Künst­li­che Befruch­tung für die Ehe­frau­en baden-würt­tem­ber­gi­scher Beam­ter

Beam­te des Lan­des Baden-Würt­tem­berg, die an Zeu­gungs­un­fä­hig­keit lei­den, kön­nen nach dem der­zei­ti­gen Bei­hil­fe­recht des Lan­des für ihre berück­sich­ti­gungs­fä­hi­ge Ehe­frau, deren Emp­fäng­nis­fä­hig­keit gestört ist, grund­sätz­lich eine Bei­hil­fe zu den Auf­wen­dun­gen für eine künst­li­che Befruch­tung unter Ver­wen­dung der Samen­zel­len eines Spen­ders (hete­ro­lo­ge In-vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on) bean­spru­chen.

Künst­li­che Befruch­tung für die Ehe­frau­en baden-würt­tem­ber­gi­scher Beam­ter

Die Rechts­grund­la­ge für die gel­tend gemach­te Bei­hil­fe fin­det sich in den all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten über die Bei­hil­fe­fä­hig­keit der Auf­wen­dun­gen bei Krank­heit der Ver­ord­nung des Finanz- und Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums des Beklag­ten über die Gewäh­rung von Bei­hil­fe in Geburts, Krank­heits, Pfle­ge- und Todes­fäl­len – Bei­hil­fe­ver­ord­nung (BVO) 1, die auf § 101 Satz 2 und 3 in der bis zum 31.12.2010 gel­ten­den Fas­sung des Lan­des­be­am­ten­ge­set­zes Baden­Würt­tem­berg vom 17.02.2004 2 fußt. Für die recht­li­che Beur­tei­lung bei­hil­fe­recht­li­cher Strei­tig­kei­ten ist die Sach- und Rechts­la­ge zum Zeit­punkt des Ent­ste­hens der Auf­wen­dun­gen maß­geb­lich, für die Bei­hil­fen ver­langt wer­den 3. Die streit­ge­gen­ständ­li­chen Auf­wen­dun­gen sind vor­lie­gend im Januar/​Februar 2010 ent­stan­den. Die Bei­hil­fe­ver­ord­nung des Lan­des Baden-Würt­tem­berg ent­hält kei­ne spe­zi­el­le Rege­lung über die Bei­hil­fe­fä­hig­keit medi­zi­ni­scher Maß­nah­men zur Her­bei­füh­rung einer Schwan­ger­schaft, sodass auf die all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten zurück­zu­grei­fen ist. Danach steht dem bei­hil­fe­be­rech­tig­ten Beam­te für sich selbst kei­ne Bei­hil­fe zu den Auf­wen­dun­gen für die künst­li­che Befruch­tung unter Ver­wen­dung der Samen­zel­len eines Spen­ders zu. Der Beam­te kann aber für sei­ne berück­sich­ti­gungs­fä­hi­ge Ehe­frau – sofern deren Auf­wen­dun­gen bei­hil­fe­fä­hig sein soll­ten – Bei­hil­fe bean­spru­chen.

Nach § 1 Abs. 4 BVO wer­den Bei­hil­fen zu den bei­hil­fe­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen der bei­hil­fe­be­rech­tig­ten Per­so­nen gewährt. Dazu zäh­len nach § 2 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 BVO Beam­te, wenn und solan­ge sie unter ande­rem Dienst­be­zü­ge erhal­ten. Bei­hil­fe­fä­hig sind nach § 5 Abs. 1 Satz 1 und § 6 Abs. 1 Nr. 1 BVO aus Anlass einer Krank­heit unter ande­rem Auf­wen­dun­gen für geson­dert erbrach­te und berech­ne­te ärzt­li­che Leis­tun­gen, wenn sie dem Grun­de nach not­wen­dig und soweit sie der Höhe nach ange­mes­sen sind. Sofern die Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind, besteht auf die Bei­hil­fe ein Rechts­an­spruch (§ 1 Abs. 3 Satz 1 BVO). Der Beam­te ist als ein im Dienst des Beklag­ten ste­hen­der Beam­ter bei­hil­fe­be­rech­tigt. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat im Ein­klang mit revi­si­blem Lan­des­recht ent­schie­den, dass die auf­grund einer Azoo­sper­mie vor­lie­gen­de Ste­ri­li­tät des Beam­tes eine Krank­heit im Sin­ne des § 6 Abs. 1 BVO dar­stellt. Er hat die Bei­hil­fe­fä­hig­keit der Auf­wen­dun­gen für die hete­ro­lo­ge In-vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on in Bezug auf den Beam­te der Sache nach in revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se wegen ihrer feh­len­den bei­hil­fe­recht­li­chen Not­wen­dig­keit im Sin­ne des § 5 Abs. 1 Satz 1 BVO ver­neint. Das ver­letzt nicht höher­ran­gi­ges Recht.

