Dekan und Fakul­täts­rat im Ham­bur­gi­schen Hoch­schul­ge­setz

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat auf die Ver­fas­sungs­be­schwer­de eines Ham­bur­ger Uni­ver­si­täts­pro­fes­sors die §§ 90 und 91 des Ham­bur­gi­schen Hoch­schul­ge­set­zes wegen eines Ver­stoßs gegen die grund­ge­setz­lich garan­tier­te Wis­sen­schafts­frei­heit für teil­wei­se ver­fas­sungs­wid­rig erklärt:

Dekan und Fakul­täts­rat im Ham­bur­gi­schen Hoch­schul­ge­setz

Die Siche­rung der Wis­sen­schafts­frei­heit durch orga­ni­sa­to­ri­sche Rege­lun­gen ver­langt, dass die Trä­ger der Wis­sen­schafts­frei­heit durch ihre Ver­tre­ter in Hoch­schul­or­ga­nen Gefähr­dun­gen der Wis­sen­schafts­frei­heit abweh­ren und ihre fach­li­che Kom­pe­tenz zur Ver­wirk­li­chung der Wis­sen­schafts­frei­heit in die Uni­ver­si­tät ein­brin­gen kön­nen. Der Gesetz­ge­ber muss daher ein hin­rei­chen­des Niveau der Par­ti­zi­pa­ti­on der Grund­rechts­trä­ger gewähr­leis­ten.

Das Gesamt­ge­fü­ge der Hoch­schul­ver­fas­sung kann ins­be­son­de­re dann ver­fas­sungs­wid­rig sein, wenn dem Lei­tungs­or­gan sub­stan­ti­el­le per­so­nel­le und sach­li­che Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se im wis­sen­schafts­re­le­van­ten Bereich zuge­wie­sen wer­den, dem mit Hoch­schul­leh­rern besetz­ten Ver­tre­tungs­gre­mi­um im Ver­hält­nis hier­zu jedoch kaum Kom­pe­ten­zen und auch kei­ne maß­geb­li­chen Mit­wir­kungs- und Kon­troll­rech­te ver­blei­ben.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de[↑]

Der Beschwer­de­füh­rer der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor an der Fakul­tät für Rechts­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­tät Ham­burg. Sei­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de rich­tet sich gegen die §§ 90, 91 HmbHG, die das Bin­nen­ver­hält­nis der Hoch­schul­or­ga­ne auf Fakul­täts­ebe­ne regeln. Wäh­rend § 90 HmbHG die Rechts­stel­lung und Auf­ga­ben des Deka­nats nor­miert, regelt § 91 HmbHG die Stel­lung und Auf­ga­ben des Fakul­täts­rats. Bei­de Vor­schrif­ten sind in der Ver­gan­gen­heit zuneh­mend zu Las­ten des Fakul­täts­rats geän­dert wor­den.

Der Beschwer­de­füh­rer macht gel­tend, durch die­se Vor­schrif­ten in sei­ner Wis­sen­schafts­frei­heit ver­letzt zu sein, da ihm kol­le­gi­al-reprä­sen­ta­ti­ve Mit­be­stim­mungs­be­fug­nis­se vor­ent­hal­ten wür­den. § 90 HmbHG bün­de­le nahe­zu alle grund­le­gen­den wis­sen­schafts­re­le­van­ten Kom­pe­ten­zen beim Deka­nat. Der Fakul­täts­rat habe dem­ge­gen­über kei­ne hin­rei­chen­den Entscheidungs‑, Kon­troll- oder Sank­ti­ons­be­fug­nis­se. Die unglei­che Kom­pe­tenz­ver­tei­lung zei­ge sich ins­be­son­de­re in den Rege­lun­gen über das Beru­fungs­ver­fah­ren und über die Amts­stel­lung des Dekans sowie über des­sen Wahl und Abwahl.

Die Rege­lun­gen des Ham­bur­gi­schen Hoch­schul­ge­set­zes zum Ver­hält­nis zwi­schen Dekan und Fakul­täts­rat[↑]

Die mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­grif­fe­nen Nor­men betref­fen das Bin­nen­ver­hält­nis der Hoch­schul­or­ga­ne auf Fakul­täts­ebe­ne. § 90 HmbHG betrifft die Rechts­stel­lung und Auf­ga­ben des Deka­nats, wäh­rend § 91 HmbHG die Rechts­stel­lung und Auf­ga­ben des Fakul­täts­rats nor­miert. Bei­de Vor­schrif­ten sind in der Ver­gan­gen­heit zuneh­mend zu Las­ten des Fakul­täts­rats geän­dert wor­den.

Nach § 96 Abs. 1 des Ham­bur­gi­schen Hoch­schul­ge­set­zes in der Fas­sung vom 2. Juli 1991 1 glie­der­ten sich die Hoch­schu­len in Fach­be­rei­che. Die­se nah­men gemäß § 97 Abs. 1 Satz 1 HmbHG „unbe­scha­det der Gesamt­ver­ant­wor­tung der Hoch­schu­le und der Zustän­dig­kei­ten der zen­tra­len Hoch­schul­or­ga­ne auf ihren Fach­ge­bie­ten die Auf­ga­ben der Hoch­schu­le wahr“. Inner­halb des Fach­be­reichs, der gemäß § 98 HmbHG mit dem Fach­be­reichs­rat und dem mit der Amts­be­zeich­nung „Dekan“ ver­se­he­nen Fach­be­reichs­spre­cher (§ 100 Abs. 5 Satz 5 HmbHG) über zwei Orga­ne ver­füg­te, ent­schied der Fach­be­reichs­rat nach § 99 Abs. 1 Satz 1 HmbHG „in allen grund­sätz­li­chen Ange­le­gen­hei­ten des Fach­be­reichs, soweit die­ses Gesetz oder die Grund­ord­nung der Hoch­schu­le nichts ande­res bestimmt“. Dem­ge­gen­über kam dem Fach­be­reichs­spre­cher nach § 100 Abs. 1 HmbHG die Auf­ga­be zu, den Fach­be­reich zu lei­ten und zu ver­tre­ten. Nach § 100 Abs. 2 Satz 1 und 2 HmbHG war der Fach­be­reichs­spre­cher dar­über hin­aus Vor­sit­zen­der des Fach­be­reichs­rats, berei­te­te des­sen Sit­zun­gen vor und führ­te des­sen Beschlüs­se aus. Ent­spre­chend § 100 Abs. 4 HmbHG konn­te der Fach­be­reichs­spre­cher unauf­schieb­ba­re Ent­schei­dun­gen, die zur Zustän­dig­keit des Fach­be­reichs­rats gehör­ten, allein tref­fen, wobei die­se Ent­schei­dun­gen jedoch vom Fach­be­reichs­rat geän­dert oder auf­ge­ho­ben wer­den konn­ten. Der Fach­be­reichs­spre­cher und sei­ne Ver­tre­ter wur­den gemäß § 100 Abs. 5 Satz 1 HmbHG aus dem Kreis der dem Fach­be­reichs­rat ange­hö­ren­den Pro­fes­so­ren grund­sätz­lich für vier Jah­re gewählt.

Das Beru­fungs­ver­fah­ren war dahin­ge­hend gere­gelt, dass der Fach­be­reichs­rat nach § 14 Abs. 3 Satz 1 HmbHG den Beru­fungs­vor­schlag auf­stell­te und ihn sodann dem Hoch­schul­se­nat vor­leg­te (§ 14 Abs. 6 Satz 1 HmbHG). Auf Vor­schlag der Hoch­schu­le wur­den die Pro­fes­so­ren nach § 13 Abs. 1 HmbHG schließ­lich von der zustän­di­gen Behör­de beru­fen.

Das Ham­bur­gi­sche Hoch­schul­ge­setz vom 18. Juli 2001 2 über­ließ den Hoch­schu­len nach § 90 Abs. 1 Satz 1 HmbHG die Rege­lung der Selbst­ver­wal­tungs­struk­tur unter­halb der zen­tra­len Ebe­ne. Nach § 90 Abs. 1 Satz 2 HmbHG konn­te die Grund­ord­nung der Hoch­schu­le bestim­men, dass unter­halb der zen­tra­len Ebe­ne Selbst­ver­wal­tungs­ein­hei­ten mit beson­de­ren Orga­nen gebil­det wer­den oder gebil­det wer­den kön­nen. Die­se nah­men nach § 90 Abs. 2 Satz 2 HmbHG in ihren Berei­chen die Auf­ga­ben der Hoch­schu­le in eige­ner Ver­ant­wor­tung wahr. In Abwei­chung von der vor­he­ri­gen Rechts­la­ge ent­schie­den die Lei­tungs­or­ga­ne der Selbst­ver­wal­tungs­ein­hei­ten gemäß § 91 Abs. 1 Satz 3 HmbHG über alle Ange­le­gen­hei­ten der Selbst­ver­wal­tungs­ein­hei­ten, die nicht aus­drück­lich den in § 92 HmbHG nor­mier­ten Selbst­ver­wal­tungs­gre­mi­en zuge­wie­sen waren. Soweit eine kol­le­gia­le Lei­tung ein­ge­rich­tet wur­de, sah § 91 Abs. 2 Satz 2 HmbHG vor, dass dem Vor­sit­zen­den des kol­le­gia­len Lei­tungs­or­gans bei der Wahr­neh­mung der Lei­tungs­auf­ga­ben die Richt­li­ni­en­kom­pe­tenz zustand und er bezie­hungs­wei­se ein ande­res Mit­glied der kol­le­gia­len Lei­tung der Selbst­ver­wal­tungs­ein­heit nach § 92 Abs. 2 Satz 1 HmbHG Vor­sit­zen­der des Selbst­ver­wal­tungs­gre­mi­ums war.

