Der inner­dienst­li­che Betrug eines Hoch­schul­leh­rers

Bei der Bemes­sung der Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me bei einem inner­dienst­li­chem Betrug stellt der Sta­tus des Hoch­schul­leh­rers kei­nen Dif­fe­ren­zie­rungs­grund dar.

Der inner­dienst­li­che Betrug eines Hoch­schul­leh­rers

Die Ent­schei­dung über die Ver­hän­gung einer Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me ergeht nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen (§ 13 Abs. 1 LDG NRW). Die Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me ist ins­be­son­de­re nach der Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens zu bemes­sen. Das Per­sön­lich­keits­bild der Beam­tin oder des Beam­ten ist ange­mes­sen zu berück­sich­ti­gen. Fer­ner soll berück­sich­tigt wer­den, in wel­chem Umfang das Ver­trau­en des Dienst­herrn oder der All­ge­mein­heit beein­träch­tigt wor­den ist (§ 13 Abs. 2 LDG NRW). Wer durch ein Dienst­ver­ge­hen das Ver­trau­en des Dienst­herrn oder der All­ge­mein­heit end­gül­tig ver­lo­ren hat, ist aus dem Beam­ten­ver­hält­nis zu ent­fer­nen (§ 13 Abs. 3 Satz 1 LDG NRW).

In Fäl­len des inner­dienst­li­chen Betrugs zum Nach­teil des Dienst­herrn ist der Beam­te in der Regel aus dem Dienst zu ent­fer­nen, wenn im Ein­zel­fall Erschwe­rungs­grün­de vor­lie­gen, denen kei­ne Mil­de­rungs­grün­de von sol­chem Gewicht gegen­über­ste­hen, dass eine Gesamt­be­trach­tung nicht den Schluss recht­fer­tigt, der Beam­te habe das Ver­trau­en end­gül­tig ver­lo­ren. Je gra­vie­ren­der die Erschwe­rungs­grün­de in ihrer Gesamt­heit zu Buche schla­gen, des­to gewich­ti­ger müs­sen die Mil­de­rungs­grün­de sein, um davon aus­ge­hen zu kön­nen, dass noch ein Rest an Ver­trau­en zu dem Beam­ten vor­han­den ist.

Erschwe­rungs­grün­de kön­nen sich z.B. aus

  • Anzahl und Häu­fig­keit der Betrugs­hand­lun­gen,
  • der Höhe des Gesamt­scha­dens,
  • der miss­bräuch­li­chen Aus­nut­zung der dienst­li­chen Stel­lung oder dienst­lich erwor­be­ner Kennt­nis­se sowie
  • dar­aus erge­ben, dass die Betrugs­hand­lung im Zusam­men­hang mit wei­te­ren Ver­feh­lun­gen von erheb­li­chem dis­zi­pli­na­ri­schen Eigen­ge­wicht, z.B. mit Urkun­den­fäl­schun­gen, ste­hen 1.

Aus das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts­recht­spre­chung lässt sich der Grund­satz ablei­ten, dass bei einem Gesamt­scha­den von über 5 000 € die Ent­fer­nung aus dem Dienst ohne Hin­zu­tre­ten wei­te­rer Erschwe­rungs­grün­de gerecht­fer­tigt sein kann 2. Die Höhe des Gesamt­scha­dens ist danach ein Erschwe­rungs­grund neben ande­ren.

Die Fra­ge, ob bei inner­dienst­li­chen Ver­mö­gens­de­lik­ten nach sol­chen mit und ohne eige­nes wirt­schaft­li­ches Inter­es­se und nach Ver­mö­gens­de­lik­ten zuguns­ten oder zulas­ten des Dienst­herrn dif­fe­ren­ziert, stellt sich dabei dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nicht, weil die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zur Maß­nah­me­be­mes­sung eine sol­che Dif­fe­ren­zie­rung nicht kennt. Die Bedeu­tung die­ser Umstän­de für die Maß­nah­me­be­mes­sung kann auf­grund einer Ein­zel­fall­wür­di­gung am Maß­stab des § 13 LDG NRW (§ 13 BDG) ermit­telt wer­den.

Aller­dings darf nicht als beson­de­rer Erschwe­rungs­grund für die Bemes­sung der Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me ange­führt wer­den, dass der Beam­te als Hoch­schul­leh­rer ver­sagt habe, weil Hoch­schul­leh­rer gegen­über Stu­die­ren­den und Bediens­te­ten eine beson­de­re Ver­trau­ens­stel­lung hät­ten.

Ein "Hoch­schul­leh­rer-Malus" für inner­dienst­li­che Ver­mö­gens­de­lik­te ist in der bis­he­ri­gen Dis­zi­pli­nar-Recht­spre­chung nicht ange­nom­men wor­den. Zwar hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt den Rück­griff auf die Amts­stel­lung bei Poli­zei­be­am­ten (für inner­dienst­li­che Pflicht­ver­let­zun­gen aller­dings nur, wenn die­se unter Aus­nut­zung ihrer dienst­li­chen Stel­lung began­gen wur­den 3) oder für Leh­rer (aller­dings nur, soweit ein Dienst­be­zug zur Auf­ga­ben­wahr­neh­mung vor­liegt 4) unter bestimm­ten Umstän­den gebil­ligt. Ent­spre­chen­de Ent­schei­dun­gen für Hoch­schul­leh­rer lie­gen indes nicht vor.

Im Übri­gen dür­fen Umstän­de, die die Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens, d.h. des­sen Unrechts­ge­halt kenn­zeich­nen, dem Beam­ten m Rah­men der Maß­nah­me­be­mes­sung nicht noch­mals ange­las­tet wer­den 5.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 6. Mai 2015 – 2 B 19.2014 -

  1. stRspr, BVerwG, Urtei­le vom 28.11.2000 – 1 D 56.99, Buch­holz 232 § 54 Satz 2 BBG Nr. 23 S. 7; vom 26.09.2001 – 1 D 32.00, Buch­holz 232 § 77 BBG Nr. 18 S. 9 und Beschluss vom 10.09.2010 – 2 B 97.09, Buch­holz 235.1 § 13 BDG Nr. 14 Rn. 8[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 10.09.2010 – 2 B 97.09, Buch­holz 235.1 § 13 BDG Nr. 14 Rn. 8[]
  3. BVerwG, Urteil vom 25.07.2013 – 2 C 63.11, BVerw­GE 147, 229 Rn.20[]
  4. BVerwG, Urteil vom 19.08.2010 – 2 C 5.10, Buch­holz 235.2 LDis­zi­pli­narG Nr. 12 Rn. 15 sowie Beschluss vom 25.05.2012 – 2 B 133.11- NVwZ-RR 2012, 607 Rn. 11[]
  5. BVerwG, Beschluss vom 09.10.2014 – 2 B 60.14, NVwZ-RR 2015, 50 Rn. 49[]