Per­spek­tiv­schu­le Fin­nen­trop – Schul­ver­such oder eine neue Schul­form durch die Hin­ter­tür?

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg hat die Errich­tung einer so genann­ten Gemein­schafts­schu­le in Fin­nen­trop vor­läu­fig gestoppt. Das Ver­wal­tungs­g­ge­richt gab den Eil­an­trä­gen der benach­bar­ten Städ­te Atten­dorn und Len­ne­stadt statt und stell­te die auf­schie­ben­de Wir­kung ihrer Kla­gen gegen die Geneh­mi­gung der Gemein­schafts­schu­le („Per­spek­tiv­schu­le Fin­nen­trop, Gemein­schafts­schu­le der Sekun­dar­stu­fe I und der Sekun­dar­stu­fe II“) durch das Schul­mi­nis­te­ri­um des Lan­des wie­der her.

Per­spek­tiv­schu­le Fin­nen­trop – Schul­ver­such oder eine neue Schul­form durch die Hin­ter­tür?

Benach­bar­te kom­mu­na­le Schul­trä­ger sei­en grund­sätz­lich berech­tigt, so das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg, eine Ver­let­zung ihres kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tungs­rechts auch gegen­über der Geneh­mi­gung von Schul­ver­su­chen bzw. Ver­suchs­schu­len gemäß § 25 des nord­rhein-west­fä­li­schen Schul­ge­set­zes gel­tend zu machen.

Bei vor­läu­fi­ger Bewer­tung erwei­se sich die der Gemein­de Fin­nen­trop erteil­te Geneh­mi­gung als rechts­wid­rig. Sie las­se sich nicht auf die vom Schul­mi­nis­te­ri­um her­an­ge­zo­ge­ne Rege­lung über Schul­ver­su­che in § 25 Abs. 1 SchulG und auch nicht auf die zusätz­lich zu beach­ten­de Vor­schrift über Ver­suchs­schu­len in § 25 Abs. 2 SchulG stüt­zen. Die­se Bestim­mun­gen ermög­lich­ten ledig­lich ergeb­nis­of­fe­ne Schul­ver­su­che als aty­pi­sche Aus­nah­men. Das frag­li­che Vor­ha­ben sei jedoch – unab­hän­gig davon, wie vie­le ent­spre­chen­de „Schul­ver­su­che“ gegen­wär­tig ver­wirk­licht wür­den – Teil einer sys­te­ma­ti­schen, über punk­tu­el­le Pro­jek­te hin­aus­ge­hen­den Ein­füh­rung einer neu­en Schul­form, wie sich aus der Koali­ti­ons­ver­ein­ba­rung und dem Rund­erlass des Minis­te­ri­ums vom 21. Sep­tem­ber 2010 erge­be. Ein der­ar­ti­ges Vor­ha­ben unter­lie­ge dem Vor­be­halt des Geset­zes; es erfor­de­re ein ent­spre­chen­des ver­fas­sungs­kon­for­mes for­mel­les Gesetz, das in die­sem Fall nicht vor­han­den sei. Aber auch gemes­sen an den vor­han­de­nen gesetz­li­chen Bestim­mun­gen sei die Geneh­mi­gung rechts­wid­rig, weil das Minis­te­ri­um das ihm zuste­hen­de pla­ne­ri­sche Ermes­sen nicht ord­nungs­ge­mäß aus­ge­übt habe.

Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg, Beschlüs­se vom 8. April 2011 – 10 L 141/​11, 10 L 155/​11 (nichts rechts­kräf­tig)