Ver­nich­tung von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Mais­pflan­zen

Das Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richt Augs­burg hat die Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge der Inha­ber eines land­wirt­schaft­li­chen Betrie­bes abge­wie­sen, die sich gegen eine auf das Gen­tech­nik­ge­setz gestütz­te Anord­nung der Regie­rung von Ober­bay­ern auf Ver­nich­tung von Mais­pflan­zen und Saat­gut gewandt hat­ten.

Ver­nich­tung von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Mais­pflan­zen

Im April 2010 hat­te der beklag­te Frei­staat Bay­ern durch ein Test­ergeb­nis des Nie­der­säch­si­schen Lan­des­am­tes für Ver­brau­cher­schutz und Lebens­mit­tel­si­cher­heit erfah­ren, dass in einer beim Her­stel­ler ent­nom­me­nen Pro­be einer Par­tie der Sor­te PR38H20 Bestand­tei­le der gen­tech­nisch ver­än­der­ten Linie NK 603 nach­ge­wie­sen wur­den. Mais­pflan­zen mit die­ser gen­tech­ni­schen Ver­än­de­rung sind resis­tent gegen Pflan­zen­schutz­mit­tel. In der Euro­päi­schen Uni­on sind sie nicht zum Anbau zuge­las­sen.

Der Betrieb der Klä­ger hat­te – wie vie­le ande­re Betrof­fe­ne – das Saat­gut in Unkennt­nis der Ver­un­rei­ni­gung bereits im März 2010 auf ins­ge­samt 36 ha aus­ge­sät. In der Fol­ge ord­ne­te die Regie­rung von Ober­bay­ern in zahl­rei­chen Fäl­len die Ver­nich­tung der Mais­pflan­zen und des Saat­guts an. Die Klä­ger und ande­re betrof­fe­ne Land­wir­te kamen der Anord­nung zunächst nach, begehr­ten aber im Anschluss von den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten die Fest­stel­lung, dass die Anord­nung rechts­wid­rig war. Allein beim Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richt Augs­burg wur­den über 50 Kla­gen anhän­gig gemacht, um eine Klä­rung der Rechts­la­ge im Hin­blick auf mög­li­che Scha­dens­er­satz­an­sprü­che und die Gefahr einer Wie­der­ho­lung in ähn­li­chen Fäl­len her­bei­zu­füh­ren.

Die Recht­mä­ßig­keit der Anord­nung der Ver­nich­tung der Mais­pflan­zen und des Saat­guts wur­de durch Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Augs­burg nach der heu­ti­gen münd­li­chen Ver­hand­lung bestä­tigt. Es sei davon aus­zu­ge­hen, dass das von den Klä­gern aus­ge­sä­te Saat­gut mit Kör­nern der gen­tech­nisch ver­än­der­ten Sor­te NK 603 ver­un­rei­nigt gewe­sen sei. Damit habe der Anbau gegen das Gen­tech­nik­ge­setz ver­sto­ßen, auch wenn den Klä­gern die Ver­un­rei­ni­gung nicht bekannt gewe­sen sei. Die Ermes­sen­ent­schei­dung der Regie­rung von Ober­bay­ern, die Pflan­zen und das Saat­gut ver­nich­ten zu las­sen, sei feh­ler­frei gewe­sen. Ange­sichts der Gefahr des Aus­kreu­zens der gen­tech­nisch ver­än­der­ten Mais­sor­te in ande­re kon­ven­tio­nel­le Mais­kul­tu­ren und der nicht abge­schlos­se­nen wis­sen­schaft­li­chen Beur­tei­lung der Aus­wir­kun­gen der Mais­sor­te NK 603 auf die Umwelt sei eine sofor­ti­ge Ver­nich­tung der Pflan­zen und des Saat­guts erfor­der­lich und ange­mes­sen gewe­sen.

Baye­ri­sches Ver­wal­tungs­ge­richt Augs­burg, Urteil vom 29. März 2011 – Au 1 K 10.947