Ver­fas­sungs­recht­li­cher Eil­rechts­schutz – und die Sub­si­dia­ri­tät

Auch im vor­ge­la­ger­ten ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Eil­rechts­schutz­ver­fah­ren gilt der Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät der Ver­fas­sungs­be­schwer­de (vgl. § 90 Abs. 2 BVerfGG).

Ver­fas­sungs­recht­li­cher Eil­rechts­schutz – und die Sub­si­dia­ri­tät

Nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Streit­fall einen Zustand durch einst­wei­li­ge Anord­nung vor­läu­fig regeln, wenn dies zur Abwehr schwe­rer Nach­tei­le, zur Ver­hin­de­rung dro­hen­der Gewalt oder aus einem ande­ren wich­ti­gen Grund zum gemei­nen Wohl drin­gend gebo­ten ist. Zwar ist nicht erfor­der­lich, dass zum Zeit­punkt der Antrag­stel­lung im Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes bereits ein Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren in der Haupt­sa­che anhän­gig ist 1. Jedoch gilt auch im vor­ge­la­ger­ten ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Eil­rechts­schutz­ver­fah­ren der Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät der Ver­fas­sungs­be­schwer­de (vgl. § 90 Abs. 2 BVerfGG).

Der Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kommt daher nur in Betracht, wenn der Antrag­stel­ler bestehen­de Mög­lich­kei­ten, fach­ge­richt­li­chen Eil­rechts­schutz zu erlan­gen, aus­ge­schöpft hat 2.

In dem­hier vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall hat die Beschwer­de­füh­re­rin den fach­ge­richt­li­chen Rechts­weg noch nicht beschrit­ten. Gegen die von ihr erwar­te­te, gege­be­nen­falls im Ver­fah­ren nach § 331 FamFG zu ertei­len­de gericht­li­che Geneh­mi­gung einer vor­läu­fi­gen Unter­brin­gung stün­de ihr die Beschwer­de nach § 58 FamFG offen. Dass ihr ein Zuwar­ten bis zur amts­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung über die Geneh­mi­gung und nöti­gen­falls bis zur Beschwer­de­ent­schei­dung unzu­mut­bar wäre, weil ihr ein schwe­rer oder unab­wend­ba­rer Nach­teil ent­stün­de (vgl. § 90 Abs. 2 BVerfGG), ist vor dem Hin­ter­grund, dass bei Prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen des § 32 Abs. 1 BVerfGG ein stren­ger Maß­stab zugrun­de zu legen ist 3, nicht ersicht­lich. Das Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ist – anders als der vor­läu­fi­ge Rechts­schutz im fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren – nicht dar­auf ange­legt, mög­lichst lücken­los vor­läu­fi­gen Rechts­schutz zu bie­ten 4. Erst recht nicht ist das Ver­fah­ren nach § 32 Abs. 1 BVerfGG dar­auf ange­legt, das fach­ge­richt­li­che Ver­fah­ren vor­weg­zu­neh­men 5.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 16. März 2016 – 2 BvQ 16/​16

  1. vgl. BVerfGE 105, 235, 238; 113, 113, 119 f.; stRspr[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 30.03.2009 – 2 BvQ 18/​09, juris; Beschluss vom 13.02.2013 – 1 BvQ 2/​13, juris; Beschluss vom 23.10.2013 – 2 BvQ 42/​13, juris; Beschluss vom 24.03.2014 – 1 BvQ 9/​14, NJW 2014, 2420[]
  3. vgl. BVerfGE 87, 107, 111; BVerfG, Beschluss vom 24.03.2014 – 1 BvQ 9/​14, NJW 2014, 2420[]
  4. vgl. BVerfGE 94, 166, 216; BVerfG, Beschluss vom 11.03.1999 – 2 BvQ 4/​99, NVwZ 1999, 980; Beschluss vom 24.03.2014 – 1 BvQ 9/​14, NJW 2014, 2420[]
  5. vgl. BVerfG, Beschluss vom 24.03.2014 – 1 BvQ 9/​14, NJW 2014, 2420[]