Ber­li­ner Wahl­kampf und der Papst

Die Wer­be­ta­feln der CDU in Ber­lin-Mit­te dür­fen nach der Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­haus­wahl am 18. Sep­tem­ber 2011 nicht zur Wer­bung für den Besuch des Paps­tes in Ber­lin ver­wen­det wer­den, ent­schied jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in einem Eil­ver­fah­ren.

Ber­li­ner Wahl­kampf und der Papst

Der Antrag­stel­ler ist ein Ver­ein, des­sen Zweck in der För­de­rung der römisch-katho­li­schen Kir­che besteht. Er möch­te die groß­flä­chi­gen Wer­be­ta­feln (sog. „Wes­sel­mann­ta­feln“), die der Kreis­ver­band der CDU Mit­te aus Anlass der Abge­ord­ne­ten­haus­wahl in die­sem Bezirk auf­ge­stellt hat, nut­zen, um Papst Bene­dikt XVI. bei sei­nem Ber­lin-Besuch am 22. Sep­tem­ber 2011 durch pro­mi­nen­te Bür­ger will­kom­men zu hei­ßen. Die Tafeln haben eine Flä­che von jeweils 9,4 m² und sind regel­mä­ßig am Rand bzw. in der Mit­te der jewei­li­gen Stra­ßen auf­ge­stellt und befes­tigt. Der Kreis­ver­band der CDU Mit­te ist mit der Nach­nut­zung ein­ver­stan­den. Das Bezirks­amt Mit­te von Ber­lin ver­sag­te dem Antrag­stel­ler die sei­ner Auf­fas­sung nach erfor­der­li­che Son­der­nut­zungs­er­laub­nis.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin lehn­te den hier­ge­gen gerich­te­ten Eil­an­trag ab: Die begehr­te Ver­wen­dung der Plakat­trä­ger sei als Son­der­nut­zung erlaub­nis­pflich­tig. Zwar dür­fe das öffent­li­che Stra­ßen­land aus­nahms­wei­se zum Zwe­cke der Wahl­wer­bung in Anspruch genom­men wer­den. Auf eine sol­che Pri­vi­le­gie­rung kön­ne sich der Antrag­stel­ler aber nicht beru­fen.

Im Übri­gen sol­le die Erlaub­nis für eine Son­der­nut­zung in der Regel erteilt wer­den, wenn über­wie­gen­de öffent­li­che Inter­es­sen der Son­der­nut­zung nicht ent­ge­gen­stün­den. Es sei aber Sache der Behör­de, die betrof­fe­nen öffent­li­chen Inter­es­sen, etwa des Städ­te­baus, für den Bezirk zu defi­nie­ren, zu kon­kre­ti­sie­ren und zu gewich­ten. Nach die­sem Maß­stab habe die Behör­de zutref­fend Belan­ge des Städ­te­baus und Denk­mal­schut­zes zur Ver­sa­gung der Erlaub­nis ange­führt.

Der­art gro­ßen Wer­be­an­la­gen kom­me eine grund­sätz­lich uner­wünsch­te ablen­ken­de Wir­kung zu; zudem wür­den Unfall­ge­fah­ren gestei­gert.

Dar­an ände­re auch der Umstand nichts, dass die Wer­be­an­la­gen ohne­hin erst bis zum 25. Sep­tem­ber 2011 abge­baut wer­den müss­ten, weil die­se Frist allein die Wahl­wer­bung betref­fe.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschluss vom 30. August 2011 – VG 1 L 285.11