Die erle­dig­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Kos­ten­ent­schei­dung

Über die Aus­la­ge­n­er­stat­tung nach Erle­di­gung der Haupt­sa­che bei einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist gemäß § 34a Abs. 3 BVerfGG nach Bil­lig­keits­ge­sichts­punk­ten zu ent­schei­den.

Die erle­dig­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Kos­ten­ent­schei­dung

Die Erstat­tung der Aus­la­gen nach die­ser Vor­schrift stellt im Hin­blick auf die Kos­ten­frei­heit des Ver­fah­rens (§ 34 Abs. 1 BVerfGG), den feh­len­den Anwalts­zwang und das Feh­len eines bei Unter­lie­gen des Beschwer­de­füh­rers erstat­tungs­be­rech­tig­ten Geg­ners die Aus­nah­me von dem Grund­satz des Selbst­be­halts der eige­nen Aus­la­gen 1 dar 2. Bei der Ent­schei­dung über die Aus­la­ge­n­er­stat­tung kann ins­be­son­de­re dem Grund, der zur Erle­di­gung geführt hat, wesent­li­che Bedeu­tung zukom­men.

So ist es bil­lig, einer beschwer­de­füh­ren­den Per­son die Erstat­tung ihrer Aus­la­gen zuzu­er­ken­nen, wenn die öffent­li­che Gewalt von sich aus den mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­grif­fe­nen Akt besei­tigt oder der Beschwer auf ande­re Wei­se abhilft, weil in die­sem Fall – falls kei­ne ander­wei­ti­gen Grün­de ersicht­lich sind – davon aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass sie das Begeh­ren der beschwer­de­füh­ren­den Per­son selbst für berech­tigt erach­tet hat 3.

Im Hin­blick auf die Funk­ti­on und die Trag­wei­te der Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts fin­det eine über­schlä­gi­ge Beur­tei­lung der Erfolgs­aus­sicht der Ver­fas­sungs­be­schwer­de im Rah­men der Ent­schei­dung über die Aus­la­ge­n­er­stat­tung nicht statt 4.

Nach die­sen Maß­stä­ben ent­sprach es im hier ent­schie­de­nen Fall der Bil­lig­keit, die Aus­la­ge­n­er­stat­tung durch die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land anzu­ord­nen. Das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge hat mit der Ent­schei­dung, die Voll­zieh­bar­keit der Abschie­bungs­an­dro­hung bis zum rechts­kräf­ti­gen Abschluss des ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Haupt­sa­che­ver­fah­rens aus­zu­set­zen, selbst die Erle­di­gung des Antrags auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung her­bei­ge­führt und inso­weit zum Aus­druck gebracht, dass es das Begeh­ren der Beschwer­de­füh­re­rin, bis zum Abschluss des Haupt­sa­che­ver­fah­rens im Bun­des­ge­biet ver­blei­ben zu dür­fen, für berech­tigt erach­tet. Aus­weis­lich der Begrün­dung des Beschei­des hielt es wegen der nach Ver­be­schei­dung im ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren offen­bar gewor­de­nen Situa­ti­on eine wei­te­re Abklä­rung im Rah­men des Haupt­sa­che­ver­fah­rens für gebo­ten. Für die Aus­la­ge­n­er­stat­tung ist die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land als Rechts­trä­ge­rin her­an­zu­zie­hen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 29. Mai 2018 – 2 BvR 2767/​17

  1. vgl. BVerfGE 49, 70, 89[]
  2. vgl. BVerfGE 66, 152, 154[]
  3. vgl. BVerfGE 85, 109, 114 ff.; 87, 394, 397 f.[]
  4. vgl. BVerfGE 33, 247, 264 f.[]