Pfer­de­steu­er

Gemein­den sind grund­sätz­lich berech­tigt, auf das Hal­ten und das ent­gelt­li­che Benut­zen von Pfer­den für den per­sön­li­chen Lebens­be­darf eine ört­li­che Auf­wand­steu­er (Pfer­de­steu­er) zu erhe­ben.

Pfer­de­steu­er

Dies ent­schied jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in einem Fall aus Hes­sen: Der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Kas­sel hat­te die Pfer­de­steu­er­sat­zung der beklag­ten Stadt Bad Soo­den-Allen­dorf im Rah­men eines Nor­men­kon­troll­ver­fah­rens über­prüft und für recht­mä­ßig gehal­ten 1. Die Revi­si­on zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat­te es nicht zuge­las­sen. Die hier­ge­gen gerich­te­te Beschwer­de der Klä­ger – eines Rei­ter­ver­eins und meh­re­rer Ein­zel­klä­ger – hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nun zurück­ge­wie­sen:

Um die Fra­ge nach der grund­sätz­li­chen Zuläs­sig­keit einer Pfer­de­steu­er zu beant­wor­ten, bedurf­te es nicht der Durch­füh­rung eines Revi­si­ons­ver­fah­rens. Schon nach den bis­her ent­wi­ckel­ten Maß­stä­ben steht fest, dass eine ört­li­che Auf­wand­steu­er auf das Hal­ten und ent­gelt­li­che Benut­zen von Pfer­den erho­ben wer­den darf, soweit es sich um eine Ein­kom­mens­ver­wen­dung für den per­sön­li­chen Lebens­be­darf han­delt. Die Befug­nis zur Erhe­bung ört­li­cher Auf­wand­steu­ern steht nach Art. 105 Abs. 2a Grund­ge­setz den Län­dern zu und ist auf die Gemein­den über­tra­gen. Eine Auf­wand­steu­er soll die in der Ein­kom­mens­ver­wen­dung für den per­sön­li­chen Lebens­be­darf zum Aus­druck kom­men­de wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit des Steu­er­schuld­ners tref­fen. Ört­lich ist eine Auf­wand­steu­er dann, wenn sie an einen Vor­gang im Gemein­de­ge­biet anknüpft.

Das Hal­ten bzw. die ent­gelt­li­che Benut­zung eines Pfer­des geht – ver­gleich­bar der Hun­de­hal­tung oder dem Inne­ha­ben einer Zweit­woh­nung – über die Befrie­di­gung des all­ge­mei­nen Lebens­be­darfs hin­aus und erfor­dert einen zusätz­li­chen Ver­mö­gens­auf­wand. Im Hin­blick dar­auf, dass nur die Ein­kom­mens­ver­wen­dung für den per­sön­li­chen Lebens­be­darf besteu­ert wer­den darf, beschränkt die dem Rechts­streit zugrun­de lie­gen­de Sat­zung den Steu­er­grund auf das Hal­ten und Benut­zen von Pfer­den „zur Frei­zeit­ge­stal­tung“ und nimmt Pfer­de, die nach­weis­lich zum Haupt­er­werb im Rah­men der Berufs­aus­übung ein­ge­setzt wer­den, von der Steu­er­pflicht aus. Für den erfor­der­li­chen ört­li­chen Bezug kommt es nicht auf den Wohn­ort des Pfer­de­hal­ters, son­dern auf die Unter­brin­gung des Pfer­des in der steu­er­erhe­ben­den Gemein­de an. Ob die Gemein­de über den Zweck der Ein­nah­me­er­zie­lung hin­aus noch wei­te­re Zwe­cke ver­folgt, ins­be­son­de­re den, das besteu­er­te Ver­hal­ten – hier die Pfer­de­hal­tung – mit­tel­bar zu beein­flus­sen, ist für die Recht­mä­ßig­keit der Steu­er­erhe­bung uner­heb­lich.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 18. August 2015 – 9 BN 22015 -

  1. Hess. VGH, Beschluss vom 08.12.2014 – 5 C 2008/​13.N[]