Fami­li­en­zu­schlag für Beam­te – und die bel­gi­sche Lebens­part­ner­schaft

Einem Beam­ten, der in einer in Bel­gi­en ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft ("coha­bi­ta­ti­on léga­le") lebt, steht nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Aachen kein Fami­li­en­zu­schlag zu.

Fami­li­en­zu­schlag für Beam­te – und die bel­gi­sche Lebens­part­ner­schaft

Der Fami­li­en­zu­schlag der Stu­fe 1 wird Beam­ten gewährt, die ver­hei­ra­tet sind oder in einer Lebens­part­ner­schaft nach dem Lebens­part­ner­schafts­ge­setz leben. Sei­ne Kla­ge auf Zah­lung eines Fami­li­en­zu­schlags hat der in Bel­gi­en woh­nen­de Beam­te damit begrün­det, dass die bel­gi­sche coha­bi­ta­ti­on léga­le, die für ihn und sei­ne Part­ne­rin ein­ge­tra­gen sei, der Lebens­part­ner­schaft nach deut­schem Recht ent­spre­che. Ein Unter­schied bestehe nur dar­in, dass die bel­gi­sche Lebens­part­ner­schaft nicht nur zwi­schen gleich‑, son­dern auch zwi­schen ver­schie­den­ge­schlecht­li­chen Paa­ren geschlos­sen wer­den kön­ne.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on ist das Ver­wal­tungs­ge­richt nicht gefolgt und hat die Kla­ge abge­wie­sen:

Aus Art. 3 Abs. 1 GG fol­ge kei­ne Pflicht zur Gleich­stel­lung der coha­bi­ta­ti­on léga­le mit der Ehe bzw. der ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft nach dem deut­schen Lebens­part­ner­schafts­ge­setz. Die­se sei­en nicht ver­gleich­bar. Der Ehe und der ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft sei gemein, dass sie auf Dau­er ange­legt sei­en und eine gegen­sei­ti­ge Ein­stands­pflicht der Part­ner (auch über die Been­di­gung der Ehe bzw. Lebens­part­ner­schaft hin­aus) begrün­de­ten. Dies sei bei der coha­bi­ta­ti­on léga­le gera­de nicht der Fall. Sie wei­se neben gerin­ge­ren Anfor­de­run­gen an ihre Begrün­dung aus­schließ­lich auf das Zusam­men­le­ben als sol­ches bezo­ge­ne (zum Teil sehr limi­tier­te) Rech­te und Pflich­ten auf und kön­ne durch "Ver­trag" bzw. ein­sei­ti­ge "Kün­di­gung" been­det wer­den. Gegen eine Ver­gleich­bar­keit mit der Ehe bzw. ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft spre­che fer­ner, dass die Betrof­fe­nen nicht ein­mal ein Paar sein müs­sen. Viel­mehr ste­he die coha­bi­ta­ti­on léga­le auch Ver­wand­ten und ande­ren pla­to­nisch Zusam­men­le­ben­den offen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Aachen, urteil vom 9. Okto­ber 2015 – 1 K 2135/​14