Stra­ßen­aus­bau­bei­trags­sat­zung – und die Kom­mu­nal­auf­sicht

Kommt eine Gemein­de einer lan­des­recht­li­chen Ver­pflich­tung zum Erlass einer Stra­ßen­aus­bau­bei­trags­sat­zung nicht nach, so darf die Kom­mu­nal­auf­sichts­be­hör­de sie hier­zu anwei­sen und erfor­der­li­chen­falls eine geset­zes­kon­for­me Sat­zung im Wege der Ersatz­vor­nah­me erlas­sen.

Stra­ßen­aus­bau­bei­trags­sat­zung – und die Kom­mu­nal­auf­sicht

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Streit­fall aus Hes­sen hat­te eine Gemein­de geklagt, die über meh­re­re Jah­re hin­weg ein erheb­li­ches Haus­halts­de­fi­zit auf­wies, aber den­noch und unge­ach­tet geplan­ter Stra­ßen­aus­bau­maß­nah­men auf die Erhe­bung von Anlie­ger­bei­trä­gen ver­zich­te­te. Nach­dem sie kom­mu­nal­auf­sicht­lich zum Erlass einer Aus­bau­bei­trags­sat­zung ange­wie­sen wor­den war, erließ sie eine Sat­zung, die höhe­re Gemein­de­an­tei­le am Aus­bau­auf­wand vor­sah als gesetz­lich für defi­zi­tä­re Gemein­den zuläs­sig. Außer­dem nahm sie lau­fen­de sowie bereits geplan­te Maß­nah­men von der Bei­trags­pflicht aus. Dar­auf­hin änder­te die Kom­mu­nal­auf­sicht die Sat­zung in bei­den Punk­ten.

Die Kla­ge hier­ge­gen blieb vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen 1 wie dem Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof 2 ohne Erfolg. Und das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt wies nun auch die Revi­si­on der Gemein­de zurück:

Sowohl eine lan­des­recht­li­che Pflicht zur Erhe­bung von Bei­trä­gen für Stra­ßen­aus­bau­maß­nah­men als auch deren Durch­set­zung mit Mit­teln der Kom­mu­nal­auf­sicht sind mit der Gewähr­leis­tung gemeind­li­cher Selbst­ver­wal­tung nach Art. 28 Abs. 2 GG ver­ein­bar. Ver­fas­sungs­recht­li­che Gren­zen der Kom­mu­nal­auf­sicht waren im kon­kre­ten Fall nicht berührt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 29. Mai 2019 – 10 C 1.18

  1. VG Gie­ßen, Urteil vom 06.06.2013 – 8 K 152/​12.GI[]
  2. Hess. VGH, Urteil vom 12.01.2018 – 8 A 1485/​13[]