Der unzu­läs­si­ge Abbruch des Mit­be­stim­mungs­ver­fah­rens

Wer­tet die Dienst­stel­le die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung des Per­so­nal­rats als un­be­acht­lich und wird durch rechts­kräf­ti­ge ge­richt­li­che Ent­schei­dung fest­ge­stellt, dass der Ab­bruch des Mit­be­stim­mungs­ver­fah­rens un­zu­läs­sig ist, so ist im An­schluss dar­an das Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren auf der Ebe­ne, auf der es ab­ge­bro­chen wor­den ist, un­ver­züg­lich fort­zu­set­zen; mit der ge­richt­li­chen Fest­stel­lung der Be­acht­lich­keit wird die Frist von zehn Ar­beits­ta­gen für die Vor­la­ge der An­ge­le­gen­heit an die obers­te Dienst­be­hör­de nach § 52 Abs. 6 Satz 1 MBGSH in Lauf ge­setzt. Liegt nach Ab­lauf der Frist des § 54 Abs. 3 Satz 4 MBGSH in den Fäl­len der ein­ge­schränk­ten Mit­be­stim­mung der Be­schluss der Ei­ni­gungs­stel­le nicht vor und gibt es für die­se Ver­zö­ge­rung kei­nen an­zu­er­ken­nen­den Grund, so ist die obers­te Dienst­be­hör­de be­rech­tigt, die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung zu tref­fen.

Der unzu­läs­si­ge Abbruch des Mit­be­stim­mungs­ver­fah­rens

Bereits in sei­ner Ent­schei­dung vom 7. Dezem­ber 1994 1 ist das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt unaus­ge­spro­chen davon aus­ge­gan­gen, dass nach gericht­li­cher Klä­rung der Beacht­lich­keits­fra­ge im Sin­ne des Per­so­nal­rats die frag­li­che Mit­be­stim­mungs­vor­la­ge nun­mehr der Sach­be­hand­lung zuzu­füh­ren ist. Die­se Aus­sa­ge gilt unge­ach­tet der Frist für die Anru­fung einer höhe­ren Mit­be­stim­mungs­ebe­ne, die auch im damals ent­schie­de­nen Fall zu beach­ten war (vgl. § 73 RhPPers­VG 2. Die wei­te­re Bemer­kung im zitier­ten Beschluss des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, dass die Per­so­nal­ver­tre­tung ihren Anspruch auf Fort­set­zung des Mit­be­stim­mungs­ver­fah­rens not­falls gericht­lich durch­set­zen kön­ne, ergibt kei­nen Sinn, wenn das Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren wegen Frist­ab­laufs längst sei­ne Erle­di­gung gefun­den hat. Sinn und Zweck des gericht­li­chen Ver­fah­rens zur Beacht­lich­keit der Zustim­mungs­ver­wei­ge­rung sind auf die Klä­rung der Fra­ge gerich­tet, ob die Zustim­mungs­ver­wei­ge­rung des Per­so­nal­rats eine Sach­be­hand­lung, gege­be­nen­falls auf den wei­te­ren Ebe­nen des Mit­be­stim­mungs­ver­fah­rens, erfor­dert. Dem müs­sen Aus­le­gung und Anwen­dung der ein­schlä­gi­gen Ver­fah­rens­vor­schrif­ten Rech­nung tra­gen. Dem ent­spre­chend beginnt die Frist von 10 Arbeits­ta­gen für die Vor­la­ge der Ange­le­gen­heit an die obers­te Dienst­be­hör­de nach § 52 Abs. 6 Satz 1 MBGSH zu lau­fen, sobald gericht­lich geklärt ist, dass die Zustim­mungs­ver­wei­ge­rung des Per­so­nal­rats beacht­lich ist.

Ver­wei­gert der Per­so­nal­rat form- und frist­ge­recht sei­ne Zustim­mung zu einer Mit­be­stim­mungs­vor­la­ge (§ 52 Abs. 2 Satz 3 MBGSH) und sieht der Dienst­stel­len­lei­ter von der Vor­la­ge der Ange­le­gen­heit an die obers­te Dienst­be­hör­de inner­halb der vor­ge­schrie­be­nen Frist ab (§ 52 Abs. 6 Satz 1 MBGSH), so ist die­ser – von Fäl­len des Rechts­miss­brauchs abge­se­hen – gleich­wohl nicht gehin­dert, den Per­so­nal­rat erneut mit der Sache zu befas­sen. Die Zustim­mungs­ver­wei­ge­rung des Per­so­nal­rats erwächst daher kei­nes­wegs in „Bestands­kraft“, so dass die frag­li­che Ange­le­gen­heit per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­lich nicht als „ver­braucht“ gel­ten kann 3. In Fäl­len der vor­lie­gen­den Art den Dienst­stel­len­lei­ter auf die Wie­der­ho­lung der Mit­be­stim­mungs­vor­la­ge zu ver­wei­sen, ver­bie­tet sich jedoch. Haben Dienst­stel­len­lei­ter und Per­so­nal­rat vor Gericht über die Beacht­lich­keit der Zustim­mungs­ver­wei­ge­rung gestrit­ten, so ist typi­scher­wei­se nicht damit zu rech­nen, dass die erneu­te Ein­lei­tung des Mit­be­stim­mungs­ver­fah­rens – nach gericht­li­cher Klä­rung der Beacht­lich­keits­fra­ge – zum Kon­sens führt. Es ent­spricht viel­mehr in einem der­ar­ti­gen Fall dem das Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren prä­gen­den Beschleu­ni­gungs­ge­bot, das Ver­fah­ren mög­lichst schnell auf die nächst­hö­he­re Ebe­ne zu brin­gen. Die Anwen­dung der kurz bemes­se­nen Frist des § 52 Abs. 6 Satz 1 MBGSH für die Vor­la­ge an die obers­te Dienst­be­hör­de trägt einer­seits dem Beschleu­ni­gungs­ge­bot Rech­nung und ver­schafft ande­rer­seits die nöti­ge Rechts­si­cher­heit über den Fort­gang des Mit­be­stim­mungs­ver­fah­rens.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 29. Febru­ar 2012 – 6 P 2.11

  1. BVerwG, Beschluss vom 07.12.1994 – 6 P 35.92, inso­weit bei Buch­holz 251.8 § 80 RhPPers­VG Nr. 10 nicht abge­druckt[]
  2. vom 05.07.1977, GVBl S. 213, in der damals anwend­ba­ren Fas­sung des Ände­rungs­ge­set­zes vom 16.04.1985, GVBl S. 113[]
  3. vgl. BVerwG, Beschluss vom 12.09.2011 – 6 PB 13.11[]