Für den Krank­heits­be­griff im Sin­ne des § 6 Abs. 1 BVO ist man­gels einer eigen­stän­di­gen Begriffs­be­stim­mung in der Bei­hil­fe­ver­ord­nung grund­sätz­lich auf den sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Krank­heits­be­griff nach § 27 Abs. 1 Satz 1 Fünf­tes Buch Sozi­al­ge­setz­buch zurück­zu­grei­fen. Danach ist Krank­heit ein regel­wid­ri­ger Zustand des Kör­pers oder des Geis­tes, der der ärzt­li­chen Behand­lung bedarf oder – zugleich oder aus­schließ­lich – Arbeits­un­fä­hig­keit zur Fol­ge hat. Als regel­wid­rig ist ein Kör­per- oder Geis­tes­zu­stand anzu­se­hen, der von der durch das Leit­bild eines gesun­den Men­schen gepräg­ten Norm abweicht. Dabei ist der Begriff der Gesund­heit mit dem Zustand gleich­zu­set­zen, der dem Ein­zel­nen die Aus­übung kör­per­li­cher oder geis­ti­ger Funk­tio­nen ermög­licht. Jemand ist krank, wenn er in sei­ner Kör­per- oder Geis­tes­funk­ti­on beein­träch­tigt ist 4.

Unter Zugrun­de­le­gung die­ser Begriffs­be­stim­mung liegt bei dem Beam­ten eine Erkran­kung im Sin­ne des § 6 Abs. 1 BVO vor. Nach den Fest­stel­lun­gen lei­det der Beam­te an einer Azoo­sper­mie. Infol­ge des völ­li­gen Feh­lens von Samen­zel­len ist er auf Dau­er unfä­hig, gene­tisch eige­ne Nach­kom­men zu zeu­gen. Sei­ne Unfrucht­bar­keit stellt einen regel­wid­ri­gen Kör­per­zu­stand dar, der vom Nor­mal­zu­stand der Fort­pflan­zungs­fä­hig­keit erwach­se­ner Men­schen im zeu­gungs­fä­hi­gen Alter abweicht. Die Kin­der­lo­sig­keit an sich stellt dem­ge­gen­über kei­ne Krank­heit im Sin­ne des § 6 Abs. 1 BVO dar 5.

Auf­wen­dun­gen sind dem Grun­de nach not­wen­dig im Sin­ne von § 5 Abs. 1 Satz 1 BVO, wenn sie für eine medi­zi­nisch gebo­te­ne Behand­lung ent­stan­den sind, die der Wie­der­erlan­gung der Gesund­heit, der Bes­se­rung oder Lin­de­rung von Lei­den, der Besei­ti­gung oder dem Aus­gleich kör­per­li­cher oder geis­ti­ger Beein­träch­ti­gun­gen die­nen. Die Behand­lung muss dar­auf gerich­tet sein, die Krank­heit zu the­ra­pie­ren 6. Die Bei­hil­fe­fä­hig­keit der Maß­nah­me setzt weder einen voll­stän­di­gen noch einen dau­er­haf­ten Erfolg vor­aus. Eine Maß­nah­me dient schon dann der Lin­de­rung von Lei­den oder dem Aus­gleich kör­per­li­cher oder geis­ti­ger Beein­träch­ti­gun­gen, wenn die­ser Erfolg nur par­ti­ell oder nur zeit­wei­se erreich­bar ist 7.

