Kar­ne­val in Köln ohne Glas

Vie­les in Köln wie­der­holt sich. Uns so ist es für die in zwei Tagen star­ten­de Kar­ne­vals­ses­si­on wie­der so wie für die letz­te: Die Stadt Köln erlässt für bestimm­te Innen­stadt-Bezir­ke ein Glas­ver­bot und ord­net die sofor­ti­ge Voll­zieh­bar­keit die­ses Ver­bots an. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln ord­net die auf­schie­ben­de Wir­kung der gegen das Glas­ver­bot ein­ge­leg­ten Rechts­mit­tel an. Und das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter kippt auf die Beschwer­de der Stadt hin die Ent­schei­dung des Köl­ner Ver­wal­tungs­ge­richts und bestä­tigt die sofor­ti­ge Voll­zieh­bar­keit des Glas­ver­bo­tes an. So gesche­hen in der letz­ten Ses­si­on wie auch in die­ser:

Kar­ne­val in Köln ohne Glas

Mit einer für sofort voll­zieh­bar erklär­ten All­ge­mein­ver­fü­gung hat­te die Stadt Köln für den 11. Novem­ber 2010 in der Alt­stadt und im Zül­pi­cher Vier­tel ein all­ge­mei­nes Ver­bot aus­ge­spro­chen, Glas­be­hält­nis­se mit­zu­füh­ren und zu benut­zen. Und nach­dem das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln das von der Stadt Köln für die Ses­si­ons­er­öff­nung am 11.11. aus­ge­spro­che­ne Glas­ver­bot gestoppt hat, hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Müns­ter wie­der­um das Glas­ver­bot im Köl­ner Stra­ßen­kar­ne­val bestä­tigt und damit die anders­lau­ten­den Ent­schei­dun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts Köln auf­ge­ho­ben:

Nach sum­ma­ri­scher Prü­fung spre­che viel für die Recht­mä­ßig­keit des Glas­ver­bots, so das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter in sei­nen Ent­schei­dungs­grün­den. Zwar wer­de im All­ge­mei­nen durch das blo­ße Mit­füh­ren und Benut­zen von Glas­be­hält­nis­sen die Gefah­renschwel­le nicht über­schrit­ten. Jedoch tre­te eine ord­nungs­recht­lich rele­van­te Stö­rung der öffent­li­chen Sicher­heit durch die ord­nungs­wid­ri­ge Ent­sor­gung von Glas­fla­schen im öffent­li­chen Stra­ßen­raum ein, die im Köl­ner Stra­ßen­kar­ne­val mas­sen­haft erfol­ge. Nach den Erfah­run­gen der letz­ten Jah­re lie­ge es nahe, das hin­rei­chend wahr­schein­lich ent­ste­hen­de "Scher­ben­meer" bereits als unmit­tel­ba­re Fol­ge des Mit­füh­rens von Glas­fla­schen anzu­se­hen. Es spre­che auch viel dafür, dass die Stadt Köln all die­je­ni­gen als Stö­rer in Anspruch neh­men dür­fe, die die tat­säch­li­che Ver­fü­gungs­ge­walt über gefahr­brin­gen­de Glas­be­hält­nis­se inne­hät­ten.

Vor­sorg­lich hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt noch dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­se ohne­hin nur vor­läu­fi­ge Bewer­tung der Gefah­ren­la­ge nicht ohne Wei­te­res auf ande­re Groß­ver­an­stal­tun­gen über­trag­bar sein dürf­te. Ein Ein­schrei­ten in Fäl­len, in denen das Vor­feld kon­kre­ter Gefah­ren betrof­fen sei, bedür­fe viel­mehr einer beson­de­ren gesetz­li­chen Ermäch­ti­gung.

Zeit­gleich hat das OVG Müns­ter auch ein gegen­über einem Kiosk-Betrei­ber aus­ge­spro­che­nes Ver­kaufs­ver­bot für Geträn­ke in Glas­be­hält­nis­sen bestä­tigt. Gera­de anläss­lich von Mas­sen-Kar­ne­vals­fei­ern gebe der Kiosk-Betrei­ber eine Viel­zahl von Glas­fla­schen ab, von denen beim typi­schen sofor­ti­gen Alko­hol­ver­zehr auf der Stra­ße Gefah­ren aus­ge­hen. Dies recht­fer­ti­ge bei der gebo­te­nen wer­ten­den Betrach­tungs­wei­se vor­aus­sicht­lich die Ein­be­zie­hung der Ver­käu­fer in die Poli­zei­pflicht.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Beschlüs­se vom 9. Novem­ber 2010 – 5 B 1475/​10 und 5 B 1476/​10