Die schech­ten Noten einer Lehr­amts­re­fe­ren­da­rin

Vor­wür­fen über eine dis­kri­mi­nie­ren­de Behand­lung wäh­ren der Aus­bil­dungs­zeit sind recht­zei­tig, das heißt grund­sätz­lich vor Bekannt­ga­be der Note zu erhe­ben, um dem Prü­fungs­amt die Gele­gen­heit zu geben, even­tu­el­le Miss­stän­de abzu­stel­len. Wer­den von einem Prü­fer bei der Examens­prü­fung bestimm­te Aus­füh­run­gen in der Haus­ar­beit nicht zur Kennt­nis genom­men und geht er dadurch mehr­fach von einer unrich­ti­gen Tat­sa­chen­grund­la­ge aus, muss die Beur­tei­lung durch einen ande­ren Prü­fer, der bis­lang am Prü­fungs­ver­fah­ren nicht betei­ligt war, neu erstellt wer­den.

Die schech­ten Noten einer Lehr­amts­re­fe­ren­da­rin

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Kla­ge einer Lehr­amts­re­fe­ren­da­rin aus Aser­bai­dschan teil­wei­se statt­ge­ge­ben. Die Klä­ge­rin hat gegen die Bewer­tung ihrer zwei­ten Examens­prü­fung durch das "Nie­der­säch­si­sche Lan­des­in­sti­tut für schu­li­sche Qua­li­täts­ent­wick­lung" (NLQ) geklagt und unter ande­rem gel­tend gemacht, sie sei wegen ihrer Her­kunft dis­kri­mi­niert wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Han­no­ver sei die Prü­fe­rin mehr­fach von einer unrich­ti­gen Tat­sa­chen­grund­la­ge aus­ge­gan­gen, weil sie bestimm­te Aus­füh­run­gen in der Haus­ar­beit nicht zur Kennt­nis genom­men habe. Die Beur­tei­lung müs­se daher durch einen ande­ren Prü­fer, der bis­lang am Prü­fungs­ver­fah­ren nicht betei­ligt war, neu erstellt wer­den.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt muss­te daher dem Vor­wurf der Klä­ge­rin, die Prü­fe­rin sei befan­gen gewe­sen, nicht näher nach­ge­hen. Es gebe in den For­mu­lie­run­gen der Prü­fe­rin zwar Anhalts­punk­te für eine Befan­gen­heit. Es gebe aber kei­ne Anhalts­punk­te für eine Dis­kri­mi­nie­rung wegen der Her­kunft.

Den wei­te­ren Vor­wür­fen der Klä­ge­rin, auch die Aus­bil­dungs­no­te ("man­gel­haft") sei rechts­wid­rig, weil sie auch wäh­rend ihrer Aus­bil­dungs­zeit dis­kri­mi­niert wor­den ist, sei das Ver­wal­tungs­ge­richt nicht nach­ge­gan­gen. Nach dem Prü­fungs­recht sei­en sol­che Rügen recht­zei­tig, das heißt grund­sätz­lich vor Bekannt­ga­be der Note zu erhe­ben, um dem Prü­fungs­amt die Gele­gen­heit zu geben, even­tu­el­le Miss­stän­de abzu­stel­len. Die Klä­ge­rin habe die­se Rüge aber erst mit der Kla­ge erho­ben und sei daher damit aus­ge­schlos­sen gewe­sen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben, soweit sich die Klä­ge­rin gegen eine der bei­den Beur­tei­lun­gen ihrer schrift­li­chen Examens­ar­beit wen­det und das Prü­fungs­amt ver­pflich­tet, die­se Beur­tei­lung der Examens­ar­beit neu zu erstel­len.

Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver, Urteil vom 26. Sep­tem­ber 2013 – 6 A 4137/​12