In Anwen­dung die­ser Rechts­grund­sät­ze sind die Auf­wen­dun­gen für die künst­li­che Befruch­tung unter Ver­wen­dung der Samen­zel­len eines Spen­ders für den Beam­te selbst nicht not­wen­dig im Sin­ne des § 5 Abs. 1 Satz 1 BVO. Die ärzt­li­chen Leis­tun­gen die­nen unstrei­tig nicht der Wie­der­erlan­gung der Gesund­heit, d.h. der Zeu­gungs­fä­hig­keit des Beam­tes. Es reicht nicht aus, dass die hete­ro­lo­ge In-vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on gemäß § 1592 Nr. 1 BGB zu einer recht­li­chen Vater­schaft des Beam­tes füh­ren kann. Die ärzt­li­chen Maß­nah­men zie­len auch nicht auf eine Lin­de­rung sei­ner Unfrucht­bar­keit, weil der Beam­te durch die in Rede ste­hen­de Behand­lung sei­ne Zeu­gungs­fä­hig­keit auch nicht wenigs­tens teil­wei­se oder wenigs­tens vor­über­ge­hend erwirbt. Eben­so wenig erset­zen sie die gestör­te Kör­per­funk­ti­on des Beam­tes der­ge­stalt, dass die­ser in die Lage ver­setzt wird, sich auf einem ande­ren als dem natür­li­chen Weg fort­zu­pflan­zen. Denn durch die hete­ro­lo­ge In-vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on kann dem Beam­te nicht zu einem vom ihm gene­tisch abstam­men­den Kind ver­hol­fen wer­den.

Es ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass der Beam­te kei­ne Bei­hil­fe für sich selbst bean­spru­chen kann. Dar­in liegt weder eine gleich­heits­wid­ri­ge Benach­tei­li­gung nach Art. 3 Abs. 1 GG noch ein Ver­stoß gegen das Ver­bot der Benach­tei­li­gung Behin­der­ter nach Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG. Auch die dem Dienst­herrn oblie­gen­de Für­sor­ge­pflicht, die ver­fas­sungs­recht­lich in Art. 33 Abs. 5 GG ver­an­kert ist, wird dadurch nicht ver­letzt.

Der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) gebie­tet, alle Men­schen vor dem Gesetz gleich zu behan­deln. Das Grund­recht ist daher vor allem dann ver­letzt, wenn eine Grup­pe von Normadres­sa­ten im Ver­gleich zu ande­ren Normadres­sa­ten anders behan­delt wird, obwohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Unter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Gewicht bestehen, dass sie die unglei­che Behand­lung recht­fer­ti­gen kön­nen. Im Rah­men sei­nes Gestal­tungs­auf­trags ist der Gesetz­ge­ber grund­sätz­lich frei bei sei­ner Ent­schei­dung, an wel­che tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se er Rechts­fol­gen anknüpft und wie er von Rechts wegen zu begüns­ti­gen­de Per­so­nen­grup­pen defi­niert. Eine Gren­ze ist jedoch dann erreicht, wenn durch Bil­dung einer recht­lich begüns­tig­ten Grup­pe ande­re Per­so­nen von der Begüns­ti­gung aus­ge­schlos­sen wer­den und sich für die­se Ungleich­be­hand­lung kein in ange­mes­se­nem Ver­hält­nis zu dem Grad der Ungleich­be­hand­lung ste­hen­der Recht­fer­ti­gungs­grund fin­den lässt. Im Bereich der gewäh­ren­den Staats­tä­tig­keit unter­liegt die Abgren­zung der begüns­tig­ten Per­so­nen­krei­se zwar einer weit­ge­hen­den Gestal­tungs­frei­heit des Gesetz­ge­bers. Aber auch hier muss die von ihm getrof­fe­ne Rege­lung durch hin­rei­chend gewich­ti­ge Grün­de gerecht­fer­tigt sein 8.

