Kein Bis­marck in der Nazi­zeit

Das Aus­gleichs­leis­tungs­ge­setz, also das Gesetz über staat­li­che Aus­gleichs­leis­tun­gen für Ent­eig­nun­gen auf besat­zungs­recht­li­cher oder besat­zungs­ho­heit­li­cher Grund­la­ge, die nicht mehr rück­gän­gig gemacht wer­den kön­nen, sieht in einer "Unwür­dig­keits­klau­sel" einen Aus­schluß von Aus­gleichs­zah­lun­gen für Per­so­nen (und deren Rechts­nach­fol­ger) vor, denen ein "erheb­li­ches Vor­schub­leis­ten zuguns­ten des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Sys­tems" zur Last fällt.

Kein Bis­marck in der Nazi­zeit

Um ein sol­ches "erheb­li­ches Vor­schub­leis­ten zuguns­ten des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Sys­tems" han­delt es sich aber noch nicht bei einer Tätig­keit als Gesand­ter I. Klas­se im Aus­wär­ti­gen Amt, auch dann nicht, wenn der GEsand­te Trä­ger eines berühm­ten Namens ist, mit dem sich das natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Régime auf­grund die­ser Stel­lung schmü­cken kann.

So war jetzt vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Mag­de­burg die Kla­ge auf Aus­gleichs­leis­tun­gen der Rechts­nach­fol­ger nach Otto (II.) von Bis­marck erfolg­reich, das Ver­wal­tungs­ge­richt Mag­de­burg hat der auf Gewäh­rung von Aus­gleichs­leis­tun­gen und – soweit mög­lich – Rück­ga­be der beweg­li­chen Gegen­stän­de gerich­te­ten Kla­ge der Rechts­nach­fol­ger nach Otto (II.) von Bis­marck statt­ge­ge­ben.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt war zu der Über­zeu­gung gelangt, dass die Vor­aus­set­zun­gen für einen Aus­schluss von Aus­gleichs­leis­tun­gen nicht vor­lie­gen. Unter Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 18.09.2009 zur Aus­le­gung der „Unwür­dig­keits­klau­sel“ des Aus­gleichs­leis­tungs­ge­set­zes hat das Gericht ein "erheb­li­ches Vor­schub­leis­ten zuguns­ten des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Sys­tems" durch Otto (II.) von Bis­marck ver­neint.

Eine ent­spre­chen­de Indi­zwir­kung erge­be sich ins­be­son­de­re nicht aus der Stel­lung als Gesand­ter I. Klas­se und damit Stell­ver­tre­ter des Bot­schaf­ters an der Deut­schen Bot­schaft in Rom ab dem Jahr 1940. Eine erfor­der­li­che indi­vi­du­el­le Belas­tung des von Bis­marck hat das Gericht nicht fest­stel­len kön­nen. Soweit von Bis­marck dem Sys­tem genützt habe, indem er den gro­ßen Namen sei­nes Groß­va­ters, des Reichs­grün­ders und ers­ten Reichs­kanz­lers Otto I. von Bis­marck in das NS-Sys­tem ein­ge­bracht habe, kön­ne dies zumin­dest nicht als "erheb­li­ches För­dern" bewer­tet wer­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Mag­de­burg, Urteil vom 29. März 2011 – 5 A 6/​11 MD