Das Gemein­de­ver­mö­gen in einer Stif­tung

Die Vor­aus­set­zun­gen für eine Stif­tungs­an­er­ken­nung lie­gen nicht vor, wenn das Stif­tungs­ge­schäft gegen ein gesetz­li­ches Ver­bot ver­stößt und das Gemein­wohl gefähr­det, weil die beson­de­ren Vor­aus­set­zun­gen, unter denen die Ein­brin­gung von Gemein­de­ver­mö­gen in Stif­tun­gen nach § 100 Abs. 3 der Gemein­de­ord­nung NRW gestat­tet ist, nicht vor­lie­gen.

Das Gemein­de­ver­mö­gen in einer Stif­tung

So das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Kla­ge der Ener­gie- und Was­ser­ver­sor­gung Rhei­ne GmbH, einer Enkel­ge­sell­schaft der Stadt Rhei­ne, auf Aner­ken­nung einer „Stadt­wer­ke Stif­tung für Rhei­ne“. In dem Stif­tungs­ge­schäft wird als Zweck der Stif­tung die Beschaf­fung von Mit­teln für steu­er­be­güns­tig­te Kör­per­schaf­ten zur För­de­rung steu­er­be­güns­tig­ter Zwe­cke auf den Gebie­ten Bil­dung und Erzie­hung, Kunst und Kul­tur, Umwelt­schutz, Jugend und Alten­hil­fe, Wohl­fahrts­we­sen, Sport und Hei­mat­ge­dan­ke in Rhei­ne genannt. Als Anfangs­ver­mö­gen wur­den der Stif­tung von der Klä­ge­rin 1.000.000 Euro zuge­si­chert. Hin­ter­grund der Grün­dung einer Stif­tung war nach Dar­stel­lung der Klä­ge­rin, dass die vier Toch­ter­ge­sell­schaf­ten der Stadt­wer­ke Rhei­ne GmbH in den Jah­ren bis 2006 ohne ein ent­spre­chen­des Gesamt­kon­zept ca. 150.000 Euro jähr­lich für Spen­den und Spon­so­ring aus­ge­ge­ben hät­ten. Ziel einer Neu­or­ga­ni­sa­ti­on der gemein­nüt­zi­gen Tätig­keit der Toch­ter­ge­sell­schaf­ten der Stadt­wer­ke sei daher eine ein­heit­li­che­re Prä­sen­ta­ti­on die­ser Tätig­keit nach außen in Ver­bin­dung mit einem Image­ge­winn der Stadt­wer­ke Rhei­ne. Den Antrag auf stif­tungs­recht­li­che Aner­ken­nung der „Stadt­wer­ke Stif­tung für Rhei­ne“ lehn­te das beklag­te Land ab. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter gab der Kla­ge statt. Dage­gen hat das beklag­te Land Beru­fung ein­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len habe zwar die antrag­stel­len­de Per­son bei Vor­lie­gen aller stif­tungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen einen Anspruch auf Aner­ken­nung nach dem Stif­tungs­ge­setz NRW. Die bun­des­recht­lich im Bür­ger­li­chen Gesetz­buch kodi­fi­zier­ten Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen für die Stif­tungs­an­er­ken­nung lägen aber nicht vor. Das Stif­tungs­ge­schäft ver­sto­ße mit der Fol­ge sei­ner Nich­tig­keit gegen ein gesetz­li­ches Ver­bot und gefähr­de das Gemein­wohl, weil die zur Ver­wen­dung als Anfangs­ver­mö­gen der Stif­tung vor­ge­se­he­ne Geld­sum­me von 1.000.000 Euro Teil des Gemein­de­ver­mö­gens sei und die beson­de­ren Vor­aus­set­zun­gen, unter denen die Ein­brin­gung von Gemein­de­ver­mö­gen in Stif­tun­gen nach § 100 Abs. 3 der Gemein­de­ord­nung NRW gestat­tet sei, nicht vor­lä­gen. Das wäre nur der Fall, wenn der mit der Stif­tung ver­folg­te Zweck auf ande­re Wei­se nicht erreicht wer­den kön­ne. So lie­ge es hier nicht.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 19. Dezem­ber 2012 – 16 A 1451/​10