Auch die Rege­lun­gen bezüg­lich des Beru­fungs­ver­fah­rens wur­den geän­dert. Sofern von der Opti­on des § 90 Abs. 2 Satz 2 HmbHG Gebrauch gemacht und unter­halb der zen­tra­len Ebe­ne kör­per­schaft­lich orga­ni­sier­te Selbst­ver­wal­tungs­ein­hei­ten geschaf­fen wur­den, erhiel­ten die­se, sofern sie für Stu­di­en- und Prü­fungs­an­ge­le­gen­hei­ten und die For­schung in bestimm­ten Fächern ver­ant­wort­lich waren, gemäß § 90 Abs. 3 Satz 1 HmbHG unter ande­rem die Zustän­dig­keit für die Auf­stel­lung von Beru­fungs­vor­schlä­gen. Für den Fall, dass die Grund­ord­nung unter­halb der zen­tra­len Ebe­ne kei­ne kör­per­schaft­lich orga­ni­sier­ten Selbst­ver­wal­tungs­ein­hei­ten vor­sah, war in § 14 Abs. 2 Satz 1 HmbHG jedoch gere­gelt, dass die Hoch­schu­le recht­zei­tig den Beru­fungs­vor­schlag auf­stellt; die nähe­re Aus­ge­stal­tung des Ver­fah­rens über­ließ das Ham­bur­gi­sche Hoch­schul­ge­setz in § 14 Abs. 6 Satz 1 HmbHG einer Sat­zung (Beru­fungs­ord­nung) der Hoch­schu­le.

Das Ham­bur­gi­sche Hoch­schul­ge­setz in sei­ner durch das Gesetz zur Moder­ni­sie­rung des Hoch­schul­we­sens vom 27. Mai 2003 3 geän­der­ten Fas­sung bestä­tig­te im Wesent­li­chen die im Ham­bur­gi­schen Hoch­schul­ge­setz vom 18. Juli 2001 nor­mier­te bin­nen­or­ga­ni­sa­to­ri­sche Struk­tur auf der Fach­be­reichs­ebe­ne. Abwei­chend von der vor­he­ri­gen Rechts­la­ge muss­te der Dekan gemäß § 91 Abs. 2 Satz 1 HmbHG nicht Mit­glied der Hoch­schu­le sein. Fer­ner wur­den die Rege­lun­gen bezüg­lich der Wahl des Dekans inso­fern geän­dert, als der Dekan nach § 91 Abs. 2 Satz 2 Halb­satz 1 HmbHG jetzt vom Prä­si­di­um der Hoch­schu­le aus­ge­wählt und von den Selbst­ver­wal­tungs­gre­mi­en nur noch bestä­tigt wur­de. Für den Fall, dass sich Prä­si­di­um und Selbst­ver­wal­tungs­gre­mi­um nicht eini­gen konn­ten, war in § 91 Abs. 2 Satz 2 Halb­satz 2 HmbHG nor­miert, dass der durch das Gesetz zur Moder­ni­sie­rung des Hoch­schul­we­sens neu geschaf­fe­ne Hoch­schul­rat ent­schied. Gemäß § 91 Abs. 2 Satz 3 HmbHG wur­den die Pro­de­ka­ne auf Vor­schlag des Dekans vom Prä­si­di­um bestellt. Eine wei­te­re Neue­rung bestand dar­in, dass das Prä­si­di­um der Hoch­schu­le die Mit­glie­der des Deka­nats gemäß § 91 Abs. 2 Satz 4 Halb­satz 2 HmbHG nach Anhö­rung des Selbst­ver­wal­tungs­gre­mi­ums abbe­ru­fen konn­te. Nach § 91 Abs. 2 Satz 5 HmbHG konn­ten die Hoch­schu­len jedoch in den Grund­ord­nun­gen von § 91 Abs. 2 Satz 1 bis 4 HmbHG abwei­chen­de Bestim­mun­gen tref­fen, wobei die­se Bestim­mun­gen min­des­tens die Zustim­mung des Prä­si­di­ums zur Wahl von Deka­nin­nen und Deka­nen, Geschäfts­füh­re­rin­nen und Geschäfts­füh­rern vor­se­hen muss­ten.

Das Beru­fungs­ver­fah­ren wur­de umge­stal­tet. Den kör­per­schaft­lich orga­ni­sier­ten Selbst­ver­wal­tungs­ein­hei­ten kam im Unter­schied zu den ursprüng­li­chen Rege­lun­gen des Ham­bur­gi­schen Hoch­schul­ge­set­zes vom 18. Juli 2001 nicht mehr die Zustän­dig­keit für die Auf­stel­lung von Beru­fungs­vor­schlä­gen, son­dern nach der Neu­fas­sung des § 90 Abs. 3 HmbHG nur noch für die Stel­lung­nah­me zu Beru­fungs­vor­schlä­gen zu. Beru­fungs­vor­schlä­ge wur­den nach der Neu­fas­sung von § 14 Abs. 2 HmbHG von in den Hoch­schu­len zu bil­den­den Beru­fungs­aus­schüs­sen auf­ge­stellt. Die­sen gehör­ten unter ande­rem Ver­tre­ter der Pro­fes­so­ren­grup­pe (vgl. § 10 Abs. 1 Nr. 1 HmbHG) an, wel­che über min­des­tens die abso­lu­te Mehr­heit der Sit­ze und Stim­men ver­fü­gen muss­ten. Min­des­tens zwei der Pro­fes­so­ren durf­ten nicht Mit­glie­der der Hoch­schu­le sein. Ihre Benen­nung erfolg­te durch den Prä­si­den­ten, wel­cher bei Bil­dung des Beru­fungs­aus­schus­ses auf der Ebe­ne der Selbst­ver­wal­tungs­ein­hei­ten die­se Auf­ga­be auf die Lei­tungs­or­ga­ne der Selbst­ver­wal­tungs­ein­hei­ten dele­gie­ren konn­te.

Nach der Neu­fas­sung von § 13 Abs. 1 Satz 1 HmbHG wur­den die Hoch­schul­leh­rer nun­mehr vom Prä­si­di­um der Hoch­schu­le beru­fen. Nach Satz 2 der Vor­schrift soll­te bei der Beru­fung „in der Regel nach der vor­ge­schla­ge­nen Rei­hen­fol­ge ver­fah­ren wer­den“.

Das Gesetz zur Fakul­tä­ten­bil­dung an den Ham­bur­ger Hoch­schu­len (Fakul­tä­ten­ge­setz) vom 4. Mai 2005 4 führ­te zu der Fas­sung der §§ 90, 91 HmbHG, die der Beschwer­de­füh­rer mit sei­ner Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­grif­fen hat. Die­se Vor­schrif­ten sind mitt­ler­wei­le zur Ände­rung und Ergän­zung von Ver­wei­sun­gen auf ande­re Vor­schrif­ten mehr­fach geän­dert wor­den 5, ohne dass sich für das Ver­fah­ren wesent­li­che Ände­run­gen erge­ben haben.

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts[↑]

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­schied, dass § 90 Abs. 1 Satz 3, Abs. 4 Satz 2 und 3 sowie Abs. 5 Nr. 1, Nr. 2 1. Alter­na­ti­ve und Nr. 7, § 91 Abs. 2 des Ham­bur­gi­schen Hoch­schul­ge­set­zes vom 18. Juli 2001 6 mit Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG unver­ein­bar sind. Die­se ham­bur­gi­schen Rege­lun­gen über Bestel­lung und Kom­pe­ten­zen des Deka­nats wer­den in ihrem Zusam­men­wir­ken den Anfor­de­run­gen der Wis­sen­schafts­frei­heit nicht gerecht.

Der Schutz­be­reich der Wis­sen­schafts­frei­heit[↑]

Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG ent­hält neben einem indi­vi­du­el­len Frei­heits­recht eine objek­ti­ve, das Ver­hält­nis von Wis­sen­schaft, For­schung und Leh­re zum Staat regeln­de, wert­ent­schei­den­de Grund­satz­norm 7. Die­se Wert­ent­schei­dung schließt das Ein­ste­hen des Staa­tes, der sich als Kul­tur­staat ver­steht, für die Idee einer frei­en Wis­sen­schaft und sei­ne Mit­wir­kung an ihrer Ver­wirk­li­chung ein 8. Der Staat muss danach für funk­ti­ons­fä­hi­ge Insti­tu­tio­nen eines frei­en uni­ver­si­tä­ren Wis­sen­schafts­be­triebs sor­gen und durch geeig­ne­te orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men sicher­stel­len, dass das indi­vi­du­el­le Grund­recht der frei­en wis­sen­schaft­li­chen Betä­ti­gung so weit unan­ge­tas­tet bleibt, wie das unter Berück­sich­ti­gung der ande­ren legi­ti­men Auf­ga­ben der Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen und der Grund­rech­te der ver­schie­de­nen Betei­lig­ten mög­lich ist 9.

Dem ein­zel­nen Trä­ger des Grund­rechts aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG erwächst aus die­ser Wert­ent­schei­dung ein Recht auf sol­che staat­li­chen Maß­nah­men auch orga­ni­sa­to­ri­scher Art, die zum Schutz sei­nes grund­recht­lich gesi­cher­ten Frei­heits­raums uner­läss­lich sind, weil sie ihm freie wis­sen­schaft­li­che Betä­ti­gung über­haupt erst ermög­li­chen. Die­ser Frei­raum ist nicht nur im Inter­es­se der indi­vi­du­el­len Ent­fal­tung des ein­zel­nen Wis­sen­schaft­lers garan­tiert, son­dern auch im Inter­es­se einer dem Wohl des Ein­zel­nen und der Gesell­schaft die­nen­den Wis­sen­schaft. Daher schützt die Wis­sen­schafts­frei­heit nicht vor Beschrän­kun­gen, die für den ein­zel­nen Grund­rechts­trä­ger auf­grund des Zusam­men­wir­kens mit ande­ren Grund­rechts­trä­gern im Wis­sen­schafts­be­trieb unver­meid­bar sind 10.

