Baye­ri­sche Poli­zei­voll­zugs­be­am­te – und ihre Täto­wie­run­gen

Poli­zei­voll­zugs­be­am­te in Bay­ern dür­fen sich an Kopf, Hals, Hän­den und Unter­ar­men nicht täto­wie­ren las­sen.

Baye­ri­sche Poli­zei­voll­zugs­be­am­te – und ihre Täto­wie­run­gen

Das Baye­ri­sche Beam­ten­ge­setz unter­sagt Poli­zei­voll­zugs­be­am­ten unmit­tel­bar, sich im beim Tra­gen der Dienst­klei­dung (Som­mer­uni­form) sicht­ba­ren Kör­per­be­reich, d.h. kon­kret an Kopf, Hals, Hän­den und Unter­ar­men, täto­wie­ren zu las­sen.

Das hat jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig auf die Kla­ge eines Poli­zei­voll­zugs­be­am­ten ent­schie­den, der im Dienst des beklag­ten Frei­staa­tes Bay­ern steht. Sei­nen Antrag, ihm eine beim Tra­gen der Dienst­klei­dung sicht­ba­re Täto­wie­rung mit dem ver­zier­ten Schrift­zug „alo­ha“ auf dem Unter­arm zu geneh­mi­gen, lehn­te der Dienst­herr ab.

Sowohl die Kla­ge des Poli­zei­voll­zugs­be­am­ten vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Ans­bach [1] als auch sei­ne Beru­fung vor dem Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof [2] sind ohne Erfolg geblie­ben. Der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat zur Begrün­dung aus­ge­führt, das 2018 ergänz­te Baye­ri­sche Beam­ten­ge­setz ent­hal­te eine hin­rei­chend bestimm­te Rechts­grund­la­ge, die die obers­te Dienst­be­hör­de ermäch­ti­ge, bei Poli­zei­voll­zugs­be­am­ten das Tra­gen von Täto­wie­run­gen zu regle­men­tie­ren. Im Revi­si­ons­ver­fah­ren vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat der Poli­zei­be­am­te sein Begeh­ren dahin prä­zi­siert, dass die Täto­wie­rung maxi­mal 15 x 6 cm betra­gen soll. Doch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun auch die Revi­si­on des Beam­ten zurück­ge­wie­sen:

Bereits im Baye­ri­schen Beam­ten­ge­setz selbst ist, so das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, für im Dienst ste­hen­de Poli­zei­voll­zugs­be­am­te ein hin­rei­chend vor­her­seh­ba­res und bere­chen­ba­res Ver­bot für Täto­wie­run­gen und ande­re nicht sofort ableg­ba­re Erschei­nungs­merk­ma­le (wie etwa ein Bran­ding oder ein Ohr­tun­nel) im beim Tra­gen der Uni­form sicht­ba­ren Kör­per­be­reich gere­gelt ist.

Dies ergibt sich für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt aus der Aus­le­gung des Geset­zes unter Berück­sich­ti­gung der Geset­zes­be­grün­dung. Danach sind äußer­lich erkenn­ba­re Täto­wie­run­gen und ver­gleich­ba­re auf Dau­er ange­leg­te Kör­per­mo­di­fi­ka­tio­nen im sicht­ba­ren Bereich mit der Neu­tra­li­täts- und Reprä­sen­ta­ti­ons­funk­ti­on von uni­for­mier­ten Poli­zei­voll­zugs­be­am­ten unver­ein­bar. Durch das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht geschütz­te indi­vi­du­el­le Inter­es­sen der Poli­zei­voll­zugs­be­am­ten an einer Täto­wie­rung müs­sen für den – bezo­gen auf den Gesamt­kör­per beim Tra­gen der Dienst­klei­dung klei­nen – sicht­ba­ren Bereich gegen­über der Not­wen­dig­keit eines ein­heit­li­chen und neu­tra­len Erschei­nungs­bil­des zurück­tre­ten.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 14. Mai 2020 – 2 C 13.19

  1. VG Ans­bach, Urteil vom 25.08.2016 – AN 1 K 15.01449[]
  2. BayVGH, Urteil vom 14.11.2018 – 3 BV 16.2072[]