Die Ent­bin­dung vom Amt als Beam­ten­bei­sit­zer

Für die Ent­bin­dung vom Amt des Beam­ten­bei­sit­zers in einer Dis­zi­pli­nar­kam­mer oder einem Dis­zi­pli­nar­se­nat für Ange­le­gen­hei­ten nach dem Lan­des­dis­zi­pli­nar­ge­setz ist die Been­di­gung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses Vor­aus­set­zung. Die Beur­lau­bung ohne Bezü­ge nach § 153c Abs. 1 Nr. 2 LBG in der bis zum 31.12.2010 gül­ti­gen Fas­sung (vgl. nun­mehr § 72 Abs. 2 Nr. 2 LBG) führt nicht zu Ein­tritt oder Ver­set­zung in den Ruhe­stand und damit auch nicht zur Been­di­gung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses.

Die Ent­bin­dung vom Amt als Beam­ten­bei­sit­zer

So hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall den Antrag abge­lehnt, eine Frau von ihrem Amt als Beam­ten­bei­sit­ze­rin (Land) beim Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg zu ent­bin­den, weil sie ohne Bezü­ge beur­laubt wor­den war (§ 153c Abs. 1 Nr. 2 LBG in der bis zum 31.12.2010 gül­ti­gen Fas­sung (vgl. nun­mehr § 72 Abs. 2 Nr. 2 LBG).

In sei­nen Grün­den ver­weist der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg dar­auf, dass nach § 13 Abs. 1 Nr. 4 AGVw­GO der Beam­ten­bei­sit­zer von sei­nem Amt zu ent­bin­den ist, wenn das Beam­ten­ver­hält­nis endet. Für die Ent­schei­dung ist der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zustän­dig (§ 13 Abs. 3 AGVw­GO i.V.m. § 24 Abs. 3 VwGO).

Die Vor­aus­set­zun­gen für eine Ent­bin­dung nach § 13 Abs. 1 Nr. 4 AGVw­GO lie­gen hier man­gels Been­di­gung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses nicht vor. Das Beam­ten­ver­hält­nis endet durch Ent­las­sung, Ver­lust der Beam­ten­rech­te, Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis nach den Dis­zi­pli­nar­ge­set­zen oder Ein­tritt oder Ver­set­zung in den Ruhe­stand (§ 21 BeamtStG). Kei­ner die­ser Been­di­gungs­grün­de ist im Fal­le der Beam­ten­bei­sit­ze­rin gege­ben. Die zum 11.09.2012 erfolg­te Beur­lau­bung ohne Bezü­ge nach § 153c Abs. 1 Nr. 2 LBG in der bis zum 31.12.2010 gül­ti­gen Fas­sung (vgl. nun­mehr § 72 Abs. 2 Nr. 2 LBG) führt nicht zu Ein­tritt oder Ver­set­zung in den Ruhe­stand und damit auch nicht zur Been­di­gung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses 1. Auch eine Ent­bin­dung der Beam­ten­bei­sit­ze­rin nach § 13 Abs. 1 Nr. 4 AGVw­GO in ent­spre­chen­der Anwen­dung kommt nicht in Betracht 2. Für eine ent­spre­chen­de Anwen­dung fehlt es bereits an einer plan­wid­ri­gen Rege­lungs­lü­cke. § 13 AGVw­GO beruht auf dem Gesetz zur Neu­ord­nung des Lan­des­dis­zi­pli­nar­rechts (LDNOG) vom 14.10.2008 3. Bei Erlass des Geset­zes bestand die Mög­lich­keit der Beur­lau­bung ohne Bezü­ge nach § 153c Abs. 1 Nr. 2 LBG a.F. bereits. Gleich­wohl hat der Gesetz­ge­ber davon abge­se­hen, auch für die­se Fäl­le eine Ent­bin­dung vom Amt des Beam­ten­bei­sit­zers vor­zu­se­hen.

Ein sons­ti­ger Ent­bin­dungs­grund nach § 13 Abs. 1 Nr. 1 – 3, 5 AGVw­GO liegt eben­falls nicht vor.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 11. Sep­tem­ber 2012 – 1 S 1797/​12

  1. vgl. auch von Alber­ti u.a., Lan­des­dis­zi­pli­nar­recht Baden-Würt­tem­berg, 2. Aufl., § 9 AGVw­GO Rn. 1[]
  2. vgl. zur ent­spre­chen­den Anwen­dung von § 50 Abs. 1 Nr. 4 BDG im Fal­le der Alters­teil­zeit nach dem Block­mo­dell: BayVGH, Beschl v. 24.09.2003 – 5 S 03.2520[]
  3. GBl. 2008, 343, 356[]