abge­schlos­sen hat. Mit­hin zeich­net sich der für die begehr­te Fest­stel­lung maß­ge­ben­de Sach­ver­halt durch ein schlich­tes Unter­las­sen der Aus­schrei­bung aus. Dies begrün­det kein Mit­be­stim­mungs­recht5.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 1. April 2015 – 5 P 8.2014 -

  1. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 09.01.2007 – 6 P 6.06, Buch­holz 251.7 § 72 NWPers­VG Nr. 36 Rn. 34; und vom 14.01.2010 – 6 P 10.09, BVerw­GE 136, 29 Rn. 21 []
  2. BVerwG, Beschlüs­se vom 23.07.1979 – 6 P 28.78, Buch­holz 238.3a § 68 BPers­VG Nr 1, S. 2 f.; und vom 02.03.1993 – 6 P 34.91 19 []
  3. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 06.12 1978 – 6 P 2.78, BVerw­GE 57, 151, 154; und vom 18.03.2008 – 6 PB 19.07 4 m.w.N. []
  4. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 09.01.2007 – 6 P 6.06, Buch­holz 251.7 § 72 NWPers­VG Nr. 36 Rn. 34; und vom 14.01.2010 – 6 P 10.09, BVerw­GE 136, 29 Rn. 21 []
  5. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 09.01.2007 – 6 P 6.06, Buch­holz 251.7 § 72 NWPers­VG Nr. 36 Rn. 34; und vom 14.01.2010 – 6 P 10.09, BVerw­GE 136, 29 Rn. 21 []