Der Beam­te wird gegen­über bei­hil­fe­be­rech­tig­ten männ­li­chen Beam­ten bzw. berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen männ­li­chen Ehe­gat­ten, hin­sicht­lich derer eine homo­lo­ge künst­li­che Befruch­tung mög­lich ist, also die Eizel­len unter Ver­wen­dung jeweils der eige­nen Samen­zel­len künst­lich befruch­tet wer­den kön­nen, nicht unge­recht­fer­tigt benach­tei­ligt. Im Fall einer homo­lo­gen In-vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on ist die bei­hil­fe­recht­li­che Not­wen­dig­keit des­halb zu beja­hen, weil durch die­se Behand­lungs­me­tho­de eine feh­len­de oder beein­träch­tig­te Kör­per­funk­ti­on ersetzt wird. Es wird – anders als bei der hete­ro­lo­gen künst­li­chen Befruch­tung – ein "Funk­ti­ons­aus­gleich" geschaf­fen, indem die Fort­pflan­zung auf einem ande­ren als dem natür­li­chen Weg erfol­gen kann. Dadurch wer­den die Fol­gen eines regel­wid­ri­gen Kör­per­zu­stan­des über­wun­den, und den Eltern wird zu einem gene­tisch von ihnen abstam­men­den Kind ver­hol­fen 9. Die­ser Unter­schied recht­fer­tigt die unter­schied­li­che bei­hil­fe­recht­li­che Behand­lung.

Die durch die Vor­ent­hal­tung der begehr­ten Bei­hil­fe für sich selbst bewirk­te Benach­tei­li­gung des Beam­tes gegen­über bei­hil­fe­be­rech­tig­ten männ­li­chen Beam­ten bzw. berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen männ­li­chen Ehe­gat­ten, die krank­heits­be­dingt zwar ein Kind nicht auf natür­li­chem Wege zu zeu­gen ver­mö­gen, bei denen aber Samen­zel­len für eine künst­li­che Befruch­tung gewon­nen wer­den kön­nen, ist sach­lich dadurch gerecht­fer­tigt, dass Letzt­ge­nann­ten durch den ärzt­li­chen Ein­griff zu gene­tisch eige­nen Nach­kom­men ver­hol­fen wer­den kann.

Das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot des Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG ist nicht ver­letzt.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt lässt dahin­ste­hen, ob ein Ver­stoß gegen Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG schon des­halb aus­schei­det, weil das Begeh­ren des Beam­tes als von dem Grund­recht nicht gewähr­leis­te­ter ori­gi­nä­rer Leis­tungs­an­spruch anzu­se­hen wäre 10. Auch unab­hän­gig davon ist eine Grund­rechts­ver­let­zung zu ver­nei­nen.

Eine Benach­tei­li­gung im Sin­ne des Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG liegt unter ande­rem bei Rege­lun­gen und Maß­nah­men vor, die die Situa­ti­on des Behin­der­ten wegen sei­ner Behin­de­rung ver­schlech­tern, indem ihm etwa Leis­tun­gen ver­wehrt wer­den, die jeder­mann zuste­hen 11. Dies ist hier nicht der Fall.

Die hete­ro­lo­ge künst­li­che Befruch­tung erfüllt im Hin­blick auf den Beam­te – wie auf­ge­zeigt – nicht die an die bei­hil­fe­recht­li­che Not­wen­dig­keit zu stel­len­den Anfor­de­run­gen und ist des­halb von die­sem Anspruch nicht erfasst. Dass für Auf­wen­dun­gen, die nach bei­hil­fe­recht­li­chem Maß­stab dem Grun­de nach nicht not­wen­dig sind, kein Anspruch auf Bei­hil­fe­ge­wäh­rung besteht, gilt für behin­der­te Men­schen und sol­che ohne Behin­de­rung glei­cher­ma­ßen. Mit­hin wird der Bei­hil­fe­an­spruch des Beam­tes von kei­nen ande­ren als den für jeder­mann gel­ten­den Vor­aus­set­zun­gen abhän­gig gemacht.

Auch die ver­fas­sungs­recht­li­che Für­sor­ge­pflicht (Art. 33 Abs. 5 GG) führt zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung.