Wis­sen­schaft ist ein grund­sätz­lich von Fremd­be­stim­mung frei­er Bereich auto­no­mer Ver­ant­wor­tung 11. Zwar ist es Auf­ga­be der Poli­tik, Grund­ent­schei­dun­gen dazu zu tref­fen, wo und in wel­chen Fächern geforscht wer­den soll und hier­bei mit Blick auf die gesell­schaft­li­che Ent­wick­lung auch Schwer­punk­te zu set­zen. Dem Frei­heits­recht liegt jedoch auch der Gedan­ke zugrun­de, dass eine von gesell­schaft­li­chen Nütz­lich­keits- und poli­ti­schen Zweck­mä­ßig­keits­vor­stel­lun­gen freie Wis­sen­schaft Staat und Gesell­schaft im Ergeb­nis am bes­ten dient 12. Den Kern­be­reich wis­sen­schaft­li­cher Betä­ti­gung stel­len die auf wis­sen­schaft­li­cher Eigen­ge­setz­lich­keit beru­hen­den Pro­zes­se, Ver­hal­tens­wei­sen und Ent­schei­dun­gen bei der Suche nach Erkennt­nis­sen, ihrer Deu­tung und Wei­ter­ga­be dar 13. Zur Siche­rung die­ses Bereichs ver­pflich­tet Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG den Staat zu Schutz und För­de­rung und gewährt den in der Wis­sen­schaft Täti­gen Teil­ha­be an öffent­li­chen Res­sour­cen und an der Orga­ni­sa­ti­on des Wis­sen­schafts­be­triebs 14.

Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG for­dert, die Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on und damit auch die hoch­schul­or­ga­ni­sa­to­ri­sche Wil­lens­bil­dung so zu regeln, dass in der Hoch­schu­le freie Wis­sen­schaft mög­lich ist und unge­fähr­det betrie­ben wer­den kann 15. Die Teil­ha­be der Grund­rechts­trä­ger an der Orga­ni­sa­ti­on des Wis­sen­schafts­be­triebs ist dem­nach kein Selbst­zweck. Viel­mehr dient sie dem Schutz vor wis­sen­schafts­i­nad­äqua­ten Ent­schei­dun­gen und ist folg­lich nur im dafür erfor­der­li­chen Umfang grund­recht­lich garan­tiert. Die Garan­tie ist für jeden Wis­sen­schaft­ler auf sol­che hoch­schul­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ent­schei­dun­gen beschränkt, die sei­ne eige­ne Frei­heit, zu for­schen und zu leh­ren, gefähr­den kön­nen 16.

Bei der ver­fas­sungs­recht­li­chen Prü­fung der Ver­ein­bar­keit von Orga­ni­sa­ti­ons­nor­men mit Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG ist dar­auf abzu­stel­len, ob durch die­se Nor­men die freie wis­sen­schaft­li­che Betä­ti­gung und Auf­ga­ben­er­fül­lung struk­tu­rell gefähr­det wer­den 17. Ent­schei­dun­gen, die im Ein­zel­fall die Wis­sen­schafts­frei­heit ver­let­zen, las­sen sich durch Orga­ni­sa­ti­ons­nor­men aller­dings nie völ­lig aus­schlie­ßen 18. Dage­gen ist der jewei­li­ge Grund­rechts­trä­ger jedoch durch die Mög­lich­keit recht­li­cher Gegen­maß­nah­men geschützt. Zur Klä­rung der Fra­ge, ob eine Rege­lung Struk­tu­ren schafft, die sich gefähr­dend aus­wir­ken kön­nen, ist das hoch­schul­or­ga­ni­sa­to­ri­sche Gesamt­ge­fü­ge mit sei­nen unter­schied­li­chen Ein­fluss- und Kon­troll­mög­lich­kei­ten in den Blick zu neh­men 17.

Solan­ge der Gesetz­ge­ber ein in die­sem Sin­ne hin­rei­chen­des Maß an orga­ni­sa­to­ri­scher Selbst­be­stim­mung der Grund­rechts­trä­ger sicher­stellt, ist er frei, den Wis­sen­schafts­be­trieb nach sei­nem Ermes­sen zu regeln, um die unter­schied­li­chen Auf­ga­ben der Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen und die Inter­es­sen aller dar­an Betei­lig­ten in Wahr­neh­mung sei­ner gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung in ange­mes­se­nen Aus­gleich zu brin­gen 19. Er ist dabei nicht an über­kom­me­ne hoch­schul­or­ga­ni­sa­to­ri­sche Struk­tu­ren gebun­den. Er darf neue Model­le und Steue­rungs­tech­ni­ken ent­wi­ckeln und erpro­ben und ist sogar ver­pflich­tet, bis­he­ri­ge Orga­ni­sa­ti­ons­for­men zu beob­ach­ten und zeit­ge­mäß zu refor­mie­ren 20. Ihm ste­hen dabei gera­de hin­sicht­lich der Eig­nung neu­er Orga­ni­sa­ti­ons­for­men ein Ein­schät­zungs- und Pro­gno­se­spiel­raum zu 21.

Der Gesetz­ge­ber darf ins­be­son­de­re die Art und Wei­se der Betei­li­gung der Grund­rechts­trä­ger frei gestal­ten, solan­ge die orga­ni­sa­to­ri­schen Struk­tu­ren die freie Leh­re und For­schung hin­rei­chend gewähr­leis­ten 22. Die zur Siche­rung der Wis­sen­schafts­ad­äquanz von hoch­schul­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ent­schei­dun­gen gebo­te­ne Teil­ha­be der wis­sen­schaft­lich Täti­gen muss dabei zwar nicht in jedem Fall im Sin­ne der her­kömm­li­chen Selbst­ver­wal­tung erfol­gen. Die Siche­rung der Wis­sen­schafts­frei­heit durch orga­ni­sa­to­ri­sche Rege­lun­gen ver­langt aber, dass die Trä­ger der Wis­sen­schafts­frei­heit durch ihre Ver­tre­ter in Hoch­schul­or­ga­nen Gefähr­dun­gen der Wis­sen­schafts­frei­heit abweh­ren und ihre fach­li­che Kom­pe­tenz zur Ver­wirk­li­chung der Wis­sen­schafts­frei­heit in die Uni­ver­si­tät ein­brin­gen kön­nen. Der Gesetz­ge­ber muss daher ein hin­rei­chen­des Niveau der Par­ti­zi­pa­ti­on der Grund­rechts­trä­ger gewähr­leis­ten.

Die Fra­ge, ob das vom Gesetz­ge­ber aus­ge­stal­te­te hoch­schul­or­ga­ni­sa­to­ri­sche Gesamt­ge­fü­ge den in der Wis­sen­schaft Täti­gen in die­sem Sin­ne aus­rei­chend Ein­fluss- und Kon­troll­mög­lich­kei­ten ein­räumt und damit die Wis­sen­schafts­ad­äquanz von hoch­schul­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ent­schei­dun­gen in der durch Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG gebo­te­nen Wei­se sichert, hängt von einer Gesamt­wür­di­gung ab. Auch wenn die ein­zel­nen Kom­pe­ten­zen von Lei­tungs­or­ga­nen für sich genom­men noch als ver­fas­sungs­ge­mäß beur­teilt wer­den kön­nen und der Ein­fluss der Hoch­schul­leh­rer auf die Krea­ti­on der Lei­tungs­or­ga­ne gesi­chert ist, kann das orga­ni­sa­to­ri­sche Gesamt­ge­fü­ge ins­ge­samt ver­fas­sungs­wid­rig sein. Dies ist ins­be­son­de­re dann der Fall, wenn dem Lei­tungs­or­gan sub­stan­ti­el­le per­so­nel­le und sach­li­che Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se im wis­sen­schafts­re­le­van­ten Bereich zuge­wie­sen wer­den, dem mit Hoch­schul­leh­rern besetz­ten Gre­mi­um im Ver­hält­nis hier­zu jedoch kaum Kom­pe­ten­zen und auch kei­ne maß­geb­li­chen Mit­wir­kungs- und Kon­troll­rech­te ver­blei­ben. Der Gesetz­ge­ber ist zwar nicht gehin­dert, dem Lei­tungs­or­gan umfang­rei­che Kom­pe­ten­zen auch in Berei­chen mit Wis­sen­schafts­be­zug ein­zu­räu­men 23. Je stär­ker jedoch der Gesetz­ge­ber das Lei­tungs­or­gan mit Kom­pe­ten­zen aus­stat­tet, des­to stär­ker muss er im Gegen­zug die direk­ten oder indi­rek­ten Mitwirkungs‑, Einfluss‑, Infor­ma­ti­ons- und Kon­troll­rech­te der Kol­le­gi­al­or­ga­ne aus­ge­stal­ten, damit Gefah­ren für die Frei­heit von Leh­re und For­schung ver­mie­den wer­den.

Die ham­bur­gi­schen Rege­lun­gen und die Wis­sen­schafts­frei­heit[↑]

Die zuläs­sig ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen genü­gen nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts die­sen ver­fas­sungs­recht­li­chen Maß­stä­ben nicht in vol­lem Umfang.

Aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG folgt für die Ver­fas­sung der Selbst­ver­wal­tung von Hoch­schu­len zwar kein grund­sätz­li­cher Vor­rang von kol­le­gia­len Ver­tre­tungs­or­ga­nen gegen­über Lei­tungs­or­ga­nen 24. Ange­le­gen­hei­ten, die der Selbst­be­stim­mung der Grund­rechts­trä­ger unter­lie­gen, dür­fen ohne­hin weder Ver­tre­tungs­or­ga­nen noch Lei­tungs­or­ga­nen zur Ent­schei­dung zuge­wie­sen wer­den 25. In wis­sen­schafts­re­le­van­ten Ange­le­gen­hei­ten ist eine Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz von Lei­tungs­or­ga­nen zuläs­sig, solan­ge deren Tätig­keit inhalt­lich begrenzt und orga­ni­sa­to­risch so abge­si­chert ist, dass eine struk­tu­rel­le Gefähr­dung der Wis­sen­schafts­frei­heit aus­schei­det 24. Das ist im hier ange­grif­fe­nen Gesetz nicht aus­rei­chend gesche­hen. Dem Deka­nat sind umfang­rei­che Befug­nis­se zur Steue­rung von Leh­re und For­schung über­tra­gen wor­den, die nicht aus­rei­chend durch Mit­wir­kungs- und Kon­troll­rech­te kom­pen­siert wer­den.

