Die Fin­ger­kup­pen soma­li­scher Flücht­lin­ge

Das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge darf bei Ver­dacht der Mani­pu­la­ti­on von Fin­ger­kup­pen erken­nungs­dienst­li­che Behand­lung von Asyl­be­wer­bern anord­nen.

Die Fin­ger­kup­pen soma­li­scher Flücht­lin­ge

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he hat hier­zu in meh­re­ren Ver­fah­ren ent­schie­den, dass Asyl­an­trag­stel­ler ver­pflich­tet sind, Mani­pu­la­tio­nen ihrer Fin­ger­kup­pen zu unter­las­sen, die den Erfolg erken­nungs­dienst­li­cher Behand­lun­gen ver­ei­teln. Das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge hat­te fest­ge­stellt, dass in den letz­ten Mona­ten vie­le Asyl­be­wer­ber aus Soma­lia Fin­ger­kup­pen auf­wei­sen, die im Rah­men der erken­nungs­dienst­li­chen Behand­lung kei­ne ver­wert­ba­ren Ergeb­nis­se lie­fern. Das Bun­des­amt ver­mu­te­te, dass Asyl­be­wer­ber mit sol­chen Mani­pu­la­tio­nen ver­schlei­ern woll­ten, dass sie aus ande­ren euro­päi­schen Län­dern – vor allem aus Ita­li­en – in der Erwar­tung bes­se­rer Sozi­al­leis­tun­gen nach Deutsch­land wei­ter­ge­wan­dert sind. Das Bun­des­amt ord­ne­te daher an, dass die­se Antrag­stel­ler sich bin­nen eines Monats aus­wert­ba­re Fin­ger­ab­drü­cke abneh­men las­sen oder schrift­lich dar­le­gen müs­sen, war­um dies nicht mög­lich ist. Kamen sie dem nicht nach, stell­te das Bun­des­amt ihre Asyl­ver­fah­ren ein.

Gegen die Ver­fah­rens­ein­stel­lung wand­ten sich meh­re­re Asyl­be­wer­ber. Sie mach­ten gel­tend, die Anord­nung des Bun­des­am­tes zur erken­nungs­dienst­li­chen Behand­lung sei rechts­wid­rig und sie sei­en zu den ange­ord­ne­ten Ter­mi­nen erschie­nen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he hat die Kla­ge des Asyl­be­wer­bers, der den Anord­nun­gen des Bun­des­am­tes nicht nach­ge­kom­men ist, abge­wie­sen: Asyl­an­trag­stel­ler sei­en gesetz­lich ver­pflich­tet, erken­nungs­dienst­li­che Behand­lun­gen zu dul­den. Daher hät­ten sie auch Mani­pu­la­tio­nen zu unter­las­sen, die den Erfolg die­ser Behand­lun­gen ver­ei­tel­ten. Die Beschä­di­gung der Fin­ger­kup­pen begrün­de grund­sätz­lich den Ver­dacht der Mani­pu­la­ti­on zum Zwe­cke der Iden­ti­täts­ver­schleie­rung. Das Bun­des­amt dür­fe in sol­chen Fäl­len daher anord­nen, dass die Asyl­be­wer­ber erneut zur Abga­be aus­wert­ba­rer Fin­ger­ab­drü­cke erschei­nen und die Grün­de bei einem erneu­ten Schei­tern der erken­nungs­dienst­li­chen Behand­lung erläu­tern müss­ten. Erschei­ne der Asyl­be­wer­ber zu einem sol­chen Ter­min nicht, dür­fe das Bun­des­amt bereits des­we­gen das Asyl­ver­fah­ren ein­stel­len.

Den Kla­gen der Asyl­be­wer­ber, die die ange­ord­ne­ten Ter­mi­ne wahr­nah­men, gab das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he dage­gen statt und hob die Ver­fah­rens­ein­stel­lung durch das Bun­des­amt auf. Mit dem Erschei­nen zum erneu­ten Abneh­men der Fin­ger­ab­drü­cke sei­en die Klä­ger ihren Pflich­ten nach­ge­kom­men. Da ihnen nicht mit­ge­teilt wor­den sei, dass die­se Fin­ger­ab­drü­cke wie­der nicht aus­wert­bar waren, hät­ten sie auch nicht dar­le­gen müs­sen, war­um es ihnen nicht mög­lich sei, sich aus­wert­ba­re Fin­ger­ab­drü­cke abneh­men zu las­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he, Urtei­le vom 12. Mai 2011 – A 9 K 2920/​10, A 9 K 23/​11 u.a.