Die Errich­tung einer Montesso­ri-Grund­schu­le

Das Feh­len eines beson­de­ren päd­ago­gi­schen Inter­es­ses an der Errich­tung einer pri­va­ten Grund­schu­le kann nicht aus­schließ­lich damit begrün­det wer­den, dass das päd­ago­gi­sche Kon­zept weder ein Leit­ziel noch eine beson­de­re päd­ago­gi­sche Inno­va­ti­on im Bereich von Unter­richt und Kom­pe­tenz­ent­wick­lung, wel­che das staat­li­che Schul­we­sen ergänzt und berei­chert, aus­weist. Eine allein dar­auf gestütz­te Ableh­nung ist rechts­wid­rig.

Die Errich­tung einer Montesso­ri-Grund­schu­le

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Nie­der­säch­si­sche Lan­deschul­be­hör­de ver­pflich­tet, das Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren zur Errich­tung einer "Grund­schu­le FGH" durch die pri­va­te Trä­ge­rin des Frei­en Gym­na­si­ums Han­no­ver fort­zu­set­zen. Die­se plant seit eini­gen Jah­ren die Ein­rich­tung einer pri­va­ten Grund­schu­le in den Schul­ge­bäu­den des Gym­na­si­ums. Die Klä­ge­rin hat einen Geneh­mi­gungs­an­trag vor­ge­legt, der die Errich­tung der "Grund­schu­le FGH" zum Gegen­stand hat. Die Grund­la­ge der päd­ago­gi­schen Arbeit der "Grund­schu­le FGH" soll die Päd­ago­gik Maria Montesso­ris sein. Die Regio­nal­ab­tei­lung Han­no­ver der Nie­der­säch­si­schen Lan­des­schul­be­hör­de hat die Geneh­mi­gung die­ser Grund­schu­le abge­lehnt. Das von der Klä­ge­rin vor­ge­leg­te päd­ago­gi­sche Kon­zept rei­che nicht aus, um das für die Geneh­mi­gung pri­va­ter Grund­schu­len in Art. 7 Abs. 5 Grund­ge­setz vor­ge­schrie­be­ne "beson­de­re päd­ago­gi­sche Inter­es­se" an der Errich­tung die­ser Grund­schu­le zu begrün­den.

Ande­rer Auf­fas­sung das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver: Danach sei die allein auf das feh­len­de beson­de­re päd­ago­gi­sche Inter­es­se (Art. 7 Abs. 5 Satz 1 GG) gestütz­te Ableh­nung rechts­wid­rig. In Anwen­dung der vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt [1] auf­ge­stell­ten Grund­sät­ze kön­ne das Feh­len eines beson­de­ren päd­ago­gi­schen Inter­es­ses an der Errich­tung der pri­va­ten Grund­schu­le FGH nicht aus­schließ­lich damit begrün­det wer­den, dass das päd­ago­gi­sche Kon­zept der Klä­ge­rin weder ein Leit­ziel noch eine beson­de­re päd­ago­gi­sche Inno­va­ti­on im Bereich von Unter­richt und Kom­pe­tenz­ent­wick­lung, wel­che das staat­li­che Schul­we­sen ergän­ze und berei­che­re, aus­wei­se. Die Montesso­ri-Päd­ago­gik wer­de in Deutsch­land in vie­len Ein­rich­tun­gen und Schu­len prak­ti­ziert. Montesso­ri-Schu­len sei­en ein fes­ter und all­ge­mein bekann­ter Begriff der deut­schen Schul­land­schaft, was nicht nur für den Bereich der pri­va­ten Montesso­ri-Schu­len, son­dern auch für ver­ein­zel­te öffent­li­che Schu­len gel­te. Dass es sich dabei nicht um eine päd­ago­gi­sche Inno­va­ti­on han­de­le, sei für die ver­fas­sungs­recht­li­che Garan­tie der Pri­vat­schul­frei­heit uner­heb­lich.

Die wei­te­re Begrün­dung des ableh­nen­den Bescheids der Beklag­ten sei eben­so all­ge­mein gehal­ten. Sie gebe nichts für die Annah­me her, das von der Klä­ge­rin vor­ge­leg­te päd­ago­gi­sche Kon­zept kön­ne nicht umge­setzt wer­den und die Schul­land­schaft berei­chern. Hier­zu feh­le es schon an einer kon­kre­ten Bezeich­nung von über­prüf­ba­ren Kri­tik­punk­ten und der Bezeich­nung der Gegen­stän­de des Kon­zepts, die nach Auf­fas­sung der Beklag­ten kon­zep­tio­nell nicht aus­sa­ge­kräf­tig genug sei­en.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver hat die Nie­der­säch­si­sche Lan­des­schul­be­hör­de daher ver­pflich­tet, über den Antrag der Klä­ge­rin auf Geneh­mi­gung der Errich­tung und des Betriebs der Grund­schu­le FGH als Ersatz­schu­le unter Beach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Gerichts erneut zu ent­schei­den. Auf­grund der Ver­pflich­tung zur Neu­be­schei­dung ist die Lan­des­schul­be­hör­de ver­pflich­tet, das Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren fort­zu­set­zen und sodann abschlie­ßend über die Ertei­lung der Ersatz­schul­ge­neh­mi­gung zu ent­schei­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver, Urteil vom 25. Sep­tem­ber 2013 – 6 A 3517/​12

  1. BVerfG, vom 16.12.1992 – 1 BvR 167/​878, BVerfGE 80, 40 ff.[]