Pass­ent­zug durchs Lan­des­kri­mi­nal­amt

Nach dem Pass­ge­setz kann ein Rei­se­pass ent­zo­gen wer­den, wenn bestimm­te Tat­sa­chen die Annah­me begrün­de­ten, dass der Pas­s­in­ha­ber die inne­re oder äuße­re Sicher­heit oder sons­ti­ge erheb­li­che Belan­ge der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gefähr­det. Das Auf­su­chen eines ter­ro­ris­ti­schen Aus­bil­dungs­la­gers im Aus­land ist genau­so wie die Unter­stüt­zung des bewaff­ne­ten Jihad geeig­net, in erheb­li­chem Maße die aus­wär­ti­gen Bezie­hun­gen der Bun­des­re­pu­blik zu gefähr­den.

Pass­ent­zug durchs Lan­des­kri­mi­nal­amt

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin die Kla­gen zwei­er Per­so­nen abge­wie­sen, deren Päs­se ent­zo­gen wor­den waren. Einer der Klä­ger hat­te als Inha­ber eines deut­schen Pas­ses mit Visum für den Iran am 30. Sep­tem­ber 2009 ver­sucht, nach Istan­bul aus­zu­rei­sen, wur­de hier­an aber von Beam­ten des Lan­des­kri­mi­nal­am­tes auf dem Flug­ha­fen Ber­lin-Tegel gehin­dert. In sei­nem Gepäck befan­den sich u.a. ver­schie­de­ne Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de für Out­door-Akti­vi­tä­ten sowie etwa 4.700,- US-$ Bar­geld. Ein ande­rer Klä­ger – ein Stu­dent der Elek­tro­tech­nik – hat min­des­tens seit 2009 bis heu­te enge Kon­tak­te zu Per­so­nen, die der jiha­dis­tisch-sala­fis­ti­schen Sze­ne ange­hö­ren und z.T. nach Paki­stan aus­ge-reist sind bzw. dies in der Ver­gan­gen­heit ver­sucht haben. Zuletzt befand sich sein Name auf einer ver­schlüs­sel­ten Lis­te von Per­so­nen, die für den mili­tan­ten Jihad tätig wer­den soll­ten.

Nun hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin die Recht­mä­ßig­keit der Pass­ent­zie­hung bestä­tigt, indem es aus­führ­te, dass ein Pass nach dem Pass­ge­setz ent­zo­gen wer­den kann, wenn bestimm­te Tat­sa­chen die Annah­me begrün­de­ten, dass der Pas­s­in­ha­ber die inne­re oder äuße­re Sicher­heit oder sons­ti­ge erheb­li­che Belan­ge der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gefähr­det. Das Auf­su­chen eines ter­ro­ris­ti­schen Aus­bil­dungs­la­gers im Aus­land ist geeig­net, in erheb­li­chem Maße die aus­wär­ti­gen Bezie­hun­gen der Bun­des­re­pu­blik zu gefähr­den. Dies gilt auch – wie das beim zwei­ten Klä­ger der Fall ist -, wenn die Gefahr besteht, dass ein Ort auf­ge­sucht wird, um ande­re für den Jihad aus­zu­bil­den, in Auf­ga­ben ein­zu­wei­sen oder koor­di­nie­rend tätig zu wer­den.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt bejah­te in bei­den Fäl­len das wei­te­re Fort­be­stehen der Gefahr. Auch wenn der ers­te Klä­ger nach der ver­such­ten Aus­rei­se nicht mehr in Erschei­nung getre­ten ist, sind die mit der schon kon­kret ins Auge gefass­ten Aus­rei­se zusam­men­hän­gen­den Gefah­ren für ele­men­ta­re Rechts­gü­ter so gra­vie­rend, dass allein der Ablauf von gut zwei Jah­ren kei­ne ande­re Gefahr­pro­gno­se recht­fer­tigt. Der zwei­te Klä­ger ist bis zuletzt immer wie­der mit Per­so­nen aus der jiha­dis­tisch-sala­fis­ti­schen Sze­ne in Erschei­nung getre­ten, dass nach wie vor von einer fes­ten Ein­bin­dung in die­sen Per­so­nen­kreis aus­zu­ge­hen ist. Für eine Abkehr hier­von ist in bei­den Fäl­len nichts erkenn­bar.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urtei­le vom 6. März 2012 – 23 K 58.10 und 23 K 59.10