Kei­ne Beden­ken bestehen aller­dings gegen sol­che Kom­pe­ten­zen des Deka­nats, bei denen die­ses in wei­tem Umfang recht­li­che Vor­ga­ben und Beschlüs­se von Kol­le­gi­al­or­ga­nen voll­zieht.

Danach ist die Kom­pe­tenz des Deka­nats zur Erstel­lung von Vor­schlä­gen für die Gewäh­rung von Leis­tungs­be­zü­gen an Pro­fes­so­ren gemäß § 90 Abs. 5 Nr. 3 HmbHG ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich.

Da die Auf­ga­be des Deka­nats nach § 90 Abs. 5 Nr. 3 HmbHG ledig­lich dar­in besteht, Vor­schlä­ge für die leis­tungs­ori­en­tier­te Ver­tei­lung der Leis­tungs­be­zü­ge zu erstel­len und die­se Vor­schlä­ge gegen­über dem Prä­si­di­um der Hoch­schu­le kei­ne bin­den­de Wir­kung ent­fal­ten, ist schon frag­lich, ob der Beschwer­de­füh­rer dadurch über­haupt unmit­tel­bar in sei­nem Grund­recht auf Wis­sen­schafts­frei­heit berührt ist.

Jeden­falls hat der ham­bur­gi­sche Gesetz­ge­ber die Kri­te­ri­en für die neben dem Grund­ge­halt zu ver­ge­ben­den varia­blen Leis­tungs­be­zü­ge im Ham­bur­gi­schen Besol­dungs­ge­setz 26 vom 26. Janu­ar 2010 27 dif­fe­ren­ziert gere­gelt. Danach kön­nen bei den für Hoch­schul­leh­rer ein­schlä­gi­gen Besol­dungs­grup­pen W 2 und W 3 varia­ble Leis­tungs­be­zü­ge aus Anlass von Beru­fungs- und Blei­be­ver­hand­lun­gen, für beson­de­re Leis­tun­gen in For­schung, Leh­re, Kunst, Wei­ter­bil­dung und Nach­wuchs­för­de­rung sowie für die Wahr­neh­mung von Funk­tio­nen in der Hoch­schul­lei­tung sowie in der Fakul­täts­lei­tung ver­ge­ben wer­den 28. Die Moda­li­tä­ten und Kri­te­ri­en der varia­blen Leis­tungs­zu­wei­sun­gen für beson­de­re Leis­tun­gen in For­schung, Leh­re, Kunst, Wei­ter­bil­dung und Nach­wuchs­för­de­rung 29 wer­den in § 34 Hmb­BesG nor­miert. Die in § 90 Abs. 5 Nr. 3 HmbHG nor­mier­te Kom­pe­tenz des Deka­nats ist mit­hin nicht nur dadurch ein­ge­schränkt, dass ihm ledig­lich das Recht zur Erstel­lung von nicht bin­den­den Vor­schlä­gen zukommt, son­dern dane­ben durch einen eine Viel­zahl von Kri­te­ri­en ent­hal­ten­den Kata­log. Hin­zu kommt, dass die §§ 36 und 37 Hmb­BesG eben­so dif­fe­ren­zier­te Rege­lun­gen bezüg­lich der Höhe der Leis­tungs­be­zü­ge und des Ver­ga­be­rah­mens ent­hal­ten. Soweit in Kon­kre­ti­sie­rung die­ser Rege­lun­gen, die den Bedin­gun­gen der jewei­li­gen Fächer Rech­nung tra­gen muss, mit Blick auf die Wis­sen­schafts­frei­heit unver­ein­ba­re Kri­te­ri­en zugrun­de gelegt wer­den, haben die Betrof­fe­nen zunächst Rechts­schutz vor den Fach­ge­rich­ten zu suchen.

Die Kom­pe­tenz des Deka­nats zur Ent­schei­dung über Lehr­ver­pflich­tun­gen nach § 90 Abs. 5 Nr. 4 HmbHG begeg­net, weil sie von ande­ren Rege­lun­gen des Hoch­schul­ge­set­zes wis­sen­schafts­si­chernd beglei­tet wird, bei ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung eben­falls kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken.

Zwar ist die Auf­stel­lung, Abstim­mung und Pla­nung von Lehr­pro­gram­men und des Lehr­an­ge­bots sowie die orga­ni­sa­to­ri­sche Betreu­ung und Siche­rung der Durch­füh­rung von Lehr­ver­an­stal­tun­gen wis­sen­schafts­re­le­vant 30. Vor­schrif­ten, die die für einen ord­nungs­ge­mä­ßen und voll­stän­di­gen Lehr­be­trieb erfor­der­li­che Abstim­mung inner­halb des Fach­be­reichs sicher­stel­len sol­len, ste­hen der Wis­sen­schafts­frei­heit jedoch nicht ent­ge­gen 31. Denn sie ver­lei­hen zusam­men mit ande­ren Bestim­mun­gen des Geset­zes bei feh­len­dem Kon­sens kei­ne Befug­nis zum Ein­griff in das von Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG geschütz­te Recht auf Äuße­rung von wis­sen­schaft­li­chen Lehr­mei­nun­gen sowie zur Selbst­be­stim­mung über Inhalt, Ablauf und metho­di­schen Ansatz der Lehr­ver­an­stal­tung.

Nach § 12 Abs. 1 HmbHG neh­men Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren die ihrer Hoch­schu­le jeweils oblie­gen­den Auf­ga­ben in Wis­sen­schaft und Kunst, For­schung und Leh­re in ihren Fächern nach nähe­rer Aus­ge­stal­tung ihres Dienst­ver­hält­nis­ses selb­stän­dig wahr. Gemäß § 12 Abs. 2 Satz 1 HmbHG sind sie im Rah­men der für ihr Dienst­ver­hält­nis gel­ten­den Rege­lun­gen ver­pflich­tet, Lehr­ver­an­stal­tun­gen ihrer Fächer in allen grund­stän­di­gen und post­gra­dua­len Stu­di­en­gän­gen sowie im wei­ter­bil­den­den Stu­di­um abzu­hal­ten und die zur Sicher­stel­lung des Lehr­an­ge­bots gefass­ten Beschlüs­se der Hoch­schul­or­ga­ne zu ver­wirk­li­chen. Die auf­grund der Kom­pe­tenz des § 90 Abs. 5 Nr. 4 HmbHG getrof­fe­nen Ent­schei­dun­gen müs­sen sich dem­nach an die das Dienst­ver­hält­nis des Hoch­schul­leh­rers kon­sti­tu­ie­ren­den Rege­lun­gen hal­ten; etwai­ge Ent­schei­dun­gen im Ein­zel­fall kön­nen gericht­lich dar­auf­hin über­prüft wer­den, ob die­se Gren­zen ein­ge­hal­ten sind 32.

Zudem müs­sen nach § 12 Abs. 2 Satz 1 HmbHG die vom Deka­nat gefass­ten Beschlüs­se über Lehr­ver­pflich­tun­gen der Sicher­stel­lung des Lehr­an­ge­bots die­nen. Soweit die selb­stän­di­ge Abhal­tung von Lehr­ver­an­stal­tun­gen zu den dienst­li­chen Auf­ga­ben von Ange­hö­ri­gen des wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nals gehört, ist die Frei­heit der Leh­re in § 11 Abs. 1 HmbHG des Wei­te­ren aus­drück­lich gewähr­leis­tet. § 11 Abs. 1 Satz 2 HmbHG stellt dar­über hin­aus klar, dass Ent­schei­dun­gen der zustän­di­gen Hoch­schul­or­ga­ne in Fra­gen der Leh­re nur inso­weit zuläs­sig sind, als sie sich auf die Orga­ni­sa­ti­on des Lehr­be­triebs, die Auf­stel­lung und Ein­hal­tung von Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen und die Bewer­tung der Leh­re bezie­hen. Damit wird dem Deka­nat auch nicht die Kom­pe­tenz zuge­wie­sen, in sub­stan­ti­el­lem Aus­maß über den Umfang des – lan­des­recht­lich oder ver­trag­lich fest­ge­leg­ten – Lehr­de­pu­tats der am Fach­be­reich täti­gen Wis­sen­schaft­ler zu ent­schei­den. Damit ist sicher­ge­stellt, dass die in § 90 Abs. 5 Nr. 4 HmbHG ent­hal­te­ne Kom­pe­tenz in ers­ter Linie der Koor­di­na­ti­on des Lehr­an­ge­bots dient und nicht dazu genutzt wer­den darf, die Frei­heit von For­schung oder Leh­re zu beein­träch­ti­gen. Schließ­lich steht ört­li­chen, zeit­li­chen und sons­ti­gen orga­ni­sa­to­ri­schen Vor­ga­ben, die die Gestal­tung des Inhalts und Ablaufs von Lehr­ver­an­stal­tun­gen unan­ge­tas­tet las­sen, die Ver­fas­sung nicht nur nicht ent­ge­gen; sie sind viel­mehr im Inter­es­se der in Art. 12 Abs. 1 GG garan­tier­ten Stu­dier­frei­heit sogar gebo­ten, ins­be­son­de­re dann, wenn eine frei­wil­li­ge Ver­stän­di­gung der Hoch­schul­leh­rer nicht zustan­de kommt.

Die Kom­pe­tenz des Deka­nats zur Beschluss­fas­sung über Beru­fungs­vor­schlä­ge gemäß § 90 Abs. 5 Nr. 2 2. Alter­na­ti­ve HmbHG und die Aus­ge­stal­tung des Beru­fungs­ver­fah­rens nach den Rege­lun­gen des Ham­bur­gi­schen Hoch­schul­ge­set­zes ver­sto­ßen jeden­falls bei ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung nicht gegen Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG.