Sie ergänzt die eben­falls durch Art. 33 Abs. 5 GG gewähr­leis­te­te Ali­men­ta­ti­ons­pflicht des Dienst­herrn. Die Für­sor­ge­pflicht for­dert, dass der Dienst­herr den amts­an­ge­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt der Beam­ten und ihrer Fami­li­en auch in beson­de­ren Belas­tungs­si­tua­tio­nen wie Krank­heit, Pfle­ge­be­dürf­tig­keit, Geburt oder Tod sicher­stellt. Er muss dafür Sor­ge tra­gen, dass Beam­te in die­sen Lebens­la­gen nicht mit erheb­li­chen finan­zi­el­len Auf­wen­dun­gen belas­tet blei­ben, die sie nicht mehr in zumut­ba­rer Wei­se aus ihrer Ali­men­ta­ti­on bestrei­ten kön­nen. Dies ist auf der Grund­la­ge des gegen­wär­tig prak­ti­zier­ten "Misch­sys­tems" zu beur­tei­len, in dem zur Eigen­vor­sor­ge der Beam­ten durch Abschluss einer auf die Bei­hil­fe­vor­schrif­ten abge­stimm­ten Ver­si­che­rung die ergän­zen­de Bei­hil­fe­ge­wäh­rung tritt. Die ver­fas­sungs­recht­li­che Für­sor­ge­pflicht ver­langt weder, dass Auf­wen­dun­gen der Beam­ten in Krank­heits­fäl­len durch Leis­tun­gen einer bei­hil­fe­kon­for­men Kran­ken­ver­si­che­rung und ergän­zen­de Bei­hil­fen voll­stän­dig gedeckt wer­den, noch, dass die von der Bei­hil­fe nicht erfass­ten Kos­ten in vol­lem Umfang ver­si­cher­bar sind 12.

Die Für­sor­ge­pflicht in Krank­heits, Pfle­ge, Geburts- und Todes­fäl­len wird grund­sätz­lich abschlie­ßend durch die Bei­hil­fe­vor­schrif­ten kon­kre­ti­siert. Aus der Für­sor­ge­pflicht erge­ben sich nur dann Leis­tungs­an­sprü­che, wenn die­se andern­falls in ihrem Wesens­kern ver­letzt wäre. Den Wesens­kern der Für­sor­ge­pflicht kön­nen allen­falls unzu­mut­ba­re Belas­tun­gen des Beam­ten berüh­ren 13.

Es ist weder erkenn­bar noch vom Beam­te gel­tend gemacht wor­den, dass sei­ne amts­an­ge­mes­se­ne Lebens­füh­rung unzu­mut­bar beein­träch­tigt wird, weil ihm die begehr­te Bei­hil­fe als Fol­ge sei­ner Erkran­kung vor­ent­hal­ten wird.

Dage­gen ist die Bei­hil­fe für Auf­wen­dun­gen der Ehe­frau des Beam­ten zu gewäh­ren. Nach § 1 Abs. 4 BVO wer­den Bei­hil­fen auch zu den bei­hil­fe­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen der berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Ange­hö­ri­gen des Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten gewährt. Zu die­sen zählt nach § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BVO unter ande­rem der Ehe­gat­te des Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten. Der Bei­hil­fe­an­spruch aus Anlass einer Krank­heit des Ehe­gat­ten unter­liegt den­sel­ben Vor­aus­set­zun­gen wie der Bei­hil­fe­an­spruch aus Anlass einer Krank­heit des Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten. Dar­über hin­aus darf die Bei­hil­fe­fä­hig­keit nicht nach § 5 Abs. 4 Nr. 4 BVO zu ver­nei­nen sein. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat im Ergeb­nis zu Recht dahin erkannt, dass auch die Ehe­frau des Beam­tes an einer Krank­heit im Sin­ne des § 6 Abs. 1 BVO lei­det. Er hat aber revi­si­bles Lan­des­recht ver­letzt, indem er der Sache nach davon aus­ge­gan­gen ist, die bei­hil­fe­recht­li­che Not­wen­dig­keit der Auf­wen­dun­gen für die In-vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on sei für den Beam­te und sei­ne Ehe­frau zwangs­läu­fig ein­heit­lich zu beant­wor­ten.

Vor­lie­gend lei­det die Ehe­frau des Beam­tes an einer Funk­ti­ons­stö­rung der Eilei­ter und kann infol­ge­des­sen nicht auf natür­li­chem Weg Nach­kom­men emp­fan­gen. Dies erfüllt den bei­hil­fe­recht­li­chen Krank­heits­be­griff des § 6 Abs. 1 BVO 14.

