Der ehe­ma­li­ge Stabs­arzt – und sein Ver­wen­dungs­ein­kom­men im Unfall­kran­ken­haus

Ein Sol­dat oder Beam­ter erzielt Ver­wen­dungs­ein­kom­men i.S.v. § 53 Abs. 6 SVG (§ 53 Abs. 8 BeamtVG), wenn er bei einem pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­ten Ver­ein ange­stellt ist.

Der ehe­ma­li­ge Stabs­arzt – und sein Ver­wen­dungs­ein­kom­men im Unfall­kran­ken­haus

Nach der Legal­de­fi­ni­ti­on in § 53 Abs. 6 Satz 1 SVG (§ 53 Abs. 8 Satz 1 BeamtVG) ist Ver­wen­dungs­ein­kom­men ein Erwerbs­ein­kom­men aus einer Ver­wen­dung im öffent­li­chen Dienst. Gemäß § 53 Abs. 6 Satz 2 SVG (§ 53 Abs. 8 Satz 2 BeamtVG) ist dies jede Beschäf­ti­gung im Dienst von Kör­per­schaf­ten, Anstal­ten und Stif­tun­gen des deut­schen öffent­li­chen Rechts und ihrer Ver­bän­de; aus­ge­nom­men ist die Beschäf­ti­gung bei öffent­lich-recht­li­chen Reli­gi­ons­ge­sell­schaf­ten oder ihren Ver­bän­den.

Es ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts geklärt, dass als "Ver­band" öffent­lich-recht­li­cher Kör­per­schaf­ten ein Zusam­men­schluss mit eige­ner Rechts­per­sön­lich­keit anzu­se­hen ist 1, dem sol­che Kör­per­schaf­ten in einer Zahl und mit einer finan­zi­el­len Betei­li­gung ange­hö­ren, wel­che im Ver­hält­nis zu etwai­gen sons­ti­gen Ange­hö­ri­gen des Zusam­men­schlus­ses und deren finan­zi­el­ler Betei­li­gung nicht ganz unbe­deu­tend ist 2. Auch ein pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­ter rechts­fä­hi­ger Zusam­men­schluss, der von öffent­lich-recht­li­chen Rechts­trä­gern beherrscht wird und der nicht erwerbs­wirt­schaft­lich tätig ist, ist ein sol­cher Ver­band 3. Wei­te­re Vor­ga­ben für die Ver­fasst­heit des Ver­ban­des ent­hält das Gesetz nicht 4.

Auf der Grund­la­ge die­ser Recht­spre­chung wird der gemein­nüt­zi­ge und damit nicht erwerbs­wirt­schaft­lich täti­ge Trä­ger­ver­ein des Berufs­ge­nos­sen­schaft­li­chen Unfall­kran­ken­hau­ses Ham­burg (BUKH) – der Berufs­ge­nos­sen­schaft­li­che Ver­ein für Heil­be­hand­lung Ham­burg (BVHH) – von Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts beherrscht und ist damit als Ver­band im Sin­ne von § 53 Abs. 6 SVG anzu­se­hen.

Die rage, ob es mit dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) ver­ein­bar ist, dass bei einer Tätig­keit für ein ande­res Kran­ken­haus kei­ne Anrech­nung von Ver­wen­dungs­ein­kom­men erfolgt, ist bei allein wört­li­cher Aus­le­gung so nicht klä­rungs­fä­hig. Denn für die Fra­ge der Ruhens­be­rech­nung nach § 53 Abs. 6 SVG (§ 53 Abs. 8 BeamtVG) kommt es stets dar­auf an, ob das ärzt­li­che Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis zu einem gemein­nüt­zi­gen öffent­lich-recht­li­chen bzw. öffent­lich-recht­lich beherrsch­ten Kran­ken­haus besteht oder zu einem pri­vat­recht­lich-erwerbs­wirt­schaft­lich struk­tu­rier­ten Kran­ken­haus mit Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht. Bei der Ruhens­be­rech­nung berück­sich­tigt wird nur das bei einem öffent­lich-recht­lich oder öffent­lich-recht­lich beherrsch­ten gemein­nüt­zi­gen Kran­ken­haus erziel­te Ein­kom­men.