An das Beru­fungs­ver­fah­ren der Hoch­schul­leh­rer sind wegen der Bedeu­tung die­ses Vor­gangs für die Struk­tur der Uni­ver­si­tät beson­de­re Anfor­de­run­gen zu stel­len. Das Beru­fungs­ver­fah­ren ist mit der Garan­tie der Wis­sen­schafts­frei­heit beson­ders eng ver­knüpft. Sach­frem­de Ein­flüs­se bei der Aus­wahl der Hoch­schul­leh­rer kön­nen unmit­tel­ba­re Gefah­ren für eine freie Aus­übung von wis­sen­schaft­li­cher Leh­re und For­schung mit sich brin­gen 33. Wie der Gesetz­ge­ber die­se Anfor­de­run­gen erfüllt, unter­liegt aller­dings sei­ner Gestal­tungs­frei­heit 34. Die­se Anfor­de­run­gen sind bei ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung noch gewahrt.

Gemäß § 90 Abs. 5 Nr. 2 2. Alter­na­ti­ve HmbHG beschließt das Deka­nat über die vom Beru­fungs­aus­schuss vor­ge­leg­ten Beru­fungs­vor­schlä­ge. Dem­ge­gen­über steht den Fakul­täts­rä­ten in der Uni­ver­si­tät Ham­burg nach § 91 Abs. 2 Nr. 6 1. Alter­na­ti­ve HmbHG ledig­lich ein Recht zur Stel­lung­nah­me zu Beru­fungs­vor­schlä­gen zu. Der Beschluss­fas­sung gehen jedoch Bera­tun­gen in Beru­fungs­aus­schüs­sen vor­aus. Die Beru­fungs­aus­schüs­se wer­den in der Uni­ver­si­tät Ham­burg gemäß § 14 Abs. 2 Satz 4 Halb­satz 1 HmbHG von der Fakul­tät gebil­det, in denen die Pro­fes­so­ren gemäß § 14 Abs. 2 Satz 3 Halb­satz 1 HmbHG min­des­tens über die abso­lu­te Mehr­heit der Sit­ze und Stim­men ver­fü­gen. Aller­dings dür­fen min­des­tens zwei Pro­fes­so­ren im Beru­fungs­aus­schuss, die vom Prä­si­den­ten benannt wer­den, nicht Mit­glie­der der Hoch­schu­le sein 35. Nach § 14 Abs. 2 Satz 4 Halb­satz 2 HmbHG, der inso­weit § 90 Abs. 5 Nr. 2 2. Alter­na­ti­ve HmbHG wie­der­holt, ent­schei­det das Deka­nat über den vom Beru­fungs­aus­schuss vor­ge­leg­ten Beru­fungs­vor­schlag und lei­tet ihn an das Prä­si­di­um wei­ter. Die Beru­fungs­aus­schüs­se, die nach § 14 Abs. 2 Satz 4 Halb­satz 1 HmbHG von der Fakul­tät gebil­det wer­den, kön­nen auch allein vom Deka­nat gebil­det wer­den und das Hoch­schul­ge­setz geht hier­von sogar als Regel aus. Aller­dings kann die Fakul­täts­sat­zung nach § 91 Abs. 3 Halb­satz 1 HmbHG bestim­men, dass der Fakul­täts­rat die Beru­fungs­aus­schüs­se ein­setzt. Über die Fakul­täts­sat­zung ent­schei­det gemäß § 91 Abs. 2 Nr. 4 in Ver­bin­dung mit § 92 Abs. 1 Satz 1 Halb­satz 2 HmbHG der Fakul­täts­rat. Gemäß § 13 Abs. 1 Satz 1 HmbHG wer­den die Hoch­schul­leh­rer schließ­lich vom Prä­si­di­um der Hoch­schu­le beru­fen. Dabei soll gemäß § 13 Abs. 1 Satz 2 HmbHG in der Regel nach der vor­ge­schla­ge­nen Rei­hen­fol­ge ver­fah­ren wer­den.

Der Fakul­täts­rat, in dem die Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer gemäß § 91 Abs. 1 HmbHG über die abso­lu­te Mehr­heit der Sit­ze und Stim­men ver­fügt, hat es dem­ge­mäß selbst in der Hand, in der von ihm zu beschlie­ßen­den Fakul­täts­sat­zung zu bestim­men, dass die die Beru­fungs­vor­schlä­ge vor­be­rei­ten­den Beru­fungs­aus­schüs­se vom Fakul­täts­rat und nicht vom Deka­nat ein­ge­setzt wer­den. Wie im Fakul­täts­rat, so ist auch in den Beru­fungs­aus­schüs­sen die abso­lu­te Mehr­heit hin­sicht­lich der Sit­ze und Stim­men der Pro­fes­so­ren gesi­chert 36. Da gegen den Wil­len der Pro­fes­so­ren dem­nach kein Beru­fungs­vor­schlag auf­ge­stellt wer­den kann, ist jeden­falls für die Auf­stel­lung des Beru­fungs­vor­schlags ein aus­schlag­ge­ben­der Ein­fluss der Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer gewähr­leis­tet. Dass dem Beru­fungs­aus­schuss min­des­tens zwei vom Prä­si­den­ten zu bestim­men­de Pro­fes­so­ren ange­hö­ren müs­sen, die nicht Mit­glie­der der Hoch­schu­le sind, und hier­von auch in der Fakul­täts­sat­zung nicht abge­wi­chen wer­den kann 35, ändert hier­an nichts. Zum einen ist es dem Fakul­täts­rat, wie das Wort „min­des­tens“ in § 14 Abs. 2 Satz 3 HmbHG erken­nen lässt, unbe­nom­men, in der Fakul­täts­sat­zung unab­hän­gig von den exter­nen Mit­glie­dern eine Mehr­heit der fakul­täts­an­ge­hö­ri­gen Pro­fes­so­ren im Beru­fungs­aus­schuss sicher­zu­stel­len. Zum ande­ren ist die Erwä­gung des Gesetz­ge­bers, die wis­sen­schaft­li­che Plu­ra­li­tät der Ent­schei­dungs­trä­ger und die Qua­li­tät der Aus­wahl­ent­schei­dun­gen durch die Betei­li­gung exter­ner Pro­fes­so­ren zu ver­bes­sern, nicht zu bean­stan­den 37.

Das Deka­nat ent­schei­det zwar über die Beru­fungs­vor­schlä­ge, ohne for­mal an den vom Beru­fungs­aus­schuss auf­ge­stell­ten Beru­fungs­vor­schlag gebun­den zu sein 38. Weicht das Deka­nat, des­sen Dekan und Geschäfts­füh­rer nach § 90 Abs. 3 Satz 2 HmbHG vor ihrer Bestel­lung nicht Mit­glie­der der Hoch­schu­le und damit auch nicht Ange­hö­ri­ge der Fakul­tät sein müs­sen, vom Beru­fungs­vor­schlag des Beru­fungs­aus­schus­ses ab, könn­te hier­in eine Durch­bre­chung der fach­li­chen Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve der betrof­fe­nen Fakul­täts­mit­glie­der lie­gen 39. Bei ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung, die auch der uni­ver­si­tä­ren Pra­xis ent­spricht, wie sich aus der Stel­lung­nah­me der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg ergibt, wird das Deka­nat jedoch nur in beson­ders begrün­de­ten Aus­nah­me­fäl­len vom Vor­schlag des Beru­fungs­aus­schus­ses abwei­chen dür­fen. Dem zur end­gül­ti­gen Ent­schei­dung über die Beru­fung beru­fe­nen Prä­si­di­um wer­den außer­dem in einem sol­chen Fall sowohl der Vor­schlag des Beru­fungs­aus­schus­ses als auch der abwei­chen­de Vor­schlag des Deka­nats vor­lie­gen, so dass auch in die­sem Fall ein sub­stan­ti­el­ler Ein­fluss des fach­lich qua­li­fi­zier­ten Beru­fungs­aus­schus­ses auf die Ent­schei­dung des Prä­si­di­ums gesi­chert ist. Dem abwei­chen­den Votum des Deka­nats kommt damit die Rol­le eines Vor­schlags an das Prä­si­di­um zu, von sei­nem Recht, in Aus­nah­me­fäl­len von der Lis­te abzu­wei­chen, Gebrauch zu machen. Die gesetz­li­che Vor­ga­be, dass in der Regel nach der vor­ge­schla­ge­nen Rei­hen­fol­ge ver­fah­ren wer­den soll 40, ver­langt dabei eine Berück­sich­ti­gung nicht nur des Deka­nats­vor­schlags, son­dern auch des Beru­fungs­aus­schuss­vo­tums bei der end­gül­ti­gen Ent­schei­dung durch das Prä­si­di­um.

Dem­ge­gen­über sind die Kom­pe­ten­zen des Deka­nats, die der Fakul­tät vom Prä­si­di­um zuge­wie­se­nen Haus­halts­mit­tel zu bewirt­schaf­ten, über die Zuord­nung von Stel­len inner­halb der Fakul­tät zu ent­schei­den 41 und die zukünf­ti­ge Ver­wen­dung der Stel­le bei frei­en oder frei wer­den­den Pro­fes­su­ren und Juni­or­pro­fes­su­ren nach § 14 Abs. 1 HmbHG auf der Grund­la­ge des Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plans der Hoch­schu­le zu über­prü­fen 42, in Ver­bin­dung mit der sub­si­diä­ren Auf­fang­zu­stän­dig­keit des Deka­nats nach § 90 Abs. 5 Nr. 7 HmbHG nicht mit der Wis­sen­schafts­frei­heit ver­ein­bar, da sie nicht hin­rei­chend inhalt­lich begrenzt und orga­ni­sa­to­risch abge­si­chert sind.

Die Zuwei­sung von Mit­teln und die Zuord­nung von Stel­len sind wis­sen­schafts­re­le­vant 30. Das glei­che gilt für die Über­prü­fung der zukünf­ti­gen Ver­wen­dung der Stel­le bei frei­en oder frei wer­den­den Pro­fes­su­ren und Juni­or­pro­fes­su­ren 30.