Sind – wie hier – sowohl der Bei­hil­fe­be­rech­tig­te als auch sein berück­sich­ti­gungs­fä­hi­ger Ehe­gat­te unfrucht­bar, ist für bei­de getrennt und selbst­stän­dig zu prü­fen, ob die Auf­wen­dun­gen der künst­li­chen Befruch­tung not­wen­dig im Sin­ne des § 5 Abs. 1 Satz 1 BVO sind.

Die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung fin­det im Gesetz kei­ne Stüt­ze. Sie wider­spricht dem Cha­rak­ter der Bei­hil­fen als anlass­be­zo­ge­ne Leis­tun­gen aus öffent­li­chen Mit­teln 15. Nach dem gegen­wär­ti­gen Bei­hil­fen­sys­tem wird die Bei­hil­fe als Hil­fe­leis­tung, die die Eigen­vor­sor­ge der Beam­ten ergänzt, unab­hän­gig von einer finan­zi­el­len Not­la­ge gewährt, um einen bestimm­ten Vom­hun­dert­satz der Kos­ten in Krank­heits, Pfle­ge, Geburts- und Todes­fäl­len zu erstat­ten. Nach dem bei­hil­fe­recht­li­chen Leis­tungs­pro­gramm sind grund­sätz­lich die­je­ni­gen Auf­wen­dun­gen bei­hil­fe­fä­hig, die durch einen kon­kre­ten Anlass ver­ur­sacht wer­den 16. Kon­kre­ter Anlass für die Bei­hil­fen im Krank­heits­fall ist die Krank­heit des Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten oder – wenn die­ser eine Bei­hil­fe zu den Auf­wen­dun­gen für einen berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Ange­hö­ri­gen begehrt – die Krank­heit des berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Ange­hö­ri­gen. Die Anlass­be­zo­gen­heit kommt nicht nur in dem Grund­satz zum Aus­druck, dass im Krank­heits­fall die Behand­lungs­kos­ten im Rah­men der Not­wen­dig­keit und der Ange­mes­sen­heit bei­hil­fe­fä­hig sind 17. Sie hat zudem zur Fol­ge, dass die not­wen­di­gen Behand­lungs­kos­ten in Bezug auf die Krank­heit und damit die Per­son zu bestim­men sind, auf die das Bei­hil­fe­be­geh­ren gestützt wird.

In Anwen­dung die­ser recht­li­chen Vor­ga­ben sind die Auf­wen­dun­gen für die hete­ro­lo­ge In-vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on für die Ehe­frau des Beam­tes grund­sätz­lich not­wen­dig im Sin­ne des § 5 Abs. 1 Satz 1 BVO. Denn – wie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt eben­falls bereits ent­schie­den hat 18 – kann durch die In-vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on die gestör­te Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Eilei­ter über­wun­den und jeden­falls der Frau die Mög­lich­keit der Emp­fäng­nis gene­tisch eige­ner Nach­kom­men (wieder)eröffnet wer­den.

Nach § 5 Abs. 4 Nr. 4 BVO sind die in §§ 6 bis 10 BVO genann­ten Auf­wen­dun­gen, die für den Ehe­gat­ten des Beil­hil­fe­be­rech­tig­ten ent­stan­den sind, nicht bei­hil­fe­fä­hig, wenn der Gesamt­be­trag der Ein­künf­te (§ 2 Abs. 3 EStG) des Ehe­gat­ten in den bei­den Kalen­der­jah­ren vor der Stel­lung des Bei­hil­fe­an­trags jeweils 18 000 € über­steigt. In die­sem Fall ist die im tat­säch­li­chen Bereich ange­sie­del­te Fra­ge zu klä­ren haben, ob und gege­be­nen­falls in wel­chem Umfang im Zusam­men­hang mit der hete­ro­lo­gen In-vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on berech­ne­te Ein­zel­leis­tun­gen medi­zi­nisch indi­ziert und erfor­der­lich gewe­sen sind.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 10. Okto­ber 2013 – 5 C 32.12

