Das Han­dy vom Wär­ter

Ein Jus­tiz­voll­zugs­be­am­ter, der einem Gefan­ge­nen Mobil­funk-Kar­ten über­lässt, ist aus dem Dienst zu ent­fer­nen.

Das Han­dy vom Wär­ter

Dies ent­schied das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Koblenz in dem Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren eines im Jah­re 1971 gebo­re­ne Beam­ten, der als Jus­tiz­voll­zugs­ober­se­kre­tär im Dienst des Lan­des Rhein­land-Pfalz stand. Er wur­de im all­ge­mei­nen Voll­zugs­dienst der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Diez ein­ge­setzt. Im Jah­re 2007 über­ließ er einem Straf­ge­fan­ge­nen eine SIM-Kar­te, mit der die­ser sowie wei­te­re zehn Gefan­ge­ne meh­re­re hun­dert Tele­fon­ge­sprä­che führ­ten. Nach­dem die­se Kar­te von dem Straf­ge­fan­ge­nen wegen einer Zel­len­kon­trol­le zer­stört wur­de, über­ließ der Beam­te ihm eine Ersatz­kar­te. Der Kla­ge des Lan­des auf Ent­fer­nung des Beam­ten aus dem Dienst gab bereits das Ver­wal­tungs­ge­richt statt. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt wies die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung des Beam­ten zurück.

Der Jus­tiz­voll­zugs­be­am­te habe, so das Koblen­zer Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, ein schwer­wie­gen­des Dienst­ver­ge­hen began­gen und des­halb das Ver­trau­en des Dienst­herrn und der All­ge­mein­heit in eine pflicht­ge­mä­ße Amts­füh­rung ver­lo­ren. Durch die Wei­ter­ga­be der SIM-Kar­ten habe der Beam­te dem Gefan­ge­nen und wei­te­ren Inhaf­tier­ten die Mög­lich­keit eröff­net, unkon­trol­liert Mobil­funk­ge­sprä­che zu füh­ren. Damit habe er nicht nur ein unbe­herrsch­ba­res Risi­ko für die Sicher­heit der All­ge­mein­heit geschaf­fen, son­dern auch die Gesund­heit und das Leben der Bediens­te­ten sowie der ande­ren Gefan­ge­nen in der Anstalt in Gefahr gebracht. Unkon­trol­lier­te Tele­fon­ge­sprä­che könn­ten dazu miss­braucht wer­den, aus der Anstalt her­aus kri­mi­nel­le Hand­lun­gen zu ver­an­las­sen oder Ermitt­lun­gen der Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de zu behin­dern. Außer­dem hät­ten Gefan­ge­ne mit­hil­fe der bei­den SIM-Kar­ten Aus­bruchs­ver­su­che und die Beschaf­fung uner­laub­ter Gegen­stän­de (z. B. Waf­fen und Dro­gen) orga­ni­sie­ren kön­nen. Schließ­lich habe der Beam­te sich durch die grob pflicht­wid­ri­ge Über­las­sung der SIM-Kar­ten an den Gefan­ge­nen nicht nur die­sem gegen­über, son­dern auch gegen­über allen ande­ren Inhaf­tier­ten, die davon erfah­ren hät­ten, erpress­bar gemacht. Da das Fehl­ver­hal­ten des Beam­ten den Kern­be­reich der Dienst­pflich­ten eines Jus­tiz­voll­zugs­be­am­ten betref­fe, näm­lich die Anstalts­si­cher­heit zu gewähr­leis­ten, habe er sich für einen wei­te­ren Ver­bleib im Dienst untrag­bar gemacht. Etwas ande­res könn­te allen­falls dann gel­ten, wenn ein Voll­zugs­be­am­ter sei­ne Pflicht­ver­let­zung dem Dienst­herrn frei­wil­lig offen­ba­re und sich dadurch aus der Erpress­bar­keit befreie.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 22. März 2010 – 3 A 11391/​09.OVG