Die Recht­mä­ßig­keit der Wett­bü­ro­steu­er

Mit der Wett­bü­ro­steu­er dür­fen nicht nur Live-Wet­ten, son­dern auch soge­nann­te Pre-Match-Wet­ten besteu­ert wer­den. Es ist kei­ne Dif­fe­ren­zie­rung die­ser Wet­ten bei der Besteue­rung des Ver­gnü­gungs­auf­wands für Wet­ten in einem Wett­bü­ro erfor­der­lich.

Die Recht­mä­ßig­keit der Wett­bü­ro­steu­er

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in den hier vor­lie­gen­den Mus­ter­ver­fah­ren ent­schie­den, dass die Stadt Dort­mund gegen­über Wett­bü­ro­be­trei­bern recht­mä­ßig Wett­bü­ro­steu­ern fest­ge­setzt hat. Der Auf­wand für Sport­wet­ten in Wett­bü­ros, also in Ein­rich­tun­gen, die neben der Annah­me von Wett­schei­nen auch das Mit­ver­fol­gen von Wetter­eig­nis­sen auf Bild­schir­men ermög­li­chen, wird mit der Wett­bü­ro­steu­er erfasst. Schon im Jahr 2016 hat­te das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len [1] die­se neue kom­mu­na­le Steu­er als zuläs­sig bewer­tet . Die­se Auf­fas­sung hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt [2] weit­ge­hend geteilt, jedoch den Steu­er­maß­stab nach der Flä­che des Wett­bü­ros bean­stan­det, weil der Wett­ein­satz der sach­ge­rech­tes­te Maß­stab sei. Infol­ge die­ses Urteils legen eini­ge Kom­mu­nen statt des bis­he­ri­gen Flä­chen­maß­stabs nun­mehr den soge­nann­ten Ein­satz­maß­stab zugrun­de. Beim Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len ist im Jahr 2019 eine Viel­zahl von Ver­fah­ren ein­ge­gan­gen, die die­sen neu­en Maß­stab zum Gegen­stand haben.

Auch die Stadt Dort­mund über­ar­bei­te­te ihre Wett­bü­ro­steu­er­sat­zung und erließ auf die­ser Basis neue Steu­er­be­schei­de. Die dage­gen ange­streng­ten Kla­gen wies das Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen [3] ab. Dar­auf­hin haben die Klä­ger ihr Ziel mit der Beru­fung wei­ter ver­folgt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len aus­ge­führt, dass ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ger­sei­te nicht nur Live-Wet­ten, son­dern auch soge­nann­te Pre-Match-Wet­ten besteu­ert wer­den dür­fen, also Wet­ten auf Sport­er­eig­nis­se, die im Zeit­punkt der Wet­te noch gar nicht begon­nen hät­ten und damit auch noch nicht mit­ver­folgt wer­den könn­ten. Für eine sol­che Beschrän­kung des Steu­er­ge­gen­stands gebe die Sat­zung nichts her. Es lie­ge im weit­rei­chen­den Gestal­tungs­spiel­raum der Gemein­de, wel­che Steu­er­ge­gen­stän­de sie besteu­ern wol­le. Nach Mei­nung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts sei eine Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Live- und Pre-Match-Wet­ten bei der Besteue­rung des Ver­gnü­gungs­auf­wands für Wet­ten in einem Wett­bü­ro nicht erfor­der­lich.

Wei­ter­hin dür­fe nach 105 2a Satz 1 Grund­ge­setz eine ört­li­che Auf­wand­steu­er – wie die vor­lie­gen­de Wett­bü­ro­steu­er – aller­dings nicht bun­des­ge­setz­lich gere­gel­ten Steu­ern gleich­ar­tig sein. Es sei nicht zu ver­ken­nen, dass die Wett­bü­ro­steu­er in vie­len Merk­ma­len der bun­des­recht­li­chen Renn- und Sport­wet­ten­steu­er glei­che, vor allem nach­dem durch das genann­te Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts die­se Steu­ern nun­mehr auch im Steu­er­maß­stab und der Erhe­bungs­tech­nik ange­gli­chen sei­en. Den­noch sei­en. nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len, die Wett­bü­ro­steu­er und die Renn- und Sport­wet­ten­steu­er nicht gleich­ar­tig, weil die Wett­bü­ro­steu­er nur den beson­de­ren Ver­triebs­weg über – den Wett­ei­fer ansta­cheln­de – Wett­bü­ros erfas­se, nicht aber den über ein­fa­che Wett­an­nah­me- und Wett­ver­mitt­lungs­stel­len ohne Mit­ver­fol­gungs­mög­lich­keit und auch nicht das Online­wett­ge­schäft. Es gebe also noch wei­te­re nicht von der Wett­bü­ro­steu­er erfass­te rele­van­te Ver­triebs­we­ge.

Wegen der grund­sätz­li­chen Fra­ge, ob die bei­den Steu­ern auch nun­mehr noch als nicht gleich­ar­tig zu beur­tei­len sind, ist die Revi­si­on zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zuge­las­sen wor­den.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Ent­schei­dun­gen vom 27. August 2020 – 14 A 218/​19, 14 A 2474/​19, 14 A 2275/​19

Die Rechtmäßigkeit der Wettbürosteuer
  1. OVG NRW, Urtei­le vom 13.04.2016 – 14 A 1599/​15 u.a.[]
  2. BVG, Urteil vom 29. 06. 2017 – 9 C 7.16[]
  3. 2 K 2424/​18, 2 K 1597/​19, 2 K 5702/​18[]