Der Antrag auf Zulas­sung der Beru­fung – und die nicht ver­län­ger­ba­re Begrün­dungs­frist

Nach dem inso­weit völ­lig ein­deu­ti­gen Wort­laut des § 58 Abs. 1 VwGO mit in der Rechts­mit­tel­be­leh­rung kein Hin­weis dar­auf erteilt wer­den, dass eine Ver­län­ge­rung der Frist zur Begrün­dung des Zulas­sungs­an­trags nicht mög­lich ist 1.

Der Antrag auf Zulas­sung der Beru­fung – und die nicht ver­län­ger­ba­re Begrün­dungs­frist

Gemäß § 112e Satz 2 BRAO i.V.m. § 60 Abs. 1, § 125 Abs. 1 Satz 1 VwGO wird Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand gewährt, wenn jemand ohne sein Ver­schul­den ver­hin­dert war, eine gesetz­li­che Frist ein­zu­hal­ten. Unver­schul­det ist eine Frist­ver­säu­mung nur, wenn sie bei Anwen­dung der Sorg­falt, die unter Berück­sich­ti­gung der kon­kre­ten Sach­la­ge im Ver­kehr erfor­der­lich war und dem Klä­ger ver­nünf­ti­ger­wei­se zuge­mu­tet wer­den konn­te, nicht zu ver­mei­den war 2. Das Ver­schul­den sei­nes Ver­tre­ters wird dem Klä­ger gemäß § 112c Abs. 1 Satz 1 BRAO, § 173 Satz 1 VwGO, § 85 Abs. 2 ZPO zuge­rech­net.

An einer unver­schul­de­ten Frist­ver­säu­mung fehlt es hier. Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers hät­te bei Anwen­dung der erfor­der­li­chen Sorg­falt erken­nen kön­nen, dass eine Frist­ver­län­ge­rung nicht in Betracht kommt. Nach § 112c Abs. 1 Satz 1 BRAO i.V.m. § 57 Abs. 2 VwGO, § 224 Abs. 2 ZPO kön­nen gesetz­li­che Fris­ten nur in den beson­ders bestimm­ten Fäl­len ver­län­gert wer­den. Die VwGO sieht aber für die Frist zur Begrün­dung des Zulas­sungs­an­trags (§ 124a Abs. 4 Satz 4 VwGO) – anders als bei der Frist zur Begrün­dung einer zuge­las­se­nen Beru­fung (§ 124a Abs. 3 Satz 3 VwGO) – kei­ne sol­che Mög­lich­keit vor. Eine Ver­län­ge­rung kommt damit nicht in Betracht 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Juli 2015 – AnwZ (Brfg) 30/​15

  1. BGH, Beschluss vom 05.09.2012 – AnwZ(Brfg) 27/​12[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 10.02.2015 – AnwZ (Brfg) 53/​14 3 m.w.N.[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 05.09.2012 – AnwZ(Brfg) 27/​12 6; vom 10.02.2015 – AnwZ(Brfg) 53/​14 4; Schmidt-Räntsch in Gaier/​Wolf/​Göcken, Anwalt­li­ches Berufs­recht, 2. Aufl., § 112e BRAO Rn. 71, jeweils m.w.N.[]