Poli­ti­sche Jugend­ver­bän­de und die För­de­rung in Nie­der­sach­sen

Eine Richt­li­nie, nach der nur Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen und Jugend­ver­bän­de geför­dert wer­den, die einer der im Nie­der­säch­si­schen Land­tag ver­tre­te­nen demo­kra­ti­schen Par­tei­en nahe ste­hen, ver­letzt den Grund­satz der Chan­cen­gleich­heit und das Neu­tra­li­täts­ge­bot des Staa­tes bei der För­de­rung poli­ti­scher Bil­dungs­ar­beit und ver­stößt damit gegen den Gleich­heits­satz (Art. 3 GG). Die hier­auf grün­den­den Zuwen­dun­gen sind daher rechts­wid­rig erfolgt, aber dar­aus lässt sich für eine nicht bedach­te Orga­ni­sa­ti­on kei­nen För­der­an­spruch ablei­ten, weil es "kei­ne Gleich­heit im Unrecht" gibt.

Poli­ti­sche Jugend­ver­bän­de und die För­de­rung in Nie­der­sach­sen

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge der Jun­gen Lin­ke Nie­der­sach­sen auf Bewil­li­gung von För­der­mit­teln abge­wie­sen. Die Jun­ge Lin­ke Nie­der­sach­sen e.V. ist ein poli­ti­scher Jugend­ver­band, aber kei­ne Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on einer poli­ti­schen Par­tei. Von 1986 bis 2009 erhielt der Ver­ein Lan­des­zu­wen­dun­gen für poli­ti­sche Bil­dungs­maß­nah­men. Eine Zuwen­dung kön­ne der Klä­ger für das Jahr 2010 nicht erhal­ten. Das hier­für zustän­di­ge Nie­der­säch­si­sche Lan­des­amt für Sozia­les, Jugend und Fami­lie führ­te zur Begrün­dung an, dass die För­de­rung nun­mehr auf der Grund­la­ge einer zum 1. Janu­ar 2010 in Kraft getre­te­nen Richt­li­nie (ein Rund­erlass des Sozi­al­mi­nis­te­ri­ums vom 16.11.2010, der mit Ablauf des 31.12.2014 außer Kraft tritt) erfol­ge. Danach kom­me eine För­de­rung nicht in Betracht, da die För­de­rung vor­aus­set­ze, dass es sich um eine Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on hand­le, die einer der im Nie­der­säch­si­schen Land­tag ver­tre­te­nen demo­kra­ti­schen Par­tei nahe­ste­he. Dies sei beim Klä­ger nicht der Fall. Außer­dem bestün­den Zwei­fel an der Bereit­schaft des Klä­gers, die Zie­le des Grund­ge­set­zes zu för­dern.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver aus­ge­führt, dass nach sei­ner Auf­fas­sung die Richt­li­nie rechts­wid­rig sei, weil danach nur Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen und Jugend­ver­bän­de geför­dert wür­den, die einer der im Nie­der­säch­si­schen Land­tag ver­tre­te­nen demo­kra­ti­schen Par­tei nahe stün­den. Die­se Ein­schrän­kung sei nicht sach­ge­recht; sie ver­let­ze den Grund­satz der Chan­cen­gleich­heit und das Neu­tra­li­täts­ge­bot des Staa­tes bei der För­de­rung poli­ti­scher Bil­dungs­ar­beit und ver­sto­ße damit gegen den Gleich­heits­satz (Art. 3 GG).

Das bedeu­te zwar, dass die Zuwen­dun­gen des Lan­des­so­zi­al­am­tes an die ande­ren Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen rechts­wid­rig erfolgt sei­en, weil es an einer recht­li­chen Grund­la­ge feh­le. Der Klä­ger kön­ne dar­aus aber kei­nen eige­nen För­der­an­spruch ablei­ten, weil es "kei­ne Gleich­heit im Unrecht" gebe.

Mit der Fra­ge des Ver­hält­nis­ses des Klä­gers zur För­de­rung der Zie­le des Grund­ge­set­zes muss­te sich das Ver­wal­tungs­ge­richt daher nicht mehr befas­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver, Urteil vom 19. März 2014 – 11 A 3631/​10