Schwarz­bau­ten am Denk­mal im Außen­be­reich

Wird durch unge­neh­mig­te bau­li­che Maß­nah­men die Denk­ma­l­ei­gen­schaft eines im Außen­be­reich bele­ge­nen Bau­werks zer­stört, kann die Geneh­mi­gungs­fä­hig­keit der durch­ge­führ­ten Maß­nah­men jeden­falls nicht mehr am öffent­li­chen Belang des Denk­mal­schut­zes (§ 35 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 Alt. 4 Bau­GB) schei­tern.

Schwarz­bau­ten am Denk­mal im Außen­be­reich

Nach Art. 82 Satz 1 Bay­BO 1998 1 kann die Bau­auf­sichts­be­hör­de die teil­wei­se oder voll­stän­di­ge Besei­ti­gung von Anla­gen anord­nen, wenn die­se im Wider­spruch zu öffent­lich-recht­li­chen Vor­schrif­ten errich­tet oder geän­dert wor­den sind und nicht auf ande­re Wei­se recht­mä­ßi­ge Zustän­de her­ge­stellt wer­den kön­nen.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat ent­schie­den, dass es nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen für die Beur­tei­lung der Recht­mä­ßig­keit einer Besei­ti­gungs­an­ord­nung grund­sätz­lich auf die Sach- und Rechts­la­ge im Zeit­punkt der letz­ten behörd­li­chen Ent­schei­dung ankommt 2. Ob dies auch hier gilt oder wegen der For­mu­lie­rung "wenn nicht auf ande­re Wei­se recht­mä­ßi­ge Zustän­de her­ge­stellt wer­den kön­nen" in Art. 82 Satz 1 Bay­BO 1998 und mit Blick auf Art. 14 Abs. 1 GG und den ver­fas­sungs­recht­lich ver­bürg­ten Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit auf den Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung abzu­stel­len und daher zu prü­fen ist, ob sich die Sach- und Rechts­la­ge der­ge­stalt ver­än­dert hat, dass die bau­li­che Anla­ge nun­mehr geneh­mi­gungs­fä­hig ist, kann offen blei­ben. Denn nach Fest­stel­lun­gen war bereits zum inso­fern frü­hest mög­li­chen maß­geb­li­chen Zeit­punkt des Erlas­ses der Besei­ti­gungs­an­ord­nung die Denk­ma­l­ei­gen­schaft des klä­ge­ri­schen Wohn­hau­ses infol­ge sei­ner nahe­zu voll­stän­di­gen Ent­ker­nung ent­fal­len. Die Geneh­mi­gungs­fä­hig­keit des Umbaus konn­te damit nicht mehr am öffent­li­chen Belang des Denk­mal­schut­zes in § 35 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 Alt. 4 Bau­GB schei­tern.

Der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat den Zeit­punkt für die Geneh­mi­gungs­fä­hig­keit vor­ver­legt, um dem Anlie­gen des Denk­mal­schut­zes in § 35 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 Bau­GB Rech­nung zu tra­gen 3. Er ent­nimmt der Vor­schrift, dass die eigen­mäch­ti­ge Besei­ti­gung eines Bau­denk­mals nicht ohne Fol­gen für den Bau­herrn blei­ben dür­fe. Das trifft so nicht zu. Das Bau­pla­nungs­recht hat nicht die Auf­ga­be, rechts­wid­ri­ges Ver­hal­ten zu sank­tio­nie­ren. Dafür gibt es ande­re recht­li­che Instru­men­ta­ri­en. Wer­den bau­li­che Maß­nah­men unter Ver­stoß gegen gel­ten­des Recht, ins­be­son­de­re ohne die hier­für erfor­der­li­che Bau­ge­neh­mi­gung durch­ge­führt, kann dies auf der Grund­la­ge ent­spre­chen­der Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­tat­be­stän­de in den Län­dern (hier: Art. 89 Abs. 1 Nr. 10 Bay­BO 1998 bzw. seit 1.01.2008 Art. 79 Abs. 1 Nr. 8 Bay­BO) mit Geld­bu­ße geahn­det wer­den. Für den Fall der Beein­träch­ti­gung oder Zer­stö­rung eines Bau­denk­mals ent­hält zudem das Baye­ri­sche Denk­mal­schutz­ge­setz (BayDSchG) in Art. 23 Abs. 1 Nr. 2 einen ent­spre­chen­den Buß­geld­tat­be­stand. Fer­ner ermäch­tigt Art. 15 Abs. 3 BayDSchG die Unte­re Denk­mal­schutz­be­hör­de u.a. für den Fall, dass die Besei­ti­gung oder Ver­än­de­rung eines Bau­denk­mals ohne die erfor­der­li­che Geneh­mi­gung durch­ge­führt wur­de, dazu, die Wie­der­her­stel­lung des ursprüng­li­chen Zustands zu ver­lan­gen, soweit dies noch mög­lich ist. Über Art. 15 Abs. 4 BayDSchG ist der wider­recht­lich Han­deln­de zudem – und unab­hän­gig von der Ver­hän­gung einer Geld­bu­ße – zur Wie­der­gut­ma­chung des von ihm ange­rich­te­ten Scha­dens bis zu des­sen vol­lem Umfang ver­pflich­tet.

Das gesetz­ge­be­ri­sche Anlie­gen, das hin­ter § 35 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 Alt. 4 Bau­GB steht, läuft damit – anders als der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof meint – nicht leer. Die Vor­schrift ver­drängt die lan­des­recht­li­chen Bestim­mun­gen nicht. Sie gewähr­leis­tet nur ein Min­dest­maß an bun­des­recht­lich eigen­stän­di­gem, von lan­des­recht­li­cher Rege­lung unab­hän­gi­gem Denk­mal­schutz; im Ver­hält­nis zu den denk­mal­recht­li­chen Vor­schrif­ten, die nach § 29 Abs. 2 Bau­GB unbe­rührt blei­ben, hat sie eine Auf­fang­funk­ti­on 4.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 12. Dezem­ber 2013 – 4 C 15.12

  1. Baye­ri­sche Bau­ord­nung i.d.F. der Bekannt­ma­chung vom 04.08.1997, GVBl S. 588[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 11.08.1992 – 4 B 161.92, Buch­holz 406.17 Bau­ord­nungs­recht Nr. 40 = NVwZ 1993, 476[]
  3. BayVGH, Urteil vom 20.09.2011 – VGH 1 B 11.1011[]
  4. BVerwG, Urteil vom 21.04.2009 – 4 C 3.08, BVerw­GE 133, 347 Rn. 21 = Buch­holz 11 Art. 14 GG Nr. 361[]