Die Fra­ge, ob es mit dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz ver­ein­bar ist, dass bei einer Tätig­keit für ein pri­vat­recht­lich-erwerbs­wirt­schaft­lich orga­ni­sier­tes Kran­ken­haus Ein­kom­men – anders als Ein­kom­men bei einem öffent­lich-recht­lich beherrsch­ten gemein­nüt­zi­gen Kran­ken­haus – nicht nach § 53 Abs. 6 SVG (§ 53 Abs. 8 BeamtVG) zum Ruhen gebracht wird, ist in der Recht­spre­chung geklärt.

Der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG ist dann ver­letzt, wenn für die glei­che Behand­lung ver­schie­de­ner Sach­ver­hal­te – bezo­gen auf den in Rede ste­hen­den Sach­be­reich und sei­ne Eigen­art – ein ver­nünf­ti­ger, ein­leuch­ten­der Grund fehlt 5. Die unter­schied­li­che Behand­lung eines Ein­kom­mens aus einer Ver­wen­dung im öffent­li­chen Dienst und eines Ein­kom­mens aus der erwerbs­wirt­schaft­li­chen Pri­vat­wirt­schaft ist im Hin­blick auf das Ver­bot dop­pel­ter Ali­men­ta­ti­on gerecht­fer­tigt. Nach dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ist der Lebens­un­ter­halt des Beam­ten, Rich­ters oder Sol­da­ten und sei­ner Fami­lie unab­hän­gig davon zu sichern, ob und inwie­weit er in der Lage ist, sei­nen Lebens­un­ter­halt aus pri­vat­recht­li­chen Ansprü­chen oder pri­va­tem Ver­mö­gen zu bestrei­ten 6. Er hat aber kei­nen Anspruch auf mehr­fa­che Siche­rung des Lebens­un­ter­halts durch – ggf. ver­schie­de­ne – öffent­li­che Kas­sen 7.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 3. Sep­tem­ber 2015 – 2 B 29.2014 -

  1. BVerwG, Urteil vom 23.10.1985 – 6 C 86.83, BVerw­GE 72, 174, 177 f.[]
  2. BVerwG, Urteil vom 03.02.1988 – 6 C 52.85, Buch­holz 239.2 § 53 SVG Nr. 7 S. 2 für den Berufs­ge­nos­sen­schaft­li­chen arbeits­me­di­zi­ni­schen Dienst e.V.[]
  3. BVerwG, Urteil vom 26.06.2008 – 2 C 32.06, Buch­holz 239.1 § 53 BeamtVG Nr. 16 Rn. 13 f.[]
  4. vgl. auch Kaz­mai­er, in Stegmüller/​Schmalhofer/​Bauer, Beam­ten­ver­sor­gungs­recht des Bun­des und der Län­der, Kom­men­tar, Stand Janu­ar 2012, § 53 BeamtVG Rn. 223 m.w.N.[]
  5. vgl. BVerfG, Beschluss vom 23.03.1994 – 1 BvL 8/​85, BVerfGE 90, 226, 239 und Beschluss vom 09.12 2003 – 1 BvR 558/​99, BVerfGE 109, 96, 123[]
  6. vgl. BVerfG, Beschluss vom 30.09.1987 – 2 BvR 933/​82, BVerfGE 76, 256, 298 m.w.N.[]
  7. vgl. BVerfG, Beschluss vom 30.09.1987 a.a.O. S. 256, 298, Kam­mer­be­schluss vom 04.11.1992 – 2 BvR 699/​91 8 sowie BVerwG, Urteil vom 22.02.1996 – 2 C 14.95, Buch­holz 240 § 8 BBesG Nr. 9 S. 2 f. m.w.N.[]