Das Ver­bot von Alko­hol im Zug zum Fuß­ball­spiel

An ein gene­rel­les Alko­hol­ver­bot sind zwar stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len, aber der Alko­hol­kon­sum durch "Pro­blem­fans", die ein wesent­li­cher Fak­tor für Straf­ta­ten sind, kann ein sol­ches Ver­bot recht­fer­ti­gen.

Das Ver­bot von Alko­hol im Zug zum Fuß­ball­spiel

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Schles­wig in dem hier vor­lie­gen­den Fall das von der Bun­des­po­li­zei aus­ge­spro­che­ne Ver­bot von Alko­hol in allen Regio­nal­zü­gen zwi­schen Ros­tock und Dort­mund am Tag eines statt­fin­den­den Fuß­ball­spiels für recht­mä­ßig erklärt. Am 27. Okto­ber 2012 fand ein Fuß­ball­spiel zwi­schen dem F.C. Han­sa Ros­tock und dem BVB Dort­mund II in der 3. Fuß­ball-Liga statt. An die­sem Tag hat­te die Bun­des­po­li­zei durch eine soge­nann­te All­ge­mein­ver­fü­gung (u.a.) den Besitz und Kon­sum von Alko­hol in allen Regio­nal­zü­gen zwi­schen Ros­tock und Dort­mund gene­rell (d.h. für alle Fahr­gäs­te) ver­bo­ten. Zur Begrün­dung des Ver­bots hat­te die Bun­des­po­li­zei auf gewalt­tä­ti­ge Aus­schrei­tun­gen soge­nann­ter Pro­blem­fans des F. C. Han­sa Ros­tock bei der An- und Abrei­se zu ande­ren Spie­len ver­wie­sen, bei denen geg­ne­ri­sche Fans, Poli­zei­be­am­te und Unbe­tei­lig­te atta­ckiert wor­den waren. Die Bun­des­po­li­zei sah die Alko­ho­li­sie­rung von Fans als eine der wesent­li­chen Ursa­chen der Eska­la­ti­on an.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat­te bereits im Okto­ber 2012 einen Eil­an­trag des Klä­gers – eines betrof­fe­nen Fans des F. C. Han­sa Ros­tock – auf Wie­der­her­stel­lung der auf­schie­ben­den Wir­kung abge­lehnt und dabei auf­grund der knap­pen Zeit zunächst nur eine Fol­genab­wä­gung ange­stellt, ohne die Recht­mä­ßig­keit des Ver­bots abschlie­ßend zu prü­fen 1; die hier­ge­gen gerich­te­te Beschwer­de hat­te das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Schles­wig am glei­chen Tag zurück­ge­wie­sen 2.

In dem hier vor­lie­gen­den Ver­fah­ren hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt über die Kla­ge zu ent­schei­den, mit wel­cher die Rechts­wid­rig­keit des Alko­hol­ver­bots fest­ge­stellt wer­den soll­te. Der Klä­ger hat­te argu­men­tiert, dass die Vor­aus­set­zung einer kon­kre­ten Gefahr nicht vor­ge­le­gen habe, weil sich ein Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen Alko­hol­kon­sum und Straf­ta­ten bei Fuß­ball­fans nicht gesi­chert bele­gen las­se und dass das Ver­bot unver­hält­nis­mä­ßig sei.

Unter Her­an­zie­hung einer Rei­he von Gut­ach­ten und Stu­di­en zu der The­ma­tik hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Schles­wig in sei­ner Urteils­be­grün­dung aus­ge­führt, dass zwar an gene­rel­le Alko­hol­ver­bo­te stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len sei­en. Im vor­lie­gen­den Fall sei aber zum einen zu berück­sich­ti­gen, dass auf­grund der vor­lie­gen­den Erkennt­nis­se der Alko­hol­kon­sum durch soge­nann­te Pro­blem­fans ein wesent­li­cher Fak­tor für Straf­ta­ten sei. Zum ande­ren sei­en aber die Beson­der­hei­ten des Regio­nal­zug­ver­kehrs (lan­ge Rei­se mit z.T. unge­plan­ten Ver­zö­ge­run­gen, über­füll­te Züge, schwie­ri­ge Ein­satz­be­din­gun­gen für die Poli­zei) zu berück­sich­ti­gen. Vor die­sem Hin­ter­grund sei das Ver­bot gerecht­fer­tigt gewe­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Schles­wig, Urteil vom 8. April 2014 – 3 A 192/​13

  1. VG Schles­wig, vom 26.10.2012 – 3 B 145/​12[]
  2. OVG Schles­wig, Beschluss vom 26.10.2012 – 4 MB 71/​12[]