Gebüh­ren­be­scheid von der Geschäfts­be­sor­ger-GmbH

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat Ent­schei­dun­gen des Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richts 1 bestä­tigt, wonach ein Was­ser- und Abwas­ser-Zweck­ver­band den Erlass von Gebüh­ren­be­schei­den nicht durch ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung auf eine pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­te Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung über­tra­gen darf.

Gebüh­ren­be­scheid von der Geschäfts­be­sor­ger-GmbH

Die Klä­ger wur­den mit Beschei­den unter dem Brief­kopf des beklag­ten Zweck­ver­bands zur Zah­lung von Was­ser- und Abwas­ser­ge­büh­ren her­an­ge­zo­gen. Der Zweck­ver­band, der zu die­sem Zeit­punkt über kein eige­nes Per­so­nal ver­füg­te, hat­te die Berech­nung der Was­ser- und Abwas­ser­ge­büh­ren sowie die Erstel­lung und Ver­sen­dung der Beschei­de einer pri­va­ten GmbH im Wege eines Geschäfts­be­sor­gungs­ver­trags über­tra­gen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt und das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt haben die­se Art der Auf­ga­ben­er­le­di­gung bean­stan­det und die ange­foch­te­nen Beschei­de auf­ge­ho­ben. Die Ver­an­la­gung zu Was­ser- und Abwas­ser­ge­büh­ren ein­schließ­lich der Prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen der Gebüh­ren­tat­be­stän­de fal­le nach dem Thü­rin­ger Lan­des­recht in die hoheit­li­che Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz des Zweck­ver­bands.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die­se Ent­schei­dun­gen bestä­tigt. Die Annah­me der Vor­in­stan­zen, es lägen zwar for­mal Abga­ben­be­schei­de vor, die­se sei­en jedoch rechts­wid­rig, weil sie inhalt­lich nicht von dem zustän­di­gen Hoheits­trä­ger ver­ant­wor­tet sei­en, ver­sto­ße nicht gegen Bun­des­recht. Sie las­se kei­ne sach­frem­den Erwä­gun­gen erken­nen und kön­ne das Recht auf kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung schon des­we­gen nicht ver­let­zen, weil der Zweck­ver­band nicht der Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie des Grund­ge­set­zes unter­fal­le. Da die Län­der die Mög­lich­keit hät­ten, durch Gesetz die Prü­fungs- und Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz der Wider­spruchs­be­hör­de ein­zu­schrän­ken, sei es auch nicht zu bean­stan­den, dass die Vor­in­stan­zen die Wider­spruchs­be­hör­de nicht für ermäch­tigt gehal­ten hät­ten, anstel­le des Zweck­ver­bands erst­mals eine inhalt­li­che Rege­lung zu tref­fen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 23. August 2011 – 9 C 2.11, 3.11 und 4.11

  1. Thü­rO­VG, Urtei­le vom 14.12.2009 – 4 KO 486/​09, 4 KO 482/​09 und 4 KO 488/​09[]