Das Olden­bur­ger Wal­ki­no als Denk­mal

Wenn trotz grö­ße­rer Ein­grif­fe in die Bau­sub­stanz im Gebäu­de­in­ne­ren noch Hin­rei­chen­des vor­han­den ist, um die ursprüng­li­che Gestal­tung des Gebäu­des zu ver­an­schau­li­chen, ist die Ein­stu­fung als Bau­denk­mal recht­mä­ßig.

Das Olden­bur­ger Wal­ki­no als Denk­mal

Mit die­ser Begrün­dung hat das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes eine denk­mal­recht­li­che Anord­nung gegen­über dem Eigen­tü­mer des sog. „Wall­ki­nos“ in Olden­burg als recht­mä­ßig ange­se­hen. 1913/​14 wur­de das Wall­ki­no als eines der ers­ten eigens zu die­sem Zweck bestimm­ten Licht­spiel­thea­ter Nie­der­sach­sens errich­tet und bis 2007 durch­ge­hend als Kino betrie­ben. Um 1970 fand eine grö­ße­re Umge­stal­tung des Gebäu­des statt, die 1997 nur teil­wei­se, hin­sicht­lich der Außen­fas­sa­de, wie­der rück­gän­gig gemacht wur­de. Seit 2007 steht das Gebäu­de leer. Im sel­ben Jahr ist es in die Lis­te der Denk­ma­le auf­ge­nom­men wor­den. Dem Eigen­tü­mer gab die Stadt Olden­burg im Novem­ber 2019 unter ande­rem auf, ste­hen­des Was­ser aus Sou­ter­rain­räu­men des Gebäu­des abzu­pum­pen, ein Kel­ler­fens­ter abzu­dich­ten und Feuch­tig­keits­mes­sun­gen vor­zu­neh­men, und berief sich hier­für auf des­sen denk­mal­recht­li­che Erhal­tungs­pflicht.

Gegen die­se Ver­fü­gung hat sich der Eigen­tü­mer mit einem Antrag auf vor­läu­fi­gen Rechts­schutz vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg gewehrt. Nach sei­ner Auf­fas­sung sei das Gebäu­de auf­grund der tief­grei­fen­den Umge­stal­tun­gen kein Bau­denk­mal mehr. So sei­en im Inne­ren des Gebäu­des kaum noch Spu­ren der ursprüng­li­chen Innen­aus­stat­tung erhal­ten. Nach­dem das Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg [1] den Antrag abge­lehnt hat­te mit der Begrün­dung, das Gebäu­de sei wei­ter­hin als Bau­denk­mal ein­zu­stu­fen und die ange­ord­ne­ten Maß­nah­men sei­en erfor­der­lich, hat der Eigen­tü­mer sein Ziel vor dem Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt wei­ter ver­folgt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt aus­ge­führt, dass zwar der Ein­zug einer Zwi­schen­de­cke in den ursprüng­li­chen Kino­saal und die Absen­kung des Bodens des Par­ketts grö­ße­re Ein­grif­fe in die Bau­sub­stanz sei­en, nament­lich in Gestalt der Logen, der Saal­de­cke sowie der Raum­auf­tei­lung des Gebäu­des im Übri­gen sei jedoch selbst im Gebäu­de­in­ne­ren noch Hin­rei­chen­des vor­han­den, um die ursprüng­li­che Gestal­tung des Gebäu­des zu ver­an­schau­li­chen. Außer­dem bestrei­te selbst der vom Eigen­tü­mer beauf­trag­te Sach­ver­stän­di­ge den Denk­mal­wert hin­sicht­lich der Schau­fas­sa­de zur Hei­li­gen­geist­stra­ße nicht. In wel­chem Umfang im Inne­ren des Gebäu­des wei­te­re Aus­stat­tungs­de­tails aus der Ent­ste­hungs­zeit vor­han­den sei­en, kön­ne vor die­sem Hin­ter­grund offen­blei­ben. Die ange­ord­ne­ten Maß­nah­men sei­en, soweit sie nicht ohne­hin bereits erle­digt sei­en, nicht zu bean­stan­den.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 29. Juli 2020 – 1 ME 33/​20

  1. VG Olden­burg, Beschluss vom 06. 02. 2020 – 4 B 3642/​19[]