Fahr­kos­ten­er­stat­tung für Gym­na­si­as­ten

Die nord­rhein-west­fä­li­schen Bestim­mun­gen zur Fahr­kos­ten­er­stat­tung für Schü­ler sind nach einer Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Gel­sen­kir­chen so aus­zu­le­gen, dass für Gym­na­si­as­ten in der 10. Klas­se die glei­chen Vor­aus­set­zun­gen gel­ten wie für Schü­ler der Sekun­dar­stu­fe I. Ande­ren­falls wer­de gegen den all­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­sto­ßen und wür­den G8-Gym­na­si­as­ten unzu­läs­sig benach­tei­ligt.

Fahr­kos­ten­er­stat­tung für Gym­na­si­as­ten

Durch die Reform der gym­na­sia­len Ober­stu­fe im Rah­men des "G8"-Prozesses beginnt die Ober­stu­fe (Sekun­dar­stu­fe II) an Gym­na­si­en – anders als an Gesamt­schu­len – bereits mit der Klas­se 10. Nach der Schü­ler­fahr­kos­ten­ver­ord­nung erhal­ten Ober­stu­fen­schü­ler erst dann eine Fahr­kos­ten­er­stat­tung, wenn ihr Schul­weg län­ger als 5 km ist. In der Sekun­dar­stu­fe I beträgt die not­wen­di­ge Min­dest­län­ge ledig­lich 3,5 km.

In dem hier nun vom Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen ent­schie­de­nen Fall besucht der Sohn der Klä­ger die 10. Klas­se eines Gym­na­si­ums und wohnt ca. 4,5 km von sei­ner Schu­le ent­fernt. Die beklag­te Stadt lehn­te eine Fahr­kos­ten­er­stat­tung ab, da er der Sekun­dar­stu­fe II ange­hö­re und der Schul­weg zu kurz sei.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Gel­sen­kir­chen beruht die Unter­schei­dung zwi­schen den Sekun­dar­stu­fen dar­auf, wel­cher Schul­weg Kin­dern zuge­mu­tet wer­den kann. Bei der Bemes­sung der Schul­weg­län­gen habe der Ver­ord­nungs­ge­ber neben finanz­po­li­ti­schen Erwä­gun­gen auf das kör­per­li­che Leis­tungs­ver­mö­gen der Schü­le­rin­nen und Schü­ler und etwai­ge Aus­wir­kun­gen der Län­ge des Schul­we­ges auf die eigent­li­che schu­li­sche Belast­bar­keit in den jewei­li­gen Schul­stu­fen abge­stellt. Die Län­ge des Schul­wegs soll­te auch für die jüngs­ten Schü­ler der jewei­li­gen Klas­sen noch zumut­bar sein.

Die Kam­mer schloss unab­hän­gig von der in der Ver­ord­nung fest­ge­leg­ten Wege­län­ge aus, dass ins­be­son­de­re das kör­per­li­che Leis­tungs­ver­mö­gen eines Gym­na­si­as­ten der Jahr­gangs­stu­fe 10 höher ein­zu­stu­fen ist als das z. B. eines Real- oder Gesamt­schü­lers der Jahr­gangs­stu­fe 10.

Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen, Urteil vom 6. April 2011 – 4 K 2150/​10