Die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Lan­des­be­sol­dungs­ge­set­zes RLP

Das die Besol­dung regeln­de rhein­land-pfäl­zi­sche Lan­des­be­sol­dungs­ge­setz kann gegen die ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­pflich­tung des Dienst­herrn ver­sto­ßen, sei­ne Beam­ten amts­an­ge­mes­sen zu ali­men­tie­ren.

Die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Lan­des­be­sol­dungs­ge­set­zes RLP

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den und das Ver­fah­ren aus­ge­setzt, um den Fall dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­zu­le­gen. Die­ses soll ent­schei­den, ob das Lan­des­be­sol­dungs­ge­setz mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist.

Geklagt hat­te ein Lei­ten­der Ober­staats­an­walt (Besol­dungs­grup­pe R 3) gegen die Höhe sei­ner Bezü­ge, nach­dem das Land Ende 2011 gesetz­lich fest­ge­legt hat­te, dass sich die Besol­dung der rhein­land-pfäl­zi­schen Beam­ten und Rich­ter von 2012 bis 2016 um jeweils ein Pro­zent pro Jahr erhö­hen soll. Das Land sei als Dienst­herr von Ver­fas­sungs wegen ver­pflich­tet, sei­nen Beam­ten eine amts­an­ge­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on zu gewäh­ren. Eine Jah­re im Vor­aus auf jeweils ein Pro­zent begrenz­te Erhö­hung stel­le sich in Zei­ten einer Wirt­schafts- und Wäh­rungs­kri­se im Ergeb­nis als eine Kür­zung der Bezü­ge dar. Zudem sei die Beam­ten­be­sol­dung seit dem Jahr 1983 ins­ge­samt um min­des­tens 25 bis 30 Pro­zent hin­ter der all­ge­mei­nen Ent­wick­lung von Löh­nen und Gehäl­tern zurück­ge­blie­ben. Das beklag­te Land hält dem ent­ge­gen, die Erhö­hung bewe­ge sich inner­halb der aktu­el­len wie auch der pro­gnos­ti­zier­ten Preis­ent­wick­lung. Außer­dem sei­en bei der Bemes­sung der Besol­dung die Staats­fi­nan­zen, ins­be­son­de­re auch die nun­mehr im Grund­ge­setz und in der Lan­des­ver­fas­sung ver­an­ker­te Schul­den­brem­se, zu berück­sich­ti­gen. Ange­sichts der umfas­sen­den und weit gefä­cher­ten Ein­spa­run­gen, wel­che zur Kon­so­li­die­rung der Lan­des­fi­nan­zen beschlos­sen wor­den sei­en, lie­ge kein Son­der­op­fer der Beam­ten vor.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz ver­sto­ße das Lan­des­be­sol­dungs­ge­setz gegen die ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­pflich­tung des Dienst­herrn, sei­ne Beam­ten amts­an­ge­mes­sen zu ali­men­tie­ren. Arti­kel 33 Abs. 5 GG sol­le nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gewähr­leis­ten, dass der Bediens­te­te in recht­li­cher und wirt­schaft­li­cher Unab­hän­gig­keit zur Erfül­lung der dem Berufs­be­am­ten­tum vom Grund­ge­setz zuge­wie­se­nen Auf­ga­be bei­tra­gen kön­ne, im poli­ti­schen Kräf­te­spiel eine sta­bi­le, geset­zes­treue Ver­wal­tung zu sichern. Dazu müs­se der öffent­li­che Dienst mit Kon­di­tio­nen wer­ben kön­nen, die ins­ge­samt einem Ver­gleich mit der frei­en Wirt­schaft stand­hal­ten. Die Ali­men­ta­ti­on des Beam­ten die­ne von daher nicht allein des­sen Lebens­un­ter­halt, son­dern habe zugleich qua­li­täts­si­chern­de Funk­ti­on.

Die der­zei­ti­ge Besol­dung in der Ver­gleichs­grup­pe, wel­cher der Klä­ger ange­hö­re, genü­ge die­sen Anfor­de­run­gen nicht. Im Ver­gleich zu der Ent­wick­lung der Arbeit­neh­mer­ent­gel­te all­ge­mein, der Ein­kom­men der Tarif­be­schäf­tig­ten im öffent­li­chen Dienst sowie der Ein­kom­men ver­gleich­ba­rer Beschäf­tig­ter außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes seit dem Jahr 1983 blei­be die Beam­ten­be­sol­dung um min­des­tens 17,8 Pro­zent zurück. Die Beam­ten­be­sol­dung wer­de somit greif­bar von der all­ge­mei­nen finan­zi­el­len und wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung abge­kop­pelt. Sie sei damit nicht mehr amts­an­ge­mes­sen. Das ver­sto­ße gegen Art. 33 Abs. 5 des Grund­ge­set­zes.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz hat das Ver­fah­ren aus­ge­setzt, um den Fall dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­zu­le­gen. Die­ses soll ent­schei­den, ob das Lan­des­be­sol­dungs­ge­setz mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Beschluss vom 12. Sep­tem­ber 2013 – 6 K 445/​13.KO