Sebas­ti­an statt Sab­su­din

Eine Vor­na­mens­än­de­rung kann im Ein­zel­fall gerecht­fer­tigt sein, wenn durch den Namen ein Kind erkenn­bar belas­tet wird. Dies ergibt sich aus einer Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz.

Sebas­ti­an statt Sab­su­din

Der aus Afgha­ni­stan stam­men­de Klä­ger in einem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz ent­schie­de­nen Fall ist Vater eines 2002 gebo­re­nen Jun­gens, der den Vor­na­men Sab­su­din erhielt. Nach der Schei­dung der Eltern bean­trag­te die sor­ge­be­rech­tig­te Mut­ter im Mai 2006 eine Namens­än­de­rung für das Kind, das mitt­ler­wei­le die Schu­le besucht. Sie mach­te gel­tend, dass ihr Jun­ge häu­fig schon mit­ge­teilt habe, wegen sei­nes Namens schwer gehän­selt zu wer­den. Zudem sei er katho­lisch getauft und der Vater habe seit Jah­ren kei­nen Kon­takt zu sei­nem Sohn und zah­le kei­nen Unter­halt. Auf Emp­feh­lung des Rhein-Huns­rück-Krei­ses beschränk­te die Mut­ter den Antrag dahin­ge­hend, dass ihr Jun­ge zukünf­tig den Vor­na­men Sebas­ti­an tra­gen sol­le. Die­sem Antrag gab der Land­kreis statt. Damit war der Vater nicht ein­ver­stan­den und such­te nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren um gericht­li­chen Rechts­schutz nach.

Die Kla­ge blieb erfolg­los. Es lie­ge, so die Koblen­zer Rich­ter, ein die Vor­na­mens­än­de­rung recht­fer­ti­gen­der Grund im Sin­ne des Namens­rechts vor. Zwar sei ein Vor­na­me grund­sätz­lich für die gesam­te Lebens­zeit erwor­ben und des­halb nicht frei abän­der­bar. Der Jun­ge wer­de aber durch sei­nen bis­he­ri­gen Ruf­na­men erheb­lich belas­tet. Auf die Hän­se­lei­en ande­rer Kin­der, die auch auf sei­ne Abstam­mung zurück­zu­füh­ren sei­en, reagie­re er sehr emp­find­lich. Dies sei von den Erzie­he­rin­nen des von dem Kind besuch­ten Kin­der­gar­tens sowie sei­ner Klas­sen­leh­re­rin bestä­tigt wor­den. Die Ände­rung des Vor­na­mens in Sebas­ti­an sei gut geeig­net, sei­ne Inte­gra­ti­on in die Schul­ge­mein­schaft zu erleich­tern. Dem­ge­gen­über müss­ten die Belan­ge des Vaters zurück­ste­hen. Ins­be­son­de­re recht­fer­ti­ge das Argu­ment, der Vor­na­me sei Zei­chen der Zuge­hö­rig­keit zur isla­mi­schen Gesell­schaft, kei­ne ande­re Beur­tei­lung. Der Jun­ge sie katho­lisch getauft und behal­te den Nach­na­men des Klä­gers, so dass die Namens­kon­ti­nui­tät und Ver­bin­dung zu sei­nem Vater gewahrt blei­be.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 10. Dezem­ber 2008 – 5 K 957/​08.KO