Über­zo­ge­ne Anfor­de­run­gen bei der Ein­bür­ge­rung

Die Klä­rung der Iden­ti­tät ist Vor­aus­set­zung für eine Ein­bür­ge­rung. Die Behör­den dür­fen hier­bei kei­ne bestimm­te Form der Iden­ti­täts­klä­rung ver­lan­gen (hier: mit Lega­li­sa­ti­ons­ver­merk ver­se­he­ne Geburts­ur­kun­de); viel­mehr ist in jedem Ein­bür­ge­rungs­ver­fah­ren eine Ein­zel­fall­be­trach­tung gebo­ten. Über im Ein­bür­ge­rungs­ver­fah­ren vor­ge­leg­te aus­län­di­sche öffent­li­che Urkun­den wird gemäß § 438 Abs. 1 ZPO im Wege der frei­en Beweis­wür­di­gung ent­schie­den.

Über­zo­ge­ne Anfor­de­run­gen bei der Ein­bür­ge­rung

Hat der Gesetz­ge­ber im Fal­le der Ein­bür­ge­rung aner­kann­ter Flücht­lin­ge – anders als in § 26 Abs. 3 Auf­en­thG vor der Ertei­lung einer Nie­der­las­sungs­er­laub­nis – kei­ne Regel­an­fra­ge an das Bun­des­amt ange­ord­net, kann dies nicht durch Behör­den­er­lass "kor­ri­giert" wer­den.

Das Erfor­der­nis des § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 StAG, wonach der Ein­bür­ge­rungs­be­wer­ber sei­nen Lebens­un­ter­halt selbst bestrei­ten kön­nen muss, erfor­dert zwar eine Pro­gno­se­ent­schei­dung zur Alters­si­che­rung im Ein­zel­fall. 60 Mona­te Pflicht­bei­trä­ge zur gesetz­li­chen Alters­si­che­rung sind inso­weit aber kein gesetz­li­ches Tat­be­stands­merk­mal.

Das For­mu­lie­ren aus­drück­li­cher Tat­be­stands­er­for­der­nis­se ist Sache des par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­bers, nicht der Ver­wal­tung.

Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 1. März 2010 – 11 K 223/​09