Emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­te statt Umwelt­in­for­ma­ti­on

Beschei­de über die Zutei­lung von Emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­ten müs­sen der Öffent­lich­keit nur ein­ge­schränkt zugäng­lich gemacht wer­den, ent­schied jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig. Das Umwelt­in­for­ma­ti­ons­ge­setz gibt kei­nen Anspruch auf unbe­schränk­ten Zugang zu Beschei­den, durch die einem Unter­neh­men nach dem Treib­haus­gas-Emis­si­ons­han­dels­ge­setz Berech­ti­gun­gen zur Emis­si­on von Koh­len­di­oxid erteilt wor­den sind.

Emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­te statt Umwelt­in­for­ma­ti­on

Sowohl die Klä­ge­rin als auch die bei­den Bei­gela­de­nen sind Unter­neh­men der Glas­in­dus­trie. Sie benö­ti­gen auf der Grund­la­ge des Treib­haus­gas-Emis­si­ons­han­dels­ge­set­zes für die Emis­si­on von Koh­len­di­oxid Berech­ti­gun­gen, die das beklag­te Umwelt­bun­des­amt ihnen auf der Grund­la­ge des Zutei­lungs­ge­set­zes 2007 für den Zeit­raum 2005 bis 2007 in bestimm­ten Umfang zuge­teilt hat. Gestützt auf das Umwelt­in­for­ma­ti­ons­ge­setz begehr­te die Klä­ge­rin von dem beklag­ten Umwelt­bun­des­amt erfolg­los bestimm­te Anga­ben aus den Zutei­lungs­be­schei­den, die die bei­den Bei­gela­de­nen erhal­ten haben. Ihre Kla­ge hat­te im Beru­fungs­ver­fah­ren zum Teil Erfolg. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat einen Infor­ma­ti­ons­an­spruch ins­be­son­de­re inso­weit ange­nom­men, als die zu Guns­ten der Bei­gela­de­nen ergan­ge­nen Beschei­de Anga­ben dar­über ent­hal­ten, wel­che Gesamt­men­ge an Koh­len­di­oxid die Anla­gen der Bei­gela­de­nen jähr­lich emit­tiert haben und in wel­chem Umfang ihnen Emis­si­ons­be­rech­ti­gun­gen zuge­teilt wor­den sind. Wegen wei­te­rer Anga­ben aus den Beschei­den hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hin­ge­gen ange­nom­men, sie lie­ßen für die Klä­ge­rin Rück­schlüs­se auf betrieb­li­che Daten der bei­gela­de­nen Unter­neh­men zu, die zu deren Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen gehör­ten und des­halb einem Infor­ma­ti­ons­an­spruch ent­zo­gen sei­en 1.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat das Urteil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg weit­ge­hend bestä­tigt: Die Klä­ge­rin habe ihren Antrag nicht offen­sicht­lich miss­bräuch­lich gestellt. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt habe nicht fest­stel­len kön­nen, dass das Aus­kunfts­be­geh­ren allein dem Ver­such der Indus­trie­spio­na­ge die­ne und mit ihm aus­schließ­lich zweck­frem­de, nicht umwelt­be­zo­ge­ne Eigen­in­ter­es­sen ver­folgt wür­den. Die Zutei­lungs­be­schei­de ent­hiel­ten Umwelt­in­for­ma­tio­nen im Sin­ne des Umwelt­in­for­ma­ti­ons­ge­set­zes, bei denen es sich jedoch weit­hin um Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se der Bei­gela­de­nen han­de­le. Auf die­sen Ableh­nungs­grund kön­ne das beklag­te Umwelt­bun­des­amt sich nach dem Umwelt­in­for­ma­ti­ons­ge­setz nur inso­weit nicht beru­fen, als es um Emis­sio­nen in die Umwelt gehe. Dar­un­ter fie­len jedoch nur Anga­ben über die Men­ge Koh­len­di­oxid, die aus den Anla­gen der Bei­gela­de­nen (etwa über einen Schorn­stein) in die Umwelt ent­las­sen wür­den, nicht jedoch bei­spiels­wei­se Anga­ben über anla­gen­in­ter­ne Vor­gän­ge, durch die Koh­len­di­oxid ver­ur­sacht wer­de. Anders als das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt aller­dings auch Anga­ben zur Kapa­zi­tät der Anla­gen nicht zu den Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen gerech­net, weil die Kapa­zi­tät einer Anla­ge regel­mä­ßig in den Unter­la­gen dar­ge­stellt wer­den müs­se, die bei einem immis­si­ons­schutz­recht­li­chen Geneh­mi­gungs­an­trag der Öffent­lich­keit durch Aus­le­gung zugäng­lich zu machen sei­en. Inso­weit feh­le des­halb ein berech­tig­tes Inter­es­se der Bei­gela­de­nen an der Geheim­hal­tung die­ser Anga­ben.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 24. Sep­tem­ber 2009 -7 C 2.09

  1. OVG Ber­lin-Bran­den­burg – 12 B 23.07[]