Dass dem Deka­nat über­haupt die Kom­pe­tenz zur Ver­tei­lung der Mit­tel und der Zuord­nung von Stel­len wie auch die Ent­schei­dung über die Ver­wen­dung frei wer­den­der Stel­len zusteht, ist im Aus­gangs­punkt nicht zu bean­stan­den. Die­se Befug­nis­se sind als exe­ku­ti­ve Auf­ga­ben in zuläs­si­ger Wei­se der Fach­be­reichs­lei­tung zuge­ord­net. Auch Allo­ka­ti­ons­ent­schei­dun­gen, die von Kol­le­gi­al­or­ga­nen getrof­fen wer­den, die wie­der­um über­wie­gend mit von die­sen Ent­schei­dun­gen betrof­fe­nen Hoch­schul­leh­rern besetzt sind, kön­nen jedoch wegen feh­len­der kla­rer per­so­na­ler Ver­ant­wor­tungs­zu­wei­sung und man­geln­der Distanz zum Ent­schei­dungs­ge­gen­stand zu einer Gefähr­dung frei­er Wis­sen­schaft füh­ren 43. Wegen ihres Poten­ti­als zur Steue­rung von For­schung und Leh­re mit Aus­wir­kun­gen auf die Wis­sen­schafts­frei­heit der Hoch­schul­leh­rer, ins­be­son­de­re wenn die Mit­tel­ver­ga­be von wis­sen­schafts­i­nad­äqua­ten Kri­te­ri­en bestimmt wird 44, sind die­se umfas­sen­den Kom­pe­ten­zen jedoch nur dann mit Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG ver­ein­bar, wenn sie hin­rei­chend kon­trol­liert und umgrenzt sind.

Die Kom­pe­tenz des Deka­nats aus § 90 Abs. 5 Nr. 1 HmbHG ist ein­ge­bun­den in die all­ge­mei­nen haus­halts­recht­li­chen Bestim­mun­gen und begrenzt durch die Gesamt­ver­ant­wor­tung des Kanz­lers als Beauf­trag­ten für den Haus­halt 45 und die vom Hoch­schul­rat nach § 84 Abs. 1 Nr. 5 HmbHG zu beschlie­ßen­den Grund­sät­ze für die Aus­stat­tung und die Mit­tel­ver­tei­lung. Eine wei­te­re Begren­zung ergibt sich aus der Garan­tie der Frei­heit von For­schung und Leh­re in § 11 HmbHG, die dem ein­zel­nen Hoch­schul­leh­rer einen Anspruch auf Gewäh­rung der zur Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben in Leh­re und For­schung bereit­zu­stel­len­den Grund- und Min­dest­aus­stat­tung ver­mit­telt. Bei der nach § 90 Abs. 5 Nr. 1 HmbHG erfol­gen­den Ver­tei­lung der der Fakul­tät vom Prä­si­di­um zuge­wie­se­nen Mit­tel müs­sen des­halb jeden­falls die­je­ni­gen Per­so­nal- und Sach­mit­tel zuge­wie­sen wer­den, die es dem Hoch­schul­leh­rer über­haupt erst ermög­li­chen, wis­sen­schaft­li­che For­schung und Leh­re zu betrei­ben 46. Auch ist das Deka­nat an ver­bind­li­che Zusa­gen von Res­sour­cen in Beru­fungs- und Blei­be­ver­hand­lun­gen gebun­den.

Grund­la­ge der nach § 90 Abs. 5 Nr. 2 1. Alter­na­ti­ve HmbHG zu tref­fen­den Über­prü­fung ist der Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan der Hoch­schu­le. Die­ser wird gemäß § 84 Abs. 1 Nr. 4 HmbHG vom Hoch­schul­rat beschlos­sen, wäh­rend dem mehr­heit­lich mit Hoch­schul­leh­rern besetz­ten Hoch­schul­se­nat 47 nach § 85 Abs. 1 Nr. 5 HmbHG ledig­lich ein Recht zur Stel­lung­nah­me zum Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan zukommt.

Trotz die­ser die Kom­pe­ten­zen aus § 90 Abs. 5 Nr. 1 und § 90 Abs. 5 Nr. 2 1. Alter­na­ti­ve HmbHG ein­gren­zen­den Vor­ga­ben ver­bleibt dem Deka­nat jedoch ein ganz erheb­li­cher Ein­fluss auf die Gestal­tung von Leh­re und For­schung durch die Allo­ka­ti­on von Mit­teln und Stel­len und die Ent­schei­dung über die Stel­len­ver­wen­dung.

Hin­zu kommt die Auf­fang­zu­stän­dig­keit des Deka­nats nach § 90 Abs. 5 Nr. 7 HmbHG. Eine der­ar­ti­ge sub­si­diä­re Zustän­dig­keit ist grund­sätz­lich zuläs­sig 48. Zu einer Zuwei­sung aller die Fakul­tät mög­li­cher­wei­se betref­fen­der The­men­be­rei­che im Ein­zel­nen ist der Gesetz­ge­ber auf­grund der Viel­falt jener Berei­che weder in der Lage noch wäre eine der­art kasu­is­ti­sche Rege­lung prak­ti­ka­bel. Auch begeg­net es ange­sichts des Gestal­tungs­spiel­raums des Gesetz­ge­bers grund­sätz­lich kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken, dass der Gesetz­ge­ber die Auf­fang­zu­stän­dig­keit dem Lei­tungs­or­gan und nicht dem Kol­le­gi­al­or­gan zuweist. Bedenk­lich und ent­schei­dend ist aber, dass dem Fakul­täts­rat nach den Rege­lun­gen des Hoch­schul­ge­set­zes im Übri­gen kaum noch sub­stan­ti­el­le Ent­schei­dungs­kom­pe­ten­zen ver­blei­ben. Das Sat­zungs­recht des Fakul­täts­rats ist auf weni­ge Berei­che wie Hoch­schul­prü­fungs- und Stu­di­en­ord­nun­gen oder das Hoch­schul­aus­wahl­ver­fah­ren beschränkt. Dage­gen müs­sen sich Ent­schei­dun­gen über die Ein­rich­tung, Ände­rung und Auf­he­bung von Stu­di­en­gän­gen im Rah­men des von den Hoch­schul­leh­rern kaum beein­fluss­ba­ren Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plans hal­ten. Über Beru­fungs­vor­schlä­ge kann der Fakul­täts­rat nicht ent­schei­den, son­dern dazu nur Stel­lung neh­men. Dem Fakul­täts­rat ste­hen im Ver­gleich zur Fül­le der dem Deka­nat zuge­wie­se­nen Kom­pe­ten­zen, die sich zudem über­wie­gend auf wis­sen­schafts­re­le­van­te Berei­che bezie­hen, nach den Rege­lun­gen des Ham­bur­gi­schen Hoch­schul­ge­set­zes dem­nach kaum noch sub­stan­ti­el­le Kom­pe­ten­zen zu.

Die­se weit­rei­chen­den Steue­rungs­mög­lich­kei­ten des Deka­nats wer­den nicht hin­rei­chend durch direk­te oder indi­rek­te Mitwirkungs‑, Einfluss‑, Infor­ma­ti­ons- und Kon­troll­rech­te des Fakul­täts­rats als kol­le­gia­lem Ver­tre­tungs­or­gan der Grund­rechts­trä­ger in den §§ 90, 91 HmbHG kom­pen­siert.

Ins­be­son­de­re fehlt dem Fakul­täts­rat ein Recht zur Mit­wir­kung an der Struk­tur- und Ent­wick­lungs­pla­nung. Es ist gesetz­lich nicht vor­ge­se­hen, dass der Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan der Hoch­schu­le aus den Fach­be­rei­chen her­aus ent­wi­ckelt wird, auch wenn dies der tat­säch­li­chen Pra­xis ent­spre­chen dürf­te. Auf der Zen­tral­ebe­ne der Hoch­schu­le ist die Mit­wir­kung der Hoch­schul­leh­rer gleich­falls begrenzt.

Der Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan der Hoch­schu­le wird viel­mehr gemäß § 84 Abs. 1 Nr. 4 HmbHG vom Hoch­schul­rat beschlos­sen, wäh­rend dem mehr­heit­lich mit Hoch­schul­leh­rern besetz­ten Hoch­schul­se­nat (§ 85 Abs. 3 Satz 2 HmbHG) nach § 85 Abs. 1 Nr. 5 HmbHG ledig­lich ein Recht zur Stel­lung­nah­me zum Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plan zukommt. Der Ein­fluss der Hoch­schul­leh­rer im Hoch­schul­rat ist hin­ge­gen stark begrenzt. Von den ins­ge­samt neun Mit­glie­dern des Hoch­schul­rats in der Uni­ver­si­tät Ham­burg (§ 84 Abs. 3 Satz 1 HmbHG) wer­den nur vier Mit­glie­der vom Hoch­schul­se­nat bestimmt, wohin­ge­gen wei­te­re vier Mit­glie­der vom Senat der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg bestimmt wer­den (§ 84 Abs. 3 Satz 2 HmbHG). Fer­ner dür­fen die vom Hoch­schul­se­nat bestimm­ten Mit­glie­der gemäß § 84 Abs. 4 Satz 2 HmbHG nur zur Hälf­te der Hoch­schu­le ange­hö­ren. Bedenkt man des Wei­te­ren, dass die einer Fakul­tät ange­hö­ren­den Hoch­schul­leh­rer nicht zwin­gend im Hoch­schul­se­nat ver­tre­ten sein müs­sen (§ 85 Abs. 3 Satz 1 HmbHG), hat die ein­zel­ne Fakul­tät recht­lich kei­ne Mög­lich­keit, auf die Gestal­tung des Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plans ein­zu­wir­ken. Zudem bleibt der Fakul­täts­rat gegen­über der Kom­pe­tenz des Deka­nats aus § 90 Abs. 5 Nr. 2 1. Alter­na­ti­ve HmbHG dar­auf beschränkt, Stel­lung­nah­men abzu­ge­ben, die das Deka­nat nicht bin­den (§ 91 Abs. 2 Nr. 9 HmbHG). Selbst eine mit­tel­ba­re Ein­fluss­nah­me des Fakul­täts­rats, die sich mög­li­cher­wei­se über des­sen Kom­pe­tenz zu Ent­schei­dun­gen über die Ein­rich­tung, Ände­rung und Auf­he­bung von Stu­di­en­gän­gen (§ 91 Abs. 2 Nr. 3 HmbHG) rea­li­sie­ren könn­te, ist aus­ge­schlos­sen, da sich die­se Ent­schei­dun­gen, wie § 91 Abs. 2 Nr. 3 HmbHG klar­stellt, „im Rah­men des Struk­tur- und Ent­wick­lungs­plans der Hoch­schu­le“ hal­ten müs­sen.

