Die Wahl­emp­feh­lung des AStA

Die ver­fass­te Stu­die­ren­den­schaft muss sich vor Wahl der stu­den­ti­schen Mit­glie­der des Senats der Albert-Lud­wigs-Uni­ver­si­tät neu­tral ver­hal­ten.

Die Wahl­emp­feh­lung des AStA

So hat jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg der Ver­fass­ten Stu­die­ren­den­schaft der Albert-Lud­wigs-Uni­ver­si­tät Frei­burg unter­sagt, anläss­lich der Wahl der stu­den­ti­schen Mit­glie­der des Senats der Albert-Lud­wigs-Uni­ver­si­tät Frei­burg am 30.06.2015 Wahl­emp­feh­lun­gen zuguns­ten ein­zel­ner Wahl­vor­schlä­ge aus­zu­spre­chen oder ledig­lich ein­zel­ne Wahl­vor­schlä­ge durch die Gestat­tung der Nut­zung der Inter­net­sei­te des Stu­die­ren­den­rats, das Anbrin­gen von Wahl­pla­ka­ten, die Ver­tei­lung von Wahl­kampf­zeit­schrif­ten oder den Auf­ruf zu Wahl­wer­bung in den Vor­le­sun­gen zu unter­stüt­zen. Es hat damit dem Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung statt­ge­ge­ben, der von einem Kan­di­da­ten der Lis­te des Rings Christ­lich-Demo­kra­ti­scher Stu­den­ten gestellt wor­den war.

Zur Begrün­dung sei­ner Ent­schei­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt aus­ge­führt, der Antrag­stel­ler kön­ne als Wahl­be­wer­ber für die Wahl der stu­den­ti­schen Mit­glie­der des Senats ver­lan­gen, dass die Ver­fass­te Stu­die­ren­den­schaft (Antrags­geg­ne­rin) nicht durch Unter­stüt­zung ande­rer Wahl­vor­schlä­ge in einer die Grund­sät­ze der Gleich­heit und Frei­heit der Wahl beein­träch­ti­gen­den Wei­se Ein­fluss auf den Wahl­kampf neh­me. Das Lan­des­hoch­schul­ge­setz schrei­be ihr als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts vor, nach den ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­sät­zen die welt­an­schau­li­che, reli­giö­se und par­tei­po­li­ti­sche Neu­tra­li­tät zu wah­ren. Damit sei es es aber unver­ein­bar, wenn sie durch den Vor­stand des All­ge­mei­nen Stu­die­ren­den­aus­schus­ses als ihrem exe­ku­ti­ven Organ bei Uni­ver­si­täts­wah­len Wahl­emp­feh­lun­gen zuguns­ten ein­zel­ner Wahl­vor­schlä­ge aus­spre­che oder ein­zel­ne Wahl­vor­schlä­ge orga­ni­sa­to­risch unter­stüt­ze.

Der Vor­stand des All­ge­mei­nen Stu­die­ren­den­aus­schus­ses habe bereits bei den Uni­ver­si­täts­wah­len im Jahr 2014 zuguns­ten der Wahl­vor­schlä­ge des Bünd­nis­ses Ver­fass­te Stu­die­ren­den­schaft BVS a und BVS b in den Wahl­kampf ein­ge­grif­fen. So sei dazu auf­ge­ru­fen wor­den, in den Vor­le­sun­gen Wer­bung für die BVS-Lis­ten zu machen. Außer­dem sei­en Pla­ka­te für die­se Wahl­vor­schlä­ge gefer­tigt und eine Wahl­kampf­zeit­schrift der BVS-Lis­ten ver­teilt wor­den. Es wie­sen objek­ti­ve Gesichts­punk­te dar­auf hin, dass eine Wahl­emp­feh­lung bzw. eine Unter­stüt­zung der Wahl­vor­schlä­ge BVS a und BVS b auch in die­sem Jahr von der Antrags­geg­ne­rin geplant sei­en. Im Vor­feld der dies­jäh­ri­gen Uni­ver­si­täts­wah­len habe der Stu­die­ren­den­rat der Antrags­geg­ne­rin in sei­ner Sit­zung vom 24.03.2015 beschlos­sen, das Bünd­nis BVS "ide­ell" zu unter­stüt­zen. Aus Sicht des Gerichts sei damit zwar kei­ne finan­zi­el­le Unter­stüt­zung gemeint, aber wohl durch­aus eine Unter­stüt­zung durch Arbeits­ein­satz und Über­las­sung von Sach­mit­teln. Auf der Home­page des Stu­die­ren­den­rats sei aktu­ell ein Link ledig­lich zum BVS, nicht aber zu ande­ren hoch­schul­po­li­ti­schen Grup­pie­run­gen ent­hal­ten. Ent­ge­gen der Dar­stel­lung der Antrags­geg­ne­rin kön­ne daher nicht davon gespro­chen wer­den, dass die Fra­ge einer Prä­sen­ta­ti­on der Wahl­vor­schlä­ge auf der Home­page der­zeit noch offen sei. Zudem erge­be sich aus dem Pro­to­koll der Sit­zung des Stu­die­ren­den­rats vom 16.06.2015, dass wie­der­um zuguns­ten der BVS-Lis­ten pla­ka­tiert und eine Wahl­kampf­zeit­schrift ver­teilt wer­den sol­le.

Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg, Beschluss vom 23. Juni 2015 – 1 K 1340/​15