  1. vom 28.07.1995, GBl S. 561, in der Fas­sung vom 30.10.2008, GBl S. 407[]
  2. GBl S. 66[]
  3. stRspr, vgl. BVerwG, Urteil vom 08.11.2012 – 5 C 2.12, IÖD 2013, 33 m.w.N.[]
  4. vgl. BVerwG, Urteil vom 24.02.1982 – 6 C 8.77, BVerw­GE 65, 87, 91 = Buch­holz 238.4 § 30 SG Nr. 5 S. 5; Beschlüs­se vom 04.11.2008 – 2 B 19.08, Buch­holz 310 § 86 Abs. 1 VwGO Nr. 370 Rn. 4; und vom 30.09.2011 – 2 B 66.11, Buch­holz 270 § 5 BhV Nr. 21 Rn. 7 mit Nach­wei­sen auf die Recht­spre­chung des BSG[]
  5. vgl. BGH, Urtei­le vom 17.12.1986 – IVa ZR 78/​85BGHZ 99, 228; und vom 12.11.1997 – IV ZR 58/​97, NJW 1998, 824; BVerfG, Urteil vom 28.02.2007 – 1 BvL 5/​03, BVerfGE 117, 316; s.a. BSG, Urteil vom 21.06.2005 – B 8 KN 1/​04 KR R, SozR 42500 § 27a Nr. 2[]
  6. vgl. BVerwG, Urteil vom 08.11.2012 a.a.O. Rn. 13; Beschluss vom 30.09.2011 a.a.O. Rn. 11[]
  7. vgl. BVerwG, Urteil vom 27.11.2003 – 2 C 38.02, BVerw­GE 119, 265, 269 = Buch­holz 240 § 69 BBesG Nr. 6 S. 8; Urteil vom 07.11.2006 – 2 C 11.06, BVerw­GE 127, 91 = Buch­holz 237.8 § 90 RhPLBG Nr. 2 jeweils Rn. 16[]
  8. stRspr, vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 10.11.1998 – 1 BvL 50/​92, BVerfGE 99, 165, 177 f.; BVerwG, Urteil vom 16.05.2013 – 5 C 28.12, NJW 2013, 2775[]
  9. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 27.11.2003 a.a.O. 268 f.; und vom 10.10.2013 – 5 C 29.12[]
  10. vgl. dazu BVerfG, Beschluss vom 08.10.1997 – 1 BvR 9/​97, BVerfGE 96, 288, 304 m.w.N.[]
  11. vgl. BVerwG, Urteil vom 13.12.2012 – 5 C 3.12, Buch­holz 271 LBei­hil­feR Nr. 43 Rn. 34; BVerfG, Beschluss vom 08.10.1997 a.a.O. S. 303[]
  12. vgl. BVerwG, Urteil vom 26.06.2008 – 2 C 2.07, BVerw­GE 131, 234 = Buch­holz 270 § 6 BhV Nr. 17 jeweils Rn. 13 m.w.N.[]
  13. stRspr, vgl. z.B. BVerwG, Urteil vom 28.05.2003 – 5 C 28.02, Buch­holz 232 § 72 BBG Nr. 38 Rn. 16 m.w.N.[]
  14. vgl. BVerwG, Urteil vom 27.11.2003 – 2 C 38.02 – Bverw­GE 119, 265, 268 f. = Buch­holz 240 § 69 BBesG Nr. 6 S. 7 f.[]
  15. vgl. BVerwG, Urteil vom 20.03.2008 – 2 C 49.07, BVerw­GE 131, 20 = Buch­holz 11 Art. 33 Abs. 5 GG Nr. 94 jeweils Rn. 21 und 22[]
  16. vgl. BVerwG, Urteil vom 29.09.2011 – 2 C 80.10, Buch­holz 270 § 5 BhV Nr. 22 Rn.19 m.w.N.[]
  17. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 29.09.2011 a.a.O.; und vom 12.11.2009 – 2 C 61.08, Buch­holz 270 § 5 BhV Nr.19 Rn. 12[]
  18. vgl. BVerwG, Urteil vom 27.11.2003 a.a.O.[]