Geld­bu­ße als Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me und der Per­so­nal­rat

Ent­schließt sich die Dis­zi­pli­nar­be­hör­de zur Ver­hän­gung einer Geld­bu­ße, so muss sie recht­zei­tig vor Erlass der Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung den Beam­ten sowohl über die geplan­te Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me als auch über deren Höhe infor­mie­ren und gleich­zei­tig auf sein Antrags­recht auf Betei­li­gung des Per­so­nal­rats hin­wei­sen.

Geld­bu­ße als Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me und der Per­so­nal­rat

Nach § 80 Abs. 1 Nr. 5 des baden-würt­tem­ber­gi­schen LPVG wirkt der Per­so­nal­rat bei Erlass von Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gun­gen oder schrift­li­chen Miss­bil­li­gun­gen gegen Beam­te mit, wenn der Beam­te dies bean­tragt (§ 80 Abs. 2 Satz 2 LPVG). Der Beam­te ist von der beab­sich­tig­ten Maß­nah­me recht­zei­tig vor­her in Kennt­nis zu set­zen; gleich­zei­tig ist er auf sein Antrags­recht hin­zu­wei­sen (§ 80 Abs. 2 Satz 3 i.V.m. § 75 Abs. 2 Satz 2 LPVG). Nach der Recht­spre­chung des Dis­zi­pli­nar­se­nats gehört zu der gebo­te­nen Unter­rich­tung über die „beab­sich­tig­te Maß­nah­me“ bei einer Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung ins­be­son­de­re auch die Mit­tei­lung, wel­che Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me vor­ge­se­hen ist, damit dem Beam­ten für sei­ne Ent­schlie­ßung eine kla­re Grund­la­ge gebo­ten wird1.

Kommt wie im vor­lie­gend vom Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg ent­schie­de­nen Fall eine Geld­bu­ße in Betracht, so ist der Beam­te hier­über und auch über die zu erwar­ten­de Höhe der Geld­bu­ße zu infor­mie­ren und gleich­zei­tig auf sein Antrags­recht hin­zu­wei­sen. An bei­den Vor­aus­set­zun­gen fehl­te es im ent­schie­de­nen Fall: Der Beklag­te hat den Klä­ger ledig­lich bei Ein­lei­tung des behörd­li­chen Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens mit Ver­fü­gung vom 02.01.2008 dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Schrei­ben nach­richt­lich dem Per­so­nal­rat „zwecks Wah­rung sei­ner Mit­be­stim­mungs­rech­te nach § 80 Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz (LPVG) zuge­lei­tet“ wer­de. Noch­mals wur­de er am 12.01.2009 im Rah­men sei­ner abschlie­ßen­den Anhö­rung zu den dis­zi­pli­na­ri­schen Vor­wür­fen, die kei­ner­lei Rück­schlüs­se auf die zu erwar­ten­de Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me ent­hiel­ten, über sein Antrags­recht infor­miert. Wei­te­res ist in der Fol­ge­zeit nicht gesche­hen. Ins­be­son­de­re ist der Klä­ger unmit­tel­bar vor Erlass der Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung nicht mehr über die beab­sich­tig­te Maß­nah­me infor­miert und auf sein Antrags­recht hin­ge­wie­sen wor­den, obwohl in einer Haus­mit­tei­lung des Beklag­ten vom 19.05.2008 dies für erfor­der­lich gehal­ten wur­de.

Die­se Vor­ge­hens­wei­se wird den Anfor­de­run­gen des § 80 Abs. 2 Satz 3 i.V.m. § 75 Abs. 2 Satz 2 LPVG nicht gerecht. Denn mit dem Ent­schluss des Beklag­ten, die Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung zu erlas­sen, ent­steht der Mit­wir­kungs­tat­be­stand, der sich – nach Erfül­lung der per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Hin­weis­pflicht – erst auf Antrag des Beam­ten aktua­li­siert2. Zu Recht hebt die Dis­zi­pli­nar­kam­mer dar­auf ab, dass die mit der Aus­wei­tung der behörd­li­chen Dis­zi­pli­nar­be­fug­nis­se ver­bun­de­ne Stär­kung der per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Mit­wir­kung aus­weis­lich der Geset­zes­be­grün­dung zum Gesetz zur Neu­ord­nung des Lan­des­dis­zi­pli­nar­rechts dem erklär­ten Wil­len des Gesetz­ge­bers ent­spricht3. Der Senat ist des­halb mit dem Ver­wal­tungs­ge­richt der Auf­fas­sung, dass der Klä­ger vor Erlass der Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung hät­te dar­über in Kennt­nis gesetzt wer­den müs­sen, dass der Beklag­te beab­sich­tigt, gegen ihn eine Geld­bu­ße in Höhe von 2.000,– EUR zu ver­hän­gen (§ 28 LDG) und gleich­zei­tig über sein Antrags­recht hät­te infor­miert wer­den müs­sen. Das Ver­säum­nis ist nicht damit zu recht­fer­ti­gen, dass der Klä­ger bereits in einem frü­he­ren Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren mit einem Ver­weis belegt wur­de, anwalt­lich ver­tre­ten ist und schon ver­schie­dent­lich Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me gehabt hat. Gleich­falls uner­heb­lich ist es in die­sem Zusam­men­hang, dass der Klä­ger nach Ansicht des Beklag­ten eine Betei­li­gung des Per­so­nal­rats gar nicht bean­tragt hät­te und dass eine sol­che Betei­li­gung zu einem ande­ren Ergeb­nis, d.h. einer ande­ren Ent­schei­dung des Beklag­ten geführt hät­te. Ent­schei­dend ist allein das for­ma­le Erfor­der­nis, vor Erlass der Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung den Klä­ger recht­zei­tig über die geplan­te Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me (hier: Ver­hän­gung einer Geld­bu­ße) und deren Höhe in Kennt­nis zu set­zen und gleich­zei­tig auf das Antrags­recht hin­zu­wei­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 2. März 2011 – DL 13 S 2492/​10

  1. VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 03.12.1992 – D 17 S 20/​92; Beschluss vom 18.09.1990 – DH 16/​90; Beschluss vom 12.12.1990 – 4 S 3389/​88
  2. vgl. zum Bun­des­recht auch BVerwG, Urteil vom 20.10.2005 – 2 C 12.04
  3. LT-Drs. 14/​2996, S. 129