Urteils­ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Vor­la­ge des ange­foch­te­nen Urteils

Zur Begrün­dung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist nach § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG ins­be­son­de­re die Vor­la­ge der ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen und der­je­ni­gen Schrift­stü­cke, ohne deren Kennt­nis die Berech­ti­gung der gel­tend gemach­ten Rügen sich nicht beur­tei­len lässt, zumin­dest aber deren Wie­der­ga­be ihrem wesent­li­chen Inhalt nach erfor­der­lich.

Urteils­ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Vor­la­ge des ange­foch­te­nen Urteils

Nur so wird das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in die Lage ver­setzt, zu beur­tei­len, ob die Ent­schei­dun­gen mit dem Grund­ge­setz in Ein­klang ste­hen [1].

Im vor­lie­gen­den Fall nimmt das Ober­lan­des­ge­richt in den ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen inhalt­lich Bezug auf eine ergän­zen­de Stel­lung­nah­me der psy­cho­lo­gi­schen Sach­ver­stän­di­gen sowie auf deren Aus­füh­run­gen in einem Ter­min und auf eine vor­an­ge­gan­ge­ne Beschwer­de­ent­schei­dung im Ver­fah­ren der einst­wei­li­gen Anord­nung. Die­se Unter­la­gen legen die Beschwer­de­füh­rer nicht mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de vor und geben sie auch nicht ihrem wesent­li­chen Inhalt nach wie­der, obwohl sich das Ober­lan­des­ge­richt für das Vor­lie­gen einer Gefähr­dung des Kin­des­wohls maß­geb­lich auf die Erkennt­nis­se der Sach­ver­stän­di­gen stützt. Ange­sichts des­sen ist eine inhalt­li­che Über­prü­fung der Begrün­dun­gen der ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen nicht voll­stän­dig mög­lich. Die Begrün­dung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de genüg­te bereits aus die­sem Grund nicht den Anfor­de­run­gen nach § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG.

Dar­über muss sich die Ver­fas­sungs­be­schwer­de in hin­rei­chen­der Wei­se mit den Begrün­dun­gen der ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen und der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu den gel­tend gemach­ten Grund­rechts­ver­let­zun­gen aus­ein­an­der set­zen [2].

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 11. Febru­ar 2020 – 1 BvR 2662/​19

  1. vgl. BVerfGE 93, 266, 288; 129, 269, 278[]
  2. vgl. BVerfGE 130, 1, 21[]