Als Kon­troll­mög­lich­keit des Fakul­täts­ra­tes sieht das Gesetz ledig­lich eine nicht näher kon­kre­ti­sier­te „Kon­trol­le des Deka­nats“ (§ 91 Abs. 2 Nr. 8 2. Alter­na­ti­ve HmbHG) sowie ein Recht zur „Stel­lung­nah­me zu allen Ange­le­gen­hei­ten der Fakul­tät“ (§ 91 Abs. 2 Nr. 9 HmbHG) vor. Nach dem Auf­ga­ben­ka­ta­log in § 91 Abs. 2 HmbHG steht dem Fakul­täts­rat jedoch nicht ein­mal ein die sinn­vol­le und wirk­sa­me Aus­übung des Kon­troll­rechts ermög­li­chen­des umfas­sen­des Infor­ma­ti­ons­recht gegen­über dem Deka­nat zu. Dass sich ein sol­ches Infor­ma­ti­ons­recht, wie die Freie und Han­se­stadt Ham­burg in ihrer Stel­lung­nah­me meint, „als not­wen­di­ger Annex zur Auf­ga­be des Fakul­täts­rats zur Kon­trol­le des Deka­nats aus § 91 Abs. 2 Nr. 8 HmbHG und dem Recht des Fakul­täts­rats zur umfas­sen­den Stel­lung­nah­me in allen Ange­le­gen­hei­ten der Fakul­tät nach § 91 Abs. 2 Nr. 9 HmbHG“ ergibt, lässt sich dem Gesetz schon vom Grund­satz her nicht ent­neh­men. Im Übri­gen fehlt es dies­be­züg­lich an jeder ver­fah­rens­recht­li­chen Umset­zung.

Die­ses Ungleich­ge­wicht im Ver­hält­nis von Lei­tungs­or­gan und Kol­le­gi­al­or­gan wird auch nicht durch die Mög­lich­keit einer wir­kungs­vol­len Ein­fluss­nah­me auf die Zusam­men­set­zung des Deka­nats aus­ge­gli­chen.

Der Fakul­täts­rat hat nach dem Ham­bur­gi­schen Hoch­schul­ge­setz nur ein beschränk­tes Mit­wir­kungs­recht bei der Wahl des Dekans.

Dem Fakul­täts­rat steht das Recht zur Wahl des Dekans jeden­falls nach der gesetz­li­chen Rege­lung (§ 90 Abs. 1 Satz 3 HmbHG) nicht zu; er hat den vom Prä­si­di­um aus­ge­wähl­ten Dekan ledig­lich zu bestä­ti­gen. Zudem ist das Recht des Prä­si­di­ums zur Aus­wahl des vom Fakul­täts­rat zu bestä­ti­gen­den Dekans nicht wie nach § 73 Abs. 1 Satz 1 Bran­den­bur­gi­sches Hoch­schul­ge­setz auf die fach­be­reichs­an­ge­hö­ri­gen Hoch­schul­leh­rer begrenzt; viel­mehr muss der Dekan nach der inso­weit aus­drück­li­chen Rege­lung in § 90 Abs. 3 Satz 2 HmbHG nicht ein­mal Mit­glied der Hoch­schu­le gewe­sen sein, so dass nicht gewähr­leis­tet ist, dass der Dekan aus dem Kreis der der Fakul­tät ange­hö­ren­den Hoch­schul­leh­rer kommt. Zwar ergibt sich aus der Wis­sen­schafts­frei­heit kein Recht der Fakul­tät, die Fakul­täts­lei­tung aus­schließ­lich selbst zu bestim­men 49. Daher ist § 90 Abs. 1 Satz 3 HmbHG, wonach der Dekan vom Prä­si­di­um aus­ge­wählt und vom Fakul­täts­rat ledig­lich bestä­tigt wird, für sich genom­men mit der Wis­sen­schafts­frei­heit noch ver­ein­bar.

Eine ande­re Beur­tei­lung ist aber dann gebo­ten, wenn dem Fakul­täts­rat zuguns­ten des Lei­tungs­or­gans nahe­zu alle wesent­li­chen Kom­pe­ten­zen ent­zo­gen sind. In die­sem Fall erscheint näm­lich das Wahl­recht des Kol­le­gi­al­or­gans als zen­tra­les und effek­ti­ves Ein­fluss- und Kon­troll­in­stru­ment, wel­ches die Kom­pe­tenz­er­wei­te­run­gen des Lei­tungs­or­gans und den Ent­zug direk­ter Mit­wir­kungs­rech­te bei wis­sen­schafts­re­le­van­ten Ent­schei­dun­gen kom­pen­sie­ren und dadurch die Gewähr­leis­tung frei­er For­schung und Leh­re sichern kann.

Aller­dings stellt das in § 90 Abs. 1 Satz 3 HmbHG nor­mier­te Bestä­ti­gungs­recht des mehr­heit­lich mit Hoch­schul­leh­rern besetz­ten Fakul­täts­rats sicher, dass nie­mand gegen den Wil­len des Fakul­täts­rats zum Dekan bestellt wird. Das Prä­si­di­um ist mit­hin nicht in der Lage, eine Per­son zum Dekan zu ernen­nen, die das Ver­trau­en des Fakul­täts­rats nicht genießt oder die der Fakul­täts­rat für unge­eig­net hält, die Fakul­tät in einer Art und Wei­se zu lei­ten, dass die Frei­heit von For­schung und Leh­re gewähr­leis­tet ist. Ange­sichts des Gestal­tungs­spiel­raums des Gesetz­ge­bers im Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­ons­recht wird dies den grund­recht­li­chen Anfor­de­run­gen noch gerecht.

Dar­über hin­aus hat der ham­bur­gi­sche Gesetz­ge­ber den Hoch­schu­len in § 90 Abs. 1 Satz 6 HmbHG inso­weit einen Spiel­raum ein­ge­räumt, als das Recht zur Wahl des Dekans und der wei­te­ren Mit­glie­der des Deka­nats in der Grund­ord­nung der Hoch­schu­le auf den Fakul­täts­rat über­tra­gen wer­den kann, wovon die Uni­ver­si­tät Ham­burg in § 6 Abs. 6 Satz 1 ihrer Grund­ord­nung auch Gebrauch gemacht hat. In die­sem Fall gilt das auch in der Grund­ord­nung der Hoch­schu­le nicht ver­zicht­ba­re Erfor­der­nis, dass die jewei­li­ge Wahl des Dekans gemäß § 90 Abs. 1 Satz 6 HmbHG in Ver­bin­dung mit § 6 Abs. 6 Satz 1 Halb­satz 2 Grund­ord­nung der Zustim­mung des Prä­si­di­ums bedarf.

Sowohl bei der Wahl des Dekans durch das Prä­si­di­um und der dann erfor­der­li­chen Bestä­ti­gung sei­tens des Fakul­täts­rats wie auch umge­kehrt bei der Wahl des Dekans durch den Fakul­täts­rat und der dann erfor­der­li­chen Bestä­ti­gung sei­tens des Prä­si­di­ums kann es zwi­schen Prä­si­di­um und Fakul­täts­rat zu einer Blo­cka­de­si­tua­ti­on hin­sicht­lich der Bestel­lung des Dekans kom­men. Zwar ent­hält die Wis­sen­schafts­frei­heit auch das Gebot der Siche­rung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Hoch­schul­be­triebs 50. Eine bloß abs­trakt denk­ba­re Blo­cka­de­mög­lich­keit reicht jedoch nicht aus, um einen Ver­stoß gegen die­ses Gebot anzu­neh­men 51. Der Gesetz­ge­ber ist grund­sätz­lich nicht gehin­dert, eine auf wech­sel­sei­ti­ge Koope­ra­ti­on ange­leg­te Orga­ni­sa­ti­on zu wäh­len 49.

Ins­ge­samt ist damit die Wahl des Dekans nur ein­ge­schränkt geeig­net, die feh­len­den Mit­wir­kungs­mög­lich­kei­ten des Fakul­täts­rats zu kom­pen­sie­ren. Die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des durch die §§ 90, 91 HmbHG kon­sti­tu­tier­ten hoch­schul­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Gesamt­ge­fü­ges ergibt sich jeden­falls aus den unzu­rei­chen­den Rech­ten des Fakul­täts­rats bezüg­lich der Abwahl des Dekans.

Dem Fakul­täts­rat kommt nach § 90 Abs. 4 Satz 3 HmbHG ledig­lich das Recht zu, mit einer Mehr­heit von drei Vier­teln sei­ner Mit­glie­der dem Prä­si­di­um die Abwahl des Dekans vor­zu­schla­gen. Die Mög­lich­keit, hier­von in der Grund­ord­nung abzu­wei­chen, sieht das Hoch­schul­ge­setz nicht vor. Der Fakul­täts­rat selbst ist nicht befugt, über die Abwahl eines Dekans, der das Ver­trau­en der Hoch­schul­leh­rer nicht mehr genießt, zu ent­schei­den, was die dem Fakul­täts­rat zuste­hen­den Kon­troll­be­fug­nis­se erheb­lich ein­schränkt. Die­ses Recht hat nach § 90 Abs. 4 Satz 2 HmbHG viel­mehr das Prä­si­di­um mit Zustim­mung des Hoch­schul­rats. Dar­über hin­aus wird das ohne­hin nur bestehen­de Abwahl­vor­schlags­recht noch an das Erfor­der­nis einer qua­li­fi­zier­ten Mehr­heit gebun­den, die von den im Fakul­täts­rat ver­tre­te­nen Hoch­schul­leh­rern allein nicht erreicht wer­den kann und des­halb zur Eini­gung mit ande­ren im Fakul­täts­rat ver­tre­te­nen Grup­pen zwingt. Der Vor­schlag des Fakul­täts­ra­tes ent­fal­tet, wie der inso­weit kla­re Wort­laut erken­nen lässt, für das Prä­si­di­um auch kei­ne Bin­dungs­wir­kung. Der Fakul­täts­rat hat mit­hin kei­ne Mög­lich­keit, sich selbst­be­stimmt von einem Dekan zu tren­nen, der von ihm nicht mehr als Lei­tungs­or­gan der Fakul­tät akzep­tiert wird. Das ist des­halb beson­ders schwer­wie­gend, weil der Fakul­täts­rat nach dem Hoch­schul­ge­setz auch nicht über ande­re Einfluss‑, Kontroll‑, Veto- und Infor­ma­ti­ons­rech­te ver­fügt, so dass das Feh­len einer Befug­nis zur Abwahl des Dekans eine Kon­trol­le des Deka­nats durch den Fakul­täts­rat fak­tisch unmög­lich macht.

Das hoch­schul­or­ga­ni­sa­to­ri­sche Gesamt­ge­fü­ge ver­stößt danach auch unter Berück­sich­ti­gung des wei­ten Spiel­raums, der dem Gesetz­ge­ber bei der Gestal­tung der Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on zukommt, gegen Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG und führt zur Unver­ein­bar­keit von § 90 Abs. 1 Satz 3, Abs. 4 Satz 2 und 3 sowie Abs. 5 Nr. 1, Nr. 2 1. Alter­na­ti­ve und Nr. 7, § 91 Abs. 2 HmbHG. Die dem Deka­nat zuge­wie­se­nen umfang­rei­chen Kom­pe­ten­zen wer­den weder durch Mit­wir­kungs- und Betei­li­gungs­rech­te noch durch Auf­sichts- und Kon­troll­rech­te des Fakul­täts­rats hin­rei­chend kom­pen­siert. Damit ist kein aus­rei­chen­des Niveau der Par­ti­zi­pa­ti­on der Grund­rechts­trä­ger mehr gewähr­leis­tet und die freie wis­sen­schaft­li­che Betä­ti­gung in Leh­re und For­schung struk­tu­rell gefähr­det.

Die Fol­gen des Ver­sto­ßes gegen die Wis­sen­schafts­frei­heit[↑]

Die Unver­ein­bar­keit mit Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG führt nicht gemäß § 95 Abs. 3 Satz 1 BVerfGG zur Nich­tig­keit der ange­grif­fe­nen Rechts­la­ge.

Steht eine gesetz­li­che Rege­lung mit dem Grund­ge­setz nicht in Ein­klang und hat der Gesetz­ge­ber meh­re­re Mög­lich­kei­ten, den Ver­fas­sungs­ver­stoß zu besei­ti­gen, trägt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dem regel­mä­ßig in der Wei­se Rech­nung, dass es die Rege­lung nur für unver­ein­bar mit dem Grund­ge­setz erklärt. Das ist auch hier gebo­ten. Der Gesetz­ge­ber kann im Rah­men sei­nes wei­ten Spiel­raums sowohl bei den den Uni­ver­si­täts­or­ga­nen ver­lie­he­nen Kom­pe­ten­zen der Lei­tungs­or­ga­ne wie den Betei­li­gungs- und Kon­troll­mög­lich­kei­ten des Fakul­täts­ra­tes anset­zen, um ein mit Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG ver­ein­ba­res Min­dest­ni­veau an Par­ti­zi­pa­ti­on der Grund­rechts­trä­ger her­zu­stel­len.

Der Gesetz­ge­ber kann dabei auch an eine in Ham­burg bereits ein­ge­lei­te­te Eva­lua­ti­on der Erfah­run­gen mit dem Ham­bur­gi­schen Hoch­schul­ge­setz anknüp­fen. Ange­sichts die­ses bereits ein­ge­lei­te­ten Pro­zes­ses wird auf eine Frist­set­zung ver­zich­tet.

Im Übri­gen ist zu erwar­ten, dass die Lei­tungs­or­ga­ne in der Über­gangs­zeit ihre Kom­pe­ten­zen im Ein­klang mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen aus­üben wer­den.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 20. Juli 2010 – 1 BvR 748/​06

  1. HmbGVBl S. 249[]
  2. HmbGVBl S. 171[]
  3. HmbGVBl S. 138, 170, 228[]
  4. HmbGVBl S. 191[]
  5. vgl. Art. 3 des Deka­nats­ge­set­zes vom 4. Sep­tem­ber 2006, HmbGVBl S. 494; Art. 19 des Geset­zes zur Neu­re­ge­lung des Ham­bur­gi­schen Besol­dungs- und Beam­ten­ver­sor­gungs­rechts vom 26. Janu­ar 2010, HmbGVBl S. 23, 107; Art. 1 Nr. 16 des Geset­zes zur Ver­bes­se­rung des Hoch­schul­zu­gangs für beruf­lich Qua­li­fi­zier­te und des Bache­lor-Mas­ter-Stu­di­en­sys­tems vom 6. Juli 2010, HmbGVBl S. 473, 475[]
  6. HmbGVBl S. 171; zuletzt geän­dert durch das Gesetz zur Ver­bes­se­rung des Hoch­schul­zu­gangs für beruf­lich Qua­li­fi­zier­te und des Bache­lor-Mas­ter-Stu­di­en­sys­tems vom 6. Juli 2010, HmbGVBl S. 473[]
  7. vgl. BVerfGE 35, 79, 112; stän­di­ge Recht­spre­chung[]
  8. vgl. BVerfGE 35, 79, 114[]
  9. vgl. BVerfGE 35, 79, 115; 85, 360, 384; 93, 85, 95; 111, 333, 353[]
  10. vgl. BVerfGE 35, 79, 122, 128; 47, 327, 369 f.; 51, 369, 379; 55, 37, 68 f.; 111, 333, 354[]
  11. vgl. auch BVerfGE 35, 79, 113; 47, 327, 367; 90, 1, 12; 111, 333, 354[]
  12. vgl. BVerfGE 47, 327, 370[]
  13. vgl. BVerfGE 35, 79, 112; 47, 327, 367; 90, 1, 11 f.; 111, 333, 354[]
  14. vgl. BVerfGE 35, 79, 115[]
  15. vgl. BVerfGE 35, 79, 116 f.; 54, 363, 389 ff.; 111, 333, 354[]
  16. vgl. BVerfGE 35, 79, 116 f., 127 f.; 111, 333, 354[]
  17. vgl. BVerfGE 111, 333, 355[][]
  18. vgl. BVerfGE 35, 79, 124[]
  19. vgl. BVerfGE 35, 79, 116, 120; 47, 327, 404; 93, 85, 95; 111, 333, 355[]
  20. so schon BVerfGE 35, 79, 117[]
  21. vgl. BVerfGE 50, 290, 332 f.; 88, 203, 262; 111, 333, 356[]
  22. vgl. BVerfGE 111, 333, 356[]
  23. vgl. BVerfGE 111, 333, 356 f.[]
  24. vgl. BVerfGE 111, 333, 357 f.[][]
  25. vgl. BVerfGE 57, 70, 95; 111, 333, 356 f.[]
  26. Hmb­BesG[]
  27. HmbGVBl S. 23[]
  28. § 32 Hmb­BesG[]
  29. § 32 Nr. 2 Hmb­BesG[]
  30. vgl. BVerfGE 35, 79, 123; 61, 260, 279[][][]
  31. vgl. schon BVerfGE 93, 85, 97 zu § 27 Abs. 1 Satz 2 Uni­ver­si­täts­ge­setz Nord­rhein-West­fa­len; und BVerfGE 111, 333, 357 zu § 73 Abs. 2 Satz 3 Bran­den­bur­gi­sches Hoch­schul­ge­setz[]
  32. vgl. BVerfG, Beschluss vom 13.04.2010 – 1 BvR 216/​07, DVBl 2010, 1106[]
  33. vgl. BVerfGE 35, 79, 133[]
  34. vgl. BVerfGE 43, 242, 269[]
  35. § 14 Abs. 2 Satz 5 HmbHG[][]
  36. § 14 Abs. 2 Satz 3 HmbHG[]
  37. vgl. zu die­sem Argu­ment auch Bay­VerfGH, Beschluss vom 07.05.2008 – Vf. 19-VII-06, NVwZ 2009, 177, 181[]
  38. § 90 Abs. 5 Nr. 2 2. Alter­na­ti­ve, § 14 Abs. 2 Satz 4 Halb­satz 2 HmbHG[]
  39. vgl. Bay­VerfGH, Beschluss vom 07.05.2008 – Vf. 19-VII-06, NVwZ 2009, 177, 182[]
  40. § 13 Abs. 1 Satz 2 HmbHG[]
  41. § 90 Abs. 5 Nr. 1 HmbHG[]
  42. § 90 Abs. 5 Nr. 2 1. Alter­na­ti­ve HmbHG[]
  43. vgl. BVerfGE 111, 333, 359; Groß, DVBl 2006, 721, 726[]
  44. vgl. BVerfGE 111, 333, 358[]
  45. § 83 Abs. 1 Satz 2 HmbHG[]
  46. vgl. BVerfGE 43, 242, 285; 54, 363, 390; 111, 333, 362; BVerfG, Beschluss vom 15.09.1997 – 1 BvR 406/​96 und 1 BvR 1214/​97, NVwZ-RR 1998, 175; BVerfG, Beschluss vom 02.07.2008 – 1 BvR 1165/​08[]
  47. § 85 Abs. 3 Satz 2 HmbHG[]
  48. vgl. BVerfGE 111, 333, 357[]
  49. vgl. BVerfGE 111, 333, 365[][]
  50. vgl. auch BVerfGE 35, 79, 124[]
  51. vgl. BVerfGE 